Künstliche Intelligenz verlässt 2026 endgültig die Komfortzone der Pilotprojekte. CIOs stehen unter wachsendem Druck, aus KI-Investitionen messbare Ergebnisse zu liefern. Das aktuelle CIO Playbook von Lenovo zeigt: Während Produktivbetrieb, Agentic AI und hybride Architekturen an Fahrt aufnehmen, bleibt eine zentrale Schwachstelle bestehen: Governance.
Laut Lenovo entscheide sich der Wettlauf um Enterprise-KI nicht an der Modellgröße, sondern an der Fähigkeit zur Umsetzung. Erfolgreich sind jene Unternehmen, die Technologie, Organisation und Kontrolle gemeinsam denken.
(Bild: Lenovo)
Künstliche Intelligenz (KI) ist kein Innovationsversprechen mehr. Sie ist Betriebsrealität. Zumindest für jene Unternehmen, die den Sprung aus der Pilotphase geschafft haben. Das CIO Playbook 2026 „The Race for Enterprise AI“ von Lenovo markiert genau diesen Moment: Enterprise-KI steht unter Ergebnisdruck.
Die für das Playbook befragten* 800 IT- und Business-Entscheider aus Europa und dem Nahen Osten sind sich erstaunlich einig: KI soll nicht mehr beeindrucken, sondern funktionieren. Nicht experimentieren, sondern skalieren. Nicht Zukunft sein, sondern Gegenwart.
Die Geduld sei aufgebraucht
Fast jedes zweite KI-Projekt habe den Sprung in den Produktivbetrieb geschafft. 46 Prozent der Proof-of-Concepts laufen operativ. 94 Prozent der Unternehmen erwarten einen positiven wirtschaftlichen Effekt. Im Schnitt kalkulieren sie mit einem Gegenwert von 2,78 US-Dollar pro investiertem Dollar.
Das sei kein Hype, das ist Erwartungsmanagement. KI werde dort eingesetzt, wo sie Prozesse beschleunigt, Kosten senkt oder Entscheidungen verbessert. IT-Betrieb, Cybersecurity, Datenanalyse, Kundenservice. Wer hier nicht liefere, falle zurück. Nicht technologisch, sondern organisatorisch.
Deutschland: viel Erwartung, verhaltener Einsatz
Im deutschen Markt zeigt sich ein ambivalentes Bild. 47 Prozent der Unternehmen pilotieren KI oder nutzen sie bereits systematisch. Gleichzeitig befinden sich noch 40 Prozent in der Planungs- oder Entscheidungsphase. Die Erwartungen sind hoch: Deutsche Unternehmen rechnen mit einem durchschnittlichen Ertrag von 2,75 US-Dollar pro investiertem Dollar.
89 Prozent planen, ihre KI-Budgets im kommenden Jahr weiter zu erhöhen. KI wird hierzulande klar mit Wachstum, Produktivität und besserem Kundenerlebnis verknüpft. Doch zwischen Anspruch und Umsetzung klafft eine Lücke, vor allem bei Organisation und Steuerung.
Agentic AI: Der nächste Kontrollverlust?
Während generative KI langsam Alltag wird, schiebt sich die nächste Welle nach vorne: Agentic AI. Noch nutzen das erst 16 Prozent der Unternehmen signifikant. Mehr als die Hälfte testet oder evaluiert. Gleichzeitig gilt Agentic AI bereits als Top-Priorität für 2026. Das wirkt widersprüchlich, ist aber logisch. Das Potenzial sei enorm, die Risiken ebenso.
Autonome KI verschärft eine alte Frage: Wer haftet, wenn Software nicht nur unterstützt, sondern entscheidet? Ohne klare Grenzen, menschliche Eingriffsmöglichkeiten und Monitoring droht Effizienzgewinn in Kontrollverlust umzuschlagen.
Hybrid sei kein Kompromiss, sondern Pflicht
Der Infrastrukturtrend ist eindeutig. Das bestätigt auch Gartner. Reine Cloud-Strategien verlieren an Boden. 58 Prozent der Unternehmen setzen auf hybride KI-Architekturen. 82 Prozent planen, KI zumindest teilweise on-premises oder am Edge zu betreiben.
Datenschutz, Regulierung, Kostenkontrolle, Latenz. Die Gründe seien bekannt, die Konsequenzen deutlich. KI wandert näher an die Daten, näher an die Prozesse, näher an die Nutzer. KI-fähige Endgeräte und lokale Inferenz werden zum strategischen Faktor. Nicht aus Ideologie, sondern aus Notwendigkeit.
Governance bleibt Engpass
Der vielleicht kritischte Befund des Playbooks: Nur 27 Prozent der Unternehmen verfügen über ein umfassendes KI-Governance-Framework. Der Rest arbeite mit Fragmenten, Übergangslösungen oder gar keinen klaren Regeln.
Je autonomer KI wird, desto gefährlicher werde diese Lücke. Schatten KI, intransparente Modelle, unklare Verantwortlichkeiten. Viele CIOs unterschätzen weniger die Technologie als die organisatorische Reife ihres Unternehmens. Genau hier entscheidet sich, wer skaliert und wer steckenbleibt.
Matt Dobrodziej, President Europe bei Lenovo.
(Bild: Lenovo)
„Wir sehen inzwischen klare Erträge aus den KI-Pilotprojekten und Proof-of-Concepts, in die Unternehmen investiert haben. KI erzielt dabei in der gesamten Region messbare Wirkung“, sagt Matt Dobrodziej, President Europe bei Lenovo. „Viele Unternehmen verfügen jedoch noch nicht über die notwendigen Kompetenzen, Governance-Strukturen und die organisatorische Reife, um KI in vollem Umfang zu skalieren. Da sich der Fokus zunehmend auf Agentic AI verlagert und die Einhaltung von Regulierungen wie dem EU AI Act zwingend wird, müssen Vertrauen und Skalierbarkeit von Anfang an mitgedacht werden. Andernfalls riskieren Unternehmen, konkrete Ertragspotenziale ungenutzt zu lassen.“
Stand: 08.12.2025
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2026 sei kein Technologiejahr, sondern ein Führungsjahr
Das CIO Playbook 2026 liest sich wie eine Warnung zwischen den Zeilen. Der Wettlauf um Enterprise-KI wird nicht durch größere Modelle gewonnen, sondern durch saubere Strukturen: Durch Governance, durch Architekturentscheidungen und durch Klarheit.
KI ist damit endgültig Chefsache. Für CIOs heißt das: Wer 2026 noch erklärt, experimentiert oder vertagt, hat das Renen bereits verloren.
* Die Befragung von CIOs in Europa und dem Nahen Osten wurde in diesem Jahr bereits zum dritten Mal durchgeführt. Lenovo beauftragte dafür IDC, das die Studie im Zeitraum vom 16. September bis zum 17. Oktober 2025 umgesetzt hat. Der diesjährige Bericht basiert auf den Einschätzungen von 800 IT- und Business-Entscheidungsträgern aus Europa und dem Nahen Osten. Vertreten sind unter anderem die Branchen Finanzdienstleistungen (BFSI), Handel, Fertigung, Telekommunikation, Gesundheitswesen, öffentlicher Sektor, Bildung sowie weitere Industrien.