Mehr Zeit für wertschöpfende Aufgaben

Berater setzen auf Datenanalyse

| Autor / Redakteur: Sabine Prehl / Nico Litzel

Für die Studie „Consulting 4.0 – Bessere Beratung durch effizientere Datenanalysen“ hat Lünendonk & Hossenfelder mehr als 100 Führungskräfte aus mittleren bis großen Consulting-Unternehmen befragt.
Für die Studie „Consulting 4.0 – Bessere Beratung durch effizientere Datenanalysen“ hat Lünendonk & Hossenfelder mehr als 100 Führungskräfte aus mittleren bis großen Consulting-Unternehmen befragt. (Bild: Lünendonk & Hossenfelder)

Angesichts der wachsenden Datenflut ist Software-gestützte Datenanalyse zunehmend gefragt. Auch immer mehr Consulting-Firmen nutzen Analyse- und Visualisierungstools, um die Effizienz ihrer Beratung zu steigern und Zusammenhänge aufzuzeigen. Vielerorts sind allerdings noch Lösungen im Einsatz, die die Möglichkeiten der Datenanalyse nicht ausschöpfen. Das belegt eine Umfrage von Lünendonk & Hossenfelder.

Das Thema Datenanalyse und -interpretation ist auch in den Beratungshäusern angekommen. Consulting-Leistungen auf Basis von Daten, im Fachjargon Solutions genannt, sind zunehmend gefragt. Einerseits um die Effizienz der Beratung zu steigern, andererseits weil auch immer mehr Kunden im Zuge der Entwicklung digitaler und datenbasierter Geschäftsmodelle Analytics-Tools einsetzen, mit denen sich Daten aus unterschiedlichsten Datenquellen zusammenziehen und nach Mustern analysieren lassen.

In welcher Form die Berater vom Einsatz moderner Analytics- und Visualisierungswerkzeuge profitieren, zeigt die Studie „Consulting 4.0 – Bessere Beratung durch effizientere Datenanalysen“, für die Lünendonk & Hossenfelder mehr als 100 Führungskräfte aus mittleren bis großen Consulting-Unternehmen befragt hat. Demnach glauben 45 Prozent der Berater, dass sie mit solchen Tools in der Analyse- und Projektumsetzungsphase doppelt so schnell arbeiten. 34 Prozent gehen sogar von einer dreifachen Geschwindigkeit aus.

Das betrifft insbesondere zeitraubende Tätigkeiten wie das Erstellen von Markt- und Wettbewerbsanalysen. Den Aufwand dafür – ohne Automatisierung mithilfe von Software – bezeichnete in der Umfrage fast jeder zweite Befragte als „sehr hoch“. Denn die Daten stammen häufig aus verschiedenen Datenquellen, liegen in unterschiedlichen Datenformaten vor und müssen zum Teil manuell aufbereitet werden. Noch arbeitsintensiver sind die Datenbeschaffung und -eingabe sowie die Bereinigung der Stammdaten, da die Informationen hier vielerorts noch manuell gesucht und ausgewertet werden.

Fundierter beraten mithilfe von Datenanalyse

Data Analytics gilt zudem als wichtige Voraussetzung, um die Kunden in Sachen digitale Transformation umfassend beraten zu können. In der Umfrage äußerten 70 Prozent der Befragten diese Meinung. Und rund 40 Prozent gaben an, dass ihre Kunden den Einsatz von Analytics-Tools in einzelnen Beratungsprojekten sogar explizit fordern.

In der Praxis besteht allerdings noch Nachholbedarf: Laut Studie setzen zwar bereits 74 Prozent der Beratungsunternehmen auf die Software-gestützte Datenanalyse. Es gibt allerdings große Unterschiede zwischen den eingesetzten Lösungen. So wertet das Gros der Befragten (91 Prozent) standardisierte Kundendaten nach wie vor in Excel aus, obwohl sie gleichzeitig einräumen, dass das Programm schnell an seine Grenzen stößt – etwa wenn es um das Aufzeigen von Zusammenhängen geht. Jeweils 64 Prozent verwenden für bestimmte Aufgaben „Eigenentwicklungen“ oder „BI-Standardwerkzeuge“. Deren Einsatz ist jedoch in der Regel mit hohem Aufwand für die Datenanbindung und das Customizing verbunden. Flexible Analyse-Tools, die sich schnell und ohne großen Programmieraufwand an die jeweiligen Anforderungen anpassen lassen, nutzen bislang nur 45 Prozent der Befragten.

