Laut einer Bitkom-Umfrage kommt Künstliche Intelligenz (KI) in der Produktion zunehmend zum Einsatz. Doch fehlende Expertise und wirtschaftliche Unsicherheit bremsen den Fortschritt – und könnten Deutschlands Rolle im globalen Wettbewerb gefährden.
Laut Bitkom-Studie setzen 42 Prozent der Industrieunternehmen KI ein. Doch fehlende Expertise und Unsicherheit bremsen den Fortschritt.
(Bild: KI-generiert)
Künstliche Intelligenz soll der Schlüssel zur Zukunft der Industrie sein. Sie soll Maschinen vorausschauend warten, Roboter effizienter steuern und Energieflüsse optimieren. Und tatsächlich: Laut einer Umfrage* des Digitalverbands Bitkom setzen bereits 42 Prozent der Industrieunternehmen in Deutschland KI-Anwendungen in der Produktion ein. Weitere 35 Prozent planen den Einsatz.
Potenzial von KI.
(Bild: Bitkom)
Der Aufbruch scheint greifbar. Doch zugleich bleibt er fragil. Fast jedes zweite Unternehmen warnt: Die deutsche Industrie könnte die KI-Revolution verschlafen.
Die Zahlen entstammen einer Befragung von 552 Industrieunternehmen mit mindestens 100 Beschäftigten. Die Ergebnisse wurden zur Hannover Messe 2025 veröffentlicht. Das Bild, das sie zeichnen, ist zwiegespalten: optimistisch im Potenzial, vorsichtig in der Umsetzung.
Einsatzgebiete: Analytik vor Robotik
Den größten Nutzen sehen Unternehmen derzeit in der Analytik. 32 Prozent der Befragten nutzen KI zur Überwachung von Maschinenfunktionen, 42 Prozent befinden sich in Planung oder Diskussion. Auch in der Robotik ist KI angekommen: 19 Prozent setzen sie ein, 46 Prozent diskutieren entsprechende Projekte.
Beim Energiemanagement dagegen zeigt sich ein Paradoxon: Nur sieben Prozent nutzen hier bislang KI – gleichzeitig sehen zwei Drittel Potenzial und planen entsprechende Vorhaben.
Bitkom-Vizepräsidentin Christina Raab sieht in der KI eine „Basistechnologie“, die entscheidend zur Wettbewerbsfähigkeit beitrage. Zugleich warnt sie vor Trägheit angesichts geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Krisen. Investitionen in Schlüsseltechnologien wie KI seien kein Selbstzweck, sondern notwendiger Teil einer resilienzorientierten Industriepolitik.
Was also hindert die Unternehmen daran, KI flächendeckend zu integrieren? Laut Studie mangelt es vor allem an Know-how: 42 Prozent der Unternehmen berichten von fehlender Expertise zur Integration in bestehende Prozesse. Die Hälfte gibt an, zunächst abwarten zu wollen, wie andere Unternehmen mit KI umgehen.
Dabei sei der Bedarf an Weiterbildung offensichtlich. Raab fordert, KI-Kompetenzen müssten „in die Aus- und Weiterbildung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter integriert“ werden. Der Fachkräftemangel trifft also nicht nur die Technik, sondern auch das Wissen.
Industrie 4.0: Viel Hoffnung, wenig Zeit
Auch abseits der KI zeigt sich ein gespaltenes Bild. Industrie 4.0 wird von 81 Prozent der Befragten als Chance gesehen, doch acht von zehn Unternehmen, die einen Einstieg in Betracht ziehen, geben an, schlicht keine Zeit zu haben. Denn wo das Tagesgeschäft drücke, bleibt keine Luft für Transformation.
Dabei hat niemand, der einmal begonnen hat, wieder aufgehört. Wer Industrie-4.0-Anwendungen eingeführt hat, bleibt dabei. 96 Prozent der Nutzer halten digitale Vernetzung für unverzichtbar im internationalen Wettbewerb. Und ein Drittel der Unternehmen gibt an, dass ihnen digitale Technologien konkret durch die aktuelle Wirtschaftskrise helfen.
Internationale Perspektive: Deutschland nur Mittelmaß
Im internationalen Vergleich sieht sich Deutschland im Rückspiegel. Während 26 Prozent der Befragten China als führend in der Industrie 4.0 nennen, folgen die USA mit 23 Prozent. Deutschland liegt abgeschlagen auf Platz drei (12 Prozent). Immerhin: 26 Prozent sehen die Bundesrepublik noch als Vorreiter – fast ebenso viele wie jene, die meinen, Deutschland habe den Anschluss verpasst (23 Prozent).
Die Ursachen? Unternehmen nennen vor allem mangelndes Interesse seitens der Industrie, unklare rechtliche Rahmenbedingungen und fehlende Standardisierung. Gerade in Bereichen wie dem digitalen Datenaustausch zwischen Maschinen sei die Umsetzung laut 40 Prozent der Befragten noch „zu kompliziert“.
Investitionen und Initiativen: Manufacturing-X bleibt Vision
Investitionen in Industrie 4.0.
(Bild: Bitkom)
Dennoch sollen die Investitionen nicht abbrechen. 44 Prozent der Unternehmen wollen 2025 genauso viel in Industrie 4.0 investieren wie im Vorjahr, 36 Prozent planen eine Erhöhung. Nur 17 Prozent wollen kürzen.
Initiativen wie Manufacturing-X – ein branchenübergreifender Datenraum für die Fertigungsindustrie – gewinnen zwar an Bekanntheit, bleiben aber vorerst eine Idee: Nur 5 Prozent der Unternehmen beteiligen sich bereits, 48 Prozent fühlen sich nicht ausreichend informiert, um eine Entscheidung treffen zu können.
Stand: 08.12.2025
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Fazit: Fortschritt mit angezogener Handbremse
Die deutsche Industrie steht an der Schwelle zur digitalen Produktion – doch der Schritt über die Türschwelle hinaus bleibt zögerlich. KI ist angekommen, aber noch nicht verankert. Industrie 4.0 ist keine Vision mehr, sondern gelebte Realität – allerdings mit vielen Lücken. Die technologischen Möglichkeiten sind da. Die Bereitschaft, sie zu nutzen, schwankt.
Ob Deutschland seinen Platz im internationalen Wettbewerb behaupten kann, hängt weniger von Technologie als von Haltung ab. Oder, wie Bitkom es formuliert: Ohne Digitalisierung keine Zukunft. Doch diese Zukunft kommt nicht von allein – sie will gestaltet werden.
* Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 552 Industrieunternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland ab 100 Beschäftigten telefonisch befragt. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 4 bis KW 8 2025 statt. Die Umfrage ist repräsentativ.