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Experton Big Data Vendor Benchmark 2016 Anwender brauchen neue Geschäftsmodelle

| Autor / Redakteur: Dipl. -Ing. Thomas Drilling / Nico Litzel

Big Data wird nach Ansicht der Analysten der Experton Group mittelfristig ganz normales Projektgeschäft sein, so wie es E-Commerce heute im Vergleich zur Situation vor zehn Jahren ist. Der „Vendor Benchmark Big Data 2016“ des Beratungsunternehmens kommt aber vorerst auch zu dem Ergebnis, dass Anwendern heute noch die passenden datengetriebenen Geschäftsmodelle fehlen.

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Die Experton Group hat den dritten unabhängigen Big-Data-Anbietervergleich veröffentlicht.
Die Experton Group hat den dritten unabhängigen Big-Data-Anbietervergleich veröffentlicht.
(Experton)

Laut Ansicht der Analysten der Experton Group bleibt Big Data eines der wichtigsten IT-Themen der nächsten Jahre. Nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft unserer Zivilisation hänge, so Experton, davon ab, was mit unseren Daten geschieht. Doch wie können Unternehmen tatsächlich von Daten profitieren oder können gar Wirtschaftszweige ohne Daten bestehen? Um solche elementare Fragen im Zusammenhang mit Big Data beantworten zu können, ist es notwendig, die derzeitige Anbieter- und Lösungslandschaft zu kennen.

Mit dem Big Data Vendor Benchmark 2016 hat die Experton Group daher zum nunmehr dritten Mal ihren unabhängigen Anbietervergleich im Big-Data-Umfeld veröffentlicht. Dieser soll ein transparentes Bild der momentanen Anbieter- und Lösungslandschaft zeichnen.

Anbieter und Anwender finden noch nicht zusammen

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie: Die Experton-Analysten konnten zwar im Verlauf der vergangenen drei Jahre zahlreiche Anbieter zusammentragen, die branchenspezifische Lösungen bieten, Anwender könnten diese aber oft nicht einsetzen, weil es ihnen an grundlegenden Geschäftsmodellen fehle, etwa im Bereich Analytics. So müssten Unternehmen, die Analytics einsetzen möchten, oft erst ein passendes Geschäftsmodell entwickeln, für das sich die jeweilige Lösung eigne, sagt Holm Landrock, Lead Advisor Big Data bei Experton.

Datengetriebene Geschäftsmodelle

Darüber hinaus ging es in der Untersuchung unter anderem um die Frage, wie weit Anbieter in puncto digitale Transformation sind und ob Anwender überhaupt auf diese vorbereitet sind. Laut Ansicht der Analysten der Experton Group zielen viele Anbieter derzeit noch darauf ab, vorhandene Geschäftsprozesse auf eine breitere Datenbasis zu stellen.

Doch die Stimmung der Verbraucher kippt, wenn es um immer genauere Auswertung persönlicher Daten geht. Daher seien laut Lutz Peichert, Vorstand und COO der Experton Group, künftig vor allem Ideen gefragt, mit denen Anwenderunternehmen aus ihren Daten heraus neue Geschäftsmodelle entwickeln können, auch ohne personenbezogene Daten: „Die digitale Transformation ist datengetrieben und die Akkumulation der Daten ermöglicht spezifische Big-Data-Szenarien, die einen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb bieten.“

Große Unternehmen sind weiter

Zudem kommt die Studie unter anderem zu dem Ergebnis, dass Unternehmen mit einem webbasierten Geschäftsmodell wie Amazon oder Facebook schon recht früh auf Big-Data-Technologien gesetzt haben, da hier Investition und Nutzen dicht beieinander liegen.

Unternehmen mit klassischen Geschäftsmodellen hingegen wie die Automobilindustrie, die Finanzbranche und das Gesundheitswesen benötigen differenzierte Analysen, um individuelle Geschäftsmodelle auf der Basis von Big-Data-Technologien zu entwickeln. Aber auch solche Unternehmen erkennen nach anfänglichem Zögern mehr und mehr die Möglichkeiten von Big Data und setzen diese in ihren Projekten um.

Der Vendor Benchmark in Zahlen

Laut Experton Group seien die großen Unternehmen im Erstellen entsprechender Modelle deutlich weiter. So stamme mehr als die Hälfte des Big-Data-Umsatzes von Unternehmen ab 500 Mitarbeitern, während KMUs Big-Data-Technologie noch zögerlich gegenüber stünden. Immerhin rechnet die Studie mit einem jährlichen Wachstum des Big-Data-Marktes bis 2020 von knapp 23 Prozent.

Differenziert nach Marktsegmenten heißt das: Der Servicesektor wird bis 2020 voraussichtlichen einen Umsatz von rund 2,26 Milliarden Euro erwirtschaften, gegenüber 759 Millionen Euro 2015. Der Umsatz mit Big-Data-Software soll im gleichen Zeitraum von 340 Millionen Euro auf 771 Millionen Euro steigen.

Der Markt für Big Data in Deutschland aus Anwendersicht nach Branchen aufgeschlüsselt.
Der Markt für Big Data in Deutschland aus Anwendersicht nach Branchen aufgeschlüsselt.
(Experton)

Leaders and Rising Stars

Insgesamt hatten die Experton-Analysten im Rahmen ihres dritten Experton Vendor Benchmarks Big Data 284 Anbieter am Markt lokalisiert, von denen knapp 100 für den Benchmark qualifiziert waren. Mit 43 Anbietern platzierte die Experton-Analysten fast die Hälfte der Kandidaten im Leader-Quadranten und identifizierten zudem sechs „Rising Stars“. Dabei handelt es sich um neue Anbieter mit Wachstumspotenzial im jeweiligen Marktsegment.

Die führenden Leader im Marktsegment Big Data Consulting wie IBM, T-Systems, Atos, Capgemini oder PwC liegen interessanterweise recht dicht beieinander. Im Marktsegment für Datenbanken und Daten-Management-Lösungen zeigt sich die Anbieterlandschaft breiter aufgestellt und umfasst sowohl Anbieter von objektorientierten Datenbanken als auch Spezialisten für In-Memory- und spaltenorientierten Datenbanken (Key Value Stores) sowie von Management-Lösungen.

Der Markt für Big-Data-Anbieter und -Lösungen für Deutschland nach Bereichen aufgeschlüsselt.
Der Markt für Big-Data-Anbieter und -Lösungen für Deutschland nach Bereichen aufgeschlüsselt.
(Experton)

Leader sind hier SAP, IBM, Oracle und Microsoft, während sich das Münchner Unternehmen NorCom als Rising Star positionieren konnte. Im Segment Big Data Operations identifizieren die Experton-Analysten ebenfalls eine breite Marktstreuung mit IBM, Microsoft, Amazon, Capgemini, Atos und T-Systems als Leader. Interessant ist auch das Marktsegment Big Data Appliances, unter dem Experton komplette Systeme aus Hard- und Software versteht, die überwiegend große Unternehmen einsetzen. Leader sind hier IBM und Exasol, dicht dahinter folgen HP, Oracle, NetApp, EMC und Dell.

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Über den Autor

Dipl. -Ing. Thomas Drilling

Dipl. -Ing. Thomas Drilling

IT-Consultant, Trainer, Freier Journalist