Apple macht einen neuen Anlauf, Künstliche Intelligenz in großem Stil in den Alltag der Nutzer seiner Geräte zu bringen. Ein Herzstück ist eine mit KI verbesserte Version der Assistenzsoftware Siri, die ChatGPT und Co direkte Konkurrenz machen soll.
Auf der WWDC26 hat Apple die nächste Generation von Apple Intelligence, Siri AI, Funktionen zur Kindersicherung und eine Vielzahl von Softwareverbesserungen für iOS, iPadOS, MacOS, WatchOS, VisionOS und TvOS vorgestellt.
(Bild: Apple)
Der iPhone-Konzern hatte bereits vor zwei Jahren KI-Funktionen für Siri angekündigt, die immer noch nicht eingeführt wurden, weil sie laut Apple nicht verlässlich genug funktionierten. Für die Anleger verlief die Präsentation durchwachsen – auf ein Rekordhoch der Aktie folgte ein Rücksetzer, der Kurs schloss am Montag mit Verlusten.
Software-Chef Craig Federighi betonte, aus Sicht von Apple müsse „wirklich hilfreiche KI“ rund um die Bedürfnisse der Nutzer aufgebaut sein. Das bedeute, dass Künstliche Intelligenz in die Produkte integriert werde, die man jeden Tag verwende, und den persönlichen Kontext zu jedem Nutzer kenne.
Keine KI-Siri auf iPhones und iPads in der EU
Für mehr Funktionen bekommt Siri, die vor rund 15 Jahren als Sprachassistentin auf Apple-Geräte kam, eine eigenständige App. Apple-Manager Mike Rockwell zeigte in einer aufgezeichneten Demonstration, wie die neue Siri den Termin des nächsten Konzerts einer Musikerin in der Nähe sowie Informationen zum Ticket-Verkauf heraussuchen, eine Erinnerung erzeugen und danach auf Wunsch einen ihrer neuen Songs abspielen kann.
Zunächst wird die neue KI-Siri nur auf Englisch angeboten. Weitere Sprachen sollen „schnell“ folgen, sagte Federighi. In der Europäischen Union wird „Siri AI“ vorerst generell nicht auf iPhones und iPad-Tablets verfügbar sein.
Der Grund dafür ist die Einstufung von Apple als Gatekeeper. Der Konzern wirft der EU-Kommission daher vor, mit Forderungen nach einer vollständigen Öffnung seiner iPhones und iPads für KI-Assistenten anderer Anbieter die Privatsphäre der europäischen Nutzer zu gefährden. Der Konzern entschied, stattdessen die neue Version seiner Assistenzsoftware Siri mit KI auf iPhone und iPad nicht in der EU verfügbar zu machen. Auf Mac-Computern und der Computer-Brille Vision Pro werden auch europäische Nutzer darauf zugreifen können, weil Apple in diesen Segmenten nicht als „Gatekeeper“ mit viel Marktmacht eingestuft wurde.
Vorschriften des DMA
Das EU-Digitalgesetz DMA (Digital Markets Act) schreibt unter anderem vor, dass als Gatekeeper eingestufte Unternehmen Konkurrenten den gleichen Zugang zu ihren Plattformen bieten müssen wie ihren eigenen Diensten. Apple argumentiert, die neue KI-Siri sei so datenschutzfreundlich umgesetzt, dass der Konzern selbst dabei keinen Zugriff auf die Informationen der Nutzer bekomme. Der Apple-Vorschlag für andere Anbieter sieht demnach vor, dass nach einem ähnlichen Muster deren KI-Modelle zwar Anfragen der Nutzer erfüllen könnten, aber keine Daten behielten. Dieser Plan sei weiterhin auf dem Tisch.
Gedämpfte Begeisterung
Die Apple-Aktie stieg während der Keynote um bis zu 3,3 Prozent auf ein Rekordhoch von 317,40 Dollar. Am Schluss fiel das Papier jedoch im Vergleich mit dem Vortagesschluss um 1,9 Prozent auf 301,54 Dollar zurück.
Nach Jahren voller Versprechungen habe Apple-Chef endlich eine KI-Strategie vorgestellt, die das wahre Monetarisierungspotenzial von Künstlicher Intelligenz erschließen werde, hieß es in einer ersten Einschätzung der Analysten von Wedbush. Verhaltener klang indes die Einschätzung auf der Website Vital Knowledge. Für alle, die gehofft hätten, von der aktualisierten Apple Intelligence begeistert zu werden, sei die Präsentation eine Enttäuschung gewesen, hieß es von den Marktbeobachtern dort.
KI mit Datenschutz als Versprechen
Zudem betont Apple, dass der Datenschutz garantiert sei, da die Anfragen auf den Geräten bearbeitet werden und nicht für den Konzern einsehbar seien. Federighi erlaubte sich zugleich einen Seitenhieb gegen Unternehmen die in einem Wettlauf „KI im Namen von KI“ verfolgten und dabei nicht die Interessen der Nutzer beachteten. Apple greift für einen Teil der neuen Funktionen unter der Haube auf die Gemini-KI-Modelle von Google zurück.
Zwei Jahre Verzögerung
Während Apple mit den Siri-Problemen kämpfte, überboten sich Google als Entwickler des konkurrierenden Mobil-Betriebssystems Android und der große iPhone-Rivale Samsung mit Ankündigungen immer neuer KI-Assistenzfunktionen. Gemessen daran wirkte Apple im Rückstand – den Kunden schien das jedoch egal zu sein. Die Verkäufe der Apple-Geräte stiegen weiter und das iPhone schubste nach Berechnungen von Marktforschern Samsung nach vielen Jahren vom Smartphone-Thron.
Neben den prominent vorgestellten neuen Siri-Fähigkeiten kommt Künstliche Intelligenz wie schon seit Jahren auch in einzelnen Funktionen verschiedener Apple-Apps zum Einsatz. Die Automatisierungen in der Apple-App „Shortcuts“ kann man nun per Sprachbefehl erstellen. So kann man zum Beispiel mit einem Satz eine Funktion einrichten, die der Familie automatisch die geschätzte Ankunftszeit mitteilt, wenn man sich von der Arbeit nach Hause aufmacht.
In Apples Webbrowser Safari soll KI offene Tabs nach Themen bündeln können. Bei Fotos kann man Personen innerhalb eines Bildes verschieben. Künstliche Intelligenz füllt dann entstandene Lücken oder neu benötigte Ränder aus. Google bietet eine solche Funktion bereits auf Geräten mit seinem Betriebssystem Android an.
Stand: 08.12.2025
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Die Nachrichten-App wird künftig den Kontext einer Unterhaltung verstehen und selbst Vorschläge machen, welche Fotos man dazu senden könnte. Apples Home-App kann nun mit Hilfe Künstlicher Intelligenz den Inhalt von Videos eingebundener Sicherheitskameras analysieren und beschreiben.
Nach Kritik, dass die halbdurchsichtigen Bedien-Elemente des aktuellen Designs „Liquid Glass“ zum Teil die Lesbarkeit erschwerten, lässt Apple sie stärker anpassen. Durch ein besseres Management der Prozessor-Leistung sollen die nächsten Versionen der Apple-Betriebssysteme auch auf älteren Geräten schneller funktionieren.