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Definition Was ist ein Datenarchitekt?

| Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber / Nico Litzel

Ein Datenarchitekt verantwortet das Design und den Aufbau einer ganzheitlichen Datenarchitektur. Die Arbeit des Datenarchitekten ist im Vergleich zu den praktisch tätigen Datenbankadministratoren oder Dateningenieuren eher konzeptionell und strategisch. Im Umfeld der Data Governance hat der Datenarchitekt eine Schlüsselposition inne.

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(Bild: © aga7ta - stock.adobe.com)

Die englische Übersetzung für Datenarchitekt lautet Data Architect. Es handelt sich um eine Position in einem Unternehmen oder in einer Organisation, die für das Design und den Aufbau einer ganzheitlichen Datenarchitektur verantwortlich ist. Datenarchitekten legen beispielsweise fest, aus welchen Quellen Daten bezogen werden, wie sie zu integrieren sind, in welchen Zusammenhängen sie untereinander stehen und welche IT-Systeme und Datenbankmanagementsysteme für die Datenarchitektur zum Einsatz kommen.

Ziel ist es, Daten so zu speichern, zu verarbeiten und bereitzustellen, dass die Prozesse des Unternehmens oder der Organisation optimal unterstützt und alle Compliance-Vorgaben eingehalten werden. Im Vergleich zu den mehr praktisch tätigen Dateningenieuren oder Datenbankadministratoren ist die Arbeit des Datenarchitekten konzeptionell, strategisch und teilweise visionär. Oft werden Datenarchitekturen auf einem High-Level-Niveau entworfen, die anschließend auf realen IT-Systemen umzusetzen sind. Datenarchitekten haben fundierte Kenntnisse im Bereich der Datenmodellierung und des Informationsmanagements.

Die Aufgaben eines Datenarchitekten

Die Aufgaben eines Datenarchitekten sind umfangreich und reichen von konzeptionellen, strategischen Arbeiten bis zu praktischen Tätigkeiten. Hauptaufgaben des Datenarchitekten sind das Design, der Aufbau und die Weiterentwicklung der Datenarchitektur in Einklang mit den Prozessen und Workflows einer Organisation. Der Datenarchitekt plant und pflegt das Datenmodell auf Basis vorgegebener Datenarchitekturprinzipien. Er designt die Datenflüsse, identifiziert Datenquellen und definiert Schnittstellen zu den beteiligten Datenquellen und IT-Systemen. Die praktische Umsetzung der Datenarchitektur wird vom Datenarchitekt begleitet. Weitere typische Aufgaben eines Datenarchitekten sind:

  • Führen von Datenarchitektur-Projekten
  • Mitwirkung in IT-Projekten als Datenexperte
  • Unterstützung verschiedener Fachbereiche in der Konzeption geeigneter Datenmodelle
  • Definition und Kontrolle der Data Governance
  • Klassifikation von Daten und Datenquellen
  • Festlegung von Verantwortlichkeiten und Organisationsstrukturen im Umgang mit Daten und Datensystemen
  • Grundlegende Vorgaben zur Datenqualität
  • Erstellung von Speicherkonzepten
  • Einbeziehung der Vorgaben des Datenschutzes und der Datensicherheit bei der Entwicklung der Datenarchitektur

Das Anforderungsprofil an einen Datenarchitekten

Abhängig davon, für welche Organisation ein Datenarchitekt tätig ist und für welche Prozesse eine Datenarchitektur entworfen werden soll, kann das Anforderungsprofil an die Position sehr unterschiedlich sein. Grundlegende Anforderungen an einen Datenarchitekten sind sehr gute Kenntnisse im Bereich der Datenmodellierung, der Datenbankmanagementsysteme und des Informationsmanagements bis hin zu konkreten SQL- und Datenbankadministrationskenntnissen. Oft wird der Abschluss eines Informatik-Studiengangs oder eines betriebswirtschaftlichen Studiums vorausgesetzt. Aufgrund des strategischen Aufgabenbereichs ist eine konzeptionelle Arbeitsweise und eine strukturierte Denkweise des Datenarchitekten sowie entsprechende Berufserfahrung erforderlich.

Abgrenzung

Die Begriffe Datenarchitekt, Dateneigner, Data Steward, Dateningenieur und Datenbankadministrator werden nicht immer einheitlich verwendet. Abhängig von der jeweiligen Definition überschneiden sich teilweise die Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Kompetenzen. Im Folgenden der Versuch einer Abgrenzung der verschiedenen Rollen:

Während der Datenarchitekt die grundsätzliche Datenarchitektur verantwortet und die Integration der Daten und Datenquellen in eine Datenarchitektur sowie deren Verknüpfung untereinander definiert, trägt der Dateneigner (Data Owner) die Verantwortung für die Daten selbst. Der Dateneigner wird vom Datensteward (Data Steward) unterstützt, dessen Verantwortungsbereich auf die Einhaltung der Qualität eines bestimmten Datenbereichs beschränkt ist. Operativ verantwortet der Datensteward Qualitätskriterien wie das Format, die Konsistenz und die Vollständigkeit der Daten und Metadaten.

Der Aufgabenbereich eines Datenbankadministrators, der teilweise auch als technischer Datensteward bezeichnet wird, umfasst die technische und praktische Repräsentation der Daten in den Datenbank- und Anwendungssystemen. Die Aufgabe des Dateningenieurs ist ebenfalls eher praktischer Natur. Er ist beispielsweise in der Realisierung der vom Datenarchitekt vorgegebenen Datenarchitektur tätig.

Der Datenarchitekt im Umfeld der Data Governance

Im Umfeld der Data Governance übernehmen Datenarchitekt, Dateneigner und Datensteward wichtige Schlüsselpositionen. Die verschiedenen Rollen tragen gemeinsam die Verantwortung für die operative Umsetzung der Vorgaben der Data Governance. Der Begriff Data Governance steht für ein ganzheitliches Management der Daten über ihren kompletten Lebenszyklus innerhalb einer Organisation. Im Rahmen dieses Managements definiert Data Governance Vorgaben, Prozesse und Methoden im Umgang mit den Daten.

Ziele der Data Governance sind die Einhaltung der Vorgaben an die Datensicherheit und den Datenschutz sowie die Sicherstellung der Datenqualität. Um diese Ziele zu erreichen, stellt die Data Governance ein vollständiges Programm zur Verfügung, das die Kontrolle, Bereitstellung und Planung der Daten umfasst. In diesem Programm übernehmen Datenarchitekt, Dateneigner und Datensteward entsprechend ihrer Rollen wichtige Aufgaben. So ist genau festgelegt, wer Eigentümer bestimmter Daten ist, welche Zugriffsrechte bestehen, welche Qualitätskriterien zu erfüllen sind und wie Daten zu speichern oder zu archivieren sind. Die Datenarchitektur wird durch die Vorgaben der Data Governance maßgeblich beeinflusst.

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