Worauf es bei Analytics-Tools ankommt

Zu ihnen zählt die die Beratungsfirma h&z, die seit Mai 2016 mit der Self-Service-Analytics-Software Tableau arbeitet. „Tableau bietet den Vorteil, dass unsere Berater keine Vorkenntnisse benötigen, um eine schnelle Datenexploration per Drag&Drop zu fahren. Selbst komplexe Daten – etwa aus SAP-Business-Warehouse- oder CRM-Systemen – lassen sich ohne großen Schulungsaufwand visualisieren“, erläutert Ulrich Bombka, Principal bei h&z. Ein weiterer Vorteil seien die zahlreichen Schnittstellen, über die sich Daten aus den verschiedensten Quellen anbinden lassen: „Tableau ermöglicht es, sich ad hoc an dezentrale Datenbanken und Dateien anzudocken. Für h&z ist das ein entscheidender Aspekt, da es bei uns besonders auf Schnelligkeit und Flexibilität ankommt.“

Zum Einsatz kommt Tableau bei h&z vor allem, „um Daten interaktiv vor Kunden zu präsentieren und aufkommende Fragen direkt beantworten zu können“, beschreibt Bombka. Für datenlastige Auswertungen – etwa Produktions- und Absatzdaten entlang der Supply-Chain – eigne sich die Software perfekt, da sie umfassende Visualisierungsfunktionen biete und auch große Datenmengen effizient und anschaulich darstellen könne: „Mit wenigen Mausklicks lassen sich Drill-Down-Menüs samt Verknüpfungen erstellen und mithilfe von Filtern die Auswahl eingrenzen – etwa auf Landesgesellschaften, Geschäftsbereiche, Abteilungen oder bestimmte Zeiträume. Damit ist man nicht mehr an konventionelle Formate wie PDF und Powerpoint gebunden und kann spontan aufkommende Fragen noch während des Meetings beantworten.“

Mehr Effizienz schafft mehr Zeit für Interpretation und Beratung

Wie die Studie zeigt, dient die Datenanalyse und -visualisierung für das Gros der Berater (93 Prozent) dazu, mehr Transparenz in Kundenprobleme bringen. Außerdem analysieren Consultants Daten, um bestimmte Entwicklungen zu veranschaulichen (87 Prozent), Arbeitshypothesen zu bestätigen (72 Prozent) oder Ursachen ausfindig zu machen (70 Prozent). Flexible Analyse-Werkzeuge entlasten die Berater, denen dadurch mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten bleibt. Denn nicht nur Junior-Consultants, auch erfahrene Berater sind oft in manuellen Aufgaben „gefangen“. Mehr Effizienz durch moderne Tools bedeutet mehr Zeit für Interpretation und Beratung und insgesamt bessere Consulting-Leistung, lautet die Rechnung. Auch die Außenwirkung ist dabei nicht zu unterschätzen, meint Jonas Lünendonk, Geschäftsführer der Lünendonk & Hossenfelder GmbH, München: „Ein Consulting-Unternehmen, das schnell mal eine Ad-hoc-Analyse fahren kann, ohne dafür zwei Wochen lang einen Berater abstellen zu müssen, kann sich natürlich als innovativer Dienstleister im Markt positionieren.“

Technik-affine Berater sind gefragt

Voraussetzung, um die Möglichkeiten der modernen Datenanalyse voll ausschöpfen zu können, ist allerdings, dass sich die Beratungshäuser die entsprechenden technischen Skills aneignen: „Die Beratung ist zwar ein People-Business. Neben Wissen und persönlicher Erfahrung sind heute aber auch Technologie-Skills gefragt – etwa damit die Berater die Analytics-Software auswählen und sich um damit verbundene Sicherheitsaspekte kümmern können“, gibt Lünendonk & Hossenfelder zu bedenken. h&z-Analytics-Experte Bombka sieht ebenfalls einen steigenden Bedarf an technischem Know-how: „Es muss jemanden geben, der in der Lage ist, die Daten vor der Auswertung aufzubereiten.“ Auch für tiefergehende Analysen seien Kenntnisse in Datenstrukturen, Statistik und Datenbereinigung vonnöten. „Und solches Wissen ist zurzeit im Markt eher rar gesät.“

Die Beraterzunft verändert sich im Zuge der Digitalisierung rasant. Im Research und in der Datenanalyse ersetzt moderne Analytics-Software bereits einen Großteil der manuellen Beraterleistungen. Die Analysen werden dadurch schneller, effizienter und treffgenauer, auch die Integration wiederkehrender Fragestellungen in standardisierte Handlungskonzepte und Methoden senkt den manuellen Aufwand. Beratungen, die auf moderne und flexible Data-Analytics-Werkzeuge setzen, werden daher von deutlichen Produktivitätsschüben profitieren. Vor dem Hintergrund, dass die Auslastungsquote der Management-Beratungen bereits so hoch ist, dass in vielen Fällen Kundenanfragen beziehungsweise Projekte verschoben oder abgelehnt werden müssen, lässt sich durch kürzere Projektlaufzeiten die Anzahl der Projekte erhöhen – und somit auch der Geschäftserfolg.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 44463755 / Analytics)