Kommentar von Elena Poughia, Dataconomy Media

So trägt Data Science zu einer nachhaltigen Zukunft bei

| Autor / Redakteur: Elena Poughia / Nico Litzel

Die Autorin: Elena Poughia ist Geschäftsführerin von Dataconomy Media und Gründerin der Data Natives Conference
Die Autorin: Elena Poughia ist Geschäftsführerin von Dataconomy Media und Gründerin der Data Natives Conference (Bild: Robert Lehmann post@lichtbilder-berlin.de)

Mit Datentechnologie gegen den Klimawandel – das ist keine Zukunftsmusik, sondern Realität. Elena Poughia, Gründerin der Data Natives Conference, stellt zwei wegweisende Projekte vor und zeigt, welche Chancen sich durch den sinnvollen Einsatz von Daten und Technik für unsere Umwelt eröffnen.

Woran denken viele als erstes bei Big Data? An Missbrauch, Datenkraken und Überwachungsstaat? Nach wie vor dominieren Sorgen und Ängste den öffentlichen Diskurs, während der Nutzen, der uns allen aus datenbasierten Technologien erwächst, selten Erwähnung findet. Die Vorteile von Big Data liegen dabei klar auf der Hand und wirken sich nicht nur auf unseren persönlichen Komfort aus – auch die Umwelt profitiert vom bewussten Einsatz von Technologie und Daten.

Data Natives, Europas größte Konferenz für Data Science, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die großartigen neuen Möglichkeiten aufzuzeigen, die sich im Bereich von Nachhaltigkeit und Klimawandel durch datenbasierte Technologien eröffnen. Daher stehen bei der diesjährigen Data-Natives-Konferenz – am 25. und 26. November im Berliner Kühlhaus – zum ersten Mal die Themen Nachhaltigkeit und Diversity auf der Agenda und profilierte Speaker aus dem Bereich stellen ihre Projekt vor. Mit dem neuen Schwerpunkt wollen wir zeigen, dass Daten und Technik nicht nur eine Bedrohung darstellen, sondern auch Chancen bieten, um unsere Welt auch in Zeiten des Klimawandels positiv zu verändern.

Wie eine Studie von PwC und dem Weltwirtschaftsforum aus der Reihe „Fourth Industrial Revolution for the Earth“ zeigt, versuchen bereits viele Unternehmen, Forscher und Entwickler mit Technologie, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Allen Projekten und Anstrengungen liegt der gleiche Ansatz zugrunde: Sie nutzen verfügbare Daten und ziehen daraus Erkenntnisse, um einen positiven Wandel herbeizuführen. Doch wie fängt man an? Welche Daten könnten in welchen Bereichen überhaupt interessant und von Nutzen sein?

Datenbasierte Technologien werden bereits in den Bereichen autonomer Elektromobilität oder Smart Farming eingesetzt. Intelligente Stromnetze können bei der Steuerung des Energieverbrauchs helfen und globale Klimamodellierungen sagen Wetterszenarien voraus. Das Feld der Anwendungen ist groß und viele Vorzeigeprojekte demonstrieren, was schon jetzt alles möglich ist.

Mit Daten den Klimawandel vorhersagen

Eines dieser Vorzeigeprojekte ist Plan A, deren Gründerin und CEO, Lubomila Jordanova, als Speakerin bei Konferenz auf der Bühne steht. Das 2017 gegründete