pmOne modernisiert Datenlandschaft von Reisemobilhersteller Carthago Agil unterwegs mit Microsoft Fabric

Von Lars Brebeck* 5 min Lesedauer

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Seit über 45 Jahren fertigt die Carthago Reisemobilbau GmbH Reisemobile im Premiumsegment. Das Aulendorfer Unternehmen ist dabei auf rund 1.500 Mitarbeiter angewachsen und kooperiert mit über 250 Handelspartnern in aller Welt. Nun war es an der Zeit, die organisch mitgewachsene Datenlandschaft umfassend zu modernisieren. Dabei fiel die Wahl einer geeigneten Datenmanagement- und Analyse-Plattform auf Microsoft Fabric.

Die Reisemobile von von Carthago bieten Wohnkomfort auf vier Rädern.(Bild:  Carthago Reisemobilbau GmbH)
Die Reisemobile von von Carthago bieten Wohnkomfort auf vier Rädern.
(Bild: Carthago Reisemobilbau GmbH)

Die umfassende Digitalisierung stellt noch immer viele – vor allem kleine und mittelständische – Unternehmen vor große Herausforderungen: Datenquellen wachsen exponentiell, IT-Landschaften werden immer komplexer und die Erwartungshaltung an eine schnelle und effiziente Datenanalyse steigt. Mit den rasanten Fortschritten in den Bereichen KI und Analytics hat sich die Situation zum Teil sogar noch verschärft, etwa was die Anzahl zu integrierender Lösungen und Datenquellen angeht. Besonders für produzierende Unternehmen, bei denen Prozesse, Lieferketten und Qualitätskontrollen eng miteinander verzahnt sind, kommt es hierbei auf eine geeignete Datenstrategie an.

Wie bei vielen Unternehmen galt es auch bei Carthago, die historisch gewachsene, heterogene IT- und Datenlandschaft besser aufzustellen. Als ein führender Anbieter von Reisemobilen hat sich das Unternehmen hierbei der Herausforderung umfassend gestellt und sich eine vollständige Modernisierung der Datenlandschaft verordnet. Dabei hat Carthago vor allem die Chancen einer zeitgemäßen Analytics-Plattform erkannt, die die Qualität und Zugänglichkeit von Daten verbessert. Ziel ist es, ein modernes, zukunftssicheres Berichtswesen zu implementieren, das schnellere und intuitivere Datenanalysen ermöglicht, Self-Service-BI-Funktionen für Endbenutzer bereitstellt und mit dem das Unternehmen flexibel auf sich ändernde Geschäftsanforderungen reagieren kann.

Die Grenzen konventioneller Lösungen

Mit dem stetigen Wachstum von Carthago kam vor allem die bestehende Reportinglösung zunehmend an ihre Grenzen. Diese war auf rund 800 Berichte angewachsen und sorgte teilweise für zu lange Wartezeiten, hohe Wartungskosten und eine komplexe Systemarchitektur mit über 450 Datenmodellen. Für das Unternehmen war schnell klar, dass im Zuge der laufenden ERP-Umstellung der ideale Zeitpunkt gekommen war, die bestehende Datenlandschaft zu optimieren und von einer modernen Reportinglösung zu profitieren.

Anforderungen an eine zentrale Datenplattform

Das Modernisierungsprojekt begann zunächst mit einem strukturierten Anforderungsworkshop von pmOne. Hier standen Themen wie eine vereinfachte Datenintegration, leistungsstarke Analysetools sowie Automatisierung und KI-Unterstützung im Mittelpunkt. Zudem sollte ein Self-Service-Ansatz den administrativen Aufwand senken und die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen stärken. Auf Grundlage der erarbeiteten Ergebnisse entwickelte pmOne anschließend gemeinsam mit Carthago ein technisches Konzept für eine moderne Datenplattform auf Basis von Microsoft Fabric. Als Microsoft-Partner brachte pmOne hier die erforderliche Expertise zur optimalen Nutzung und Implementierung ein.

Das All-in-One-Tool

Die Schlüsselkomponenten von Microsoft Fabric(Bild:  Microsoft)
Die Schlüsselkomponenten von Microsoft Fabric
(Bild: Microsoft)

Microsoft Fabric zeichnet sich vor allem durch das reibungslose Zusammenspiel seiner Komponenten aus. Es integriert überwiegend bestehende Funktionen aus Microsoft-Lösungen wie Power BI, Azure Synapse und Data Factory in optimierter Form in eine SaaS-Plattform und macht sie für Endnutzer leichter zugänglich. Besonders hervorzuheben ist OneLake, was als eine Art „OneDrive für Daten“ fungiert und eine zentrale, duplikationsfreie Datenhaltung ermöglicht. Während enthaltene Tools wie Power BI bereits von weniger IT-Erfahrenen genutzt werden, waren andere Funktionen in der Vergangenheit vor allem IT-Experten vorbehalten. Alle Features verfolgen jedoch dasselbe Ziel: Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Daten effizienter zu verwalten, zu analysieren und zu nutzen.

Aus diesem umfassenden Zusammenspiel der Komponenten resultieren eine Reihe von wichtigen Funktionen und Vorteilen von Microsoft Fabric. Hierzu gehören vor allem:

  • Vereinfachte Datenintegration: OneLake und Data Factory sorgen für eine nahtlose Anbindung unterschiedlichster Datenquellen.
  • Leistungsstarke Analyse-Tools: Synapse Data Engineering, Real-Time Analytics und Data Science-Funktionen erlauben tiefgehende Analysen und Vorhersagen.
  • Automatisierung und KI-Unterstützung: Mit Azure OpenAI und Microsofts Copilot werden Prozesse wie Data Cleansing oder Machine Learning vereinfacht.
  • Self-Service-Ansatz: Auch Fachanwender ohne IT-Hintergrund können über intuitive Oberflächen Daten modellieren und analysieren.

PoC am Beispiel von Lieferantenbewertungen

Zunächst musste sich Fabric jedoch im Rahmen eines Proof-of-Concepts (PoC) bei Carthago beweisen. Ziel des PoC war es, die Machbarkeit der Datenmigration aus dem bestehenden System in die neue Umgebung zu prüfen und die Leistungsfähigkeit von Fabric und Power BI zu demonstrieren. Hier entschied man sich für die Lieferantenbewertung als geeigneten Use Case. Schließlich spielen diese Partner für einen Premiumhersteller wie Carthago eine zentrale Rolle für eine dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit.

Reibungslose Datenmigration

pmOne konnte hier demonstrieren, dass die End-to-End-Implementierung reibungslos funktioniert. Dazu erfolgten eine Datenextraktion aus dem On-premises-SQL-Server, die effiziente Transformation in Microsoft Notebooks sowie eine aussagekräftige Datenvisualisierung in Power BI. Die Lösung führte hierbei alle relevanten Informationen zu Bestellpositionen aus den Vorsystemen zusammen, also beispielsweise Bestellnummern, Artikel, Lieferanten, Mengen und Preise. Diese Daten wurden unter anderem zur Berechnung der Liefertreue verwendet. Hierzu wurde die Abweichung zwischen geplantem und tatsächlichem Wareneingang erfasst und die Pünktlichkeit entsprechend bewertet.

Schrittweise Verbesserung der Datenqualität

pmOne setzte bei diesem Projekt auf eine sogenannte Medaillon-Architektur. Das ist ein spezielles Datendesignmuster für die Organisation von Daten in einem Data Lakehouse. Ziel ist es, die Struktur und Qualität der Daten schrittweise und kontinuierlich zu verbessern, während sie die einzelnen Schichten der Architektur durchlaufen. Die Rohdaten erfahren hierbei einen dreistufigen Transformationsprozess, der sie schrittweise formatoptimiert sowie in analysierbare und verwertbare Informationen für Business Intelligence und Data Analytics umwandelt.

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Liefertreue anschaulich visualisieren

Das Ergebnis ist bei Carthago eine Reihe von KPIs, die für die Visualisierung in Power BI bereitgestellt werden. Hierzu gehören unter anderem die Auftragsmenge, der Lieferantenumsatz, die Anzahl pünktlicher oder stornierter Bestellungen sowie die Liefertreue in Tagen und Bewertungsnoten. Auf dieser Grundlage erfolgt nun bei Carthago zukünftig die Bewertung der Lieferantenperformance. Hierzu visualisiert Power BI auch zeitliche Verläufe, um Trends sichtbar zu machen. So können Einkaufsverantwortliche schnell erkennen, wo die Qualität von Lieferanten möglicherweise abnimmt.

Grundlage für eine umfassende Modernisierung

Der PoC überzeugte bei Carthago gleichermaßen durch eine schnelle Implementierung sowie mit einer verbesserten Performance und Benutzerfreundlichkeit. Sowohl die BI-Abteilung als auch die Endanwender aus den Fachbereichen zeigten sich vor allem von den interaktiven Analysemöglichkeiten begeistert. Damit stand dem Beginn des Hauptprojektes nichts mehr im Wege. Hierbei geht es darum, eine moderne Datenstruktur in Microsoft Fabric aufzubauen sowie eine vollständige Migration des Reportings umzusetzen. Im Zuge des Projektes sollen zudem auch Zukunftsthemen wie Data Governance bei Carthago weiter vorangetrieben werden.

Alles in allem bedeutet der Einsatz von Fabric technologisch betrachtet eine Art Paradigmenwechsel: So profitiert das Unternehmen zukünftig von einer flexiblen Skalierbarkeit sowie von den vielfältigen Funktionen wie Low-Code-Dataflows oder Spark-Notebooks. Zudem steht mit Fabric nun eine einheitliche Plattform zur Verfügung, die sowohl IT-Experten als auch Business-User gleichermaßen nutzen können.

Vorteile mit strategischer Tragweite

Die Vorteile der umfassenden Modernisierung sind klar: Signifikant verkürzte Ladezeiten für Berichte beschleunigen die tägliche Entscheidungsfindung. Eine vereinheitlichte und integrierte Datenlandschaft sorgt zudem für eine erhöhte Konsistenz und Zuverlässigkeit der Daten. Gleichzeitig reduziert die Konsolidierung der BI-Infrastruktur die Betriebskosten und ermöglicht eine effizientere Gestaltung der Prozesse. Auch führt die vereinfachte Datenerfassung und -verwaltung zu niedrigeren Wartungskosten. Hierbei ist die Modernisierung der BI-Infrastruktur mehr als nur ein technisches Upgrade – sie ist eine strategische Entscheidung, die die Wettbewerbsfähigkeit von Carthago in einer datengetriebenen Geschäftswelt erheblich stärken wird.

Der Autor
Lars Brebeck arbeitet als Data Engineer bei pmOne und ist zertifizierter Fabric-Analytics- sowie Fabric-Data-Engineer. Der studierte Wirtschaftsinformatiker absolviert derzeit berufsbegleitend ein Studium im Bereich „Angewandte Künstliche Intelligenz.

Bildquelle: pmOne

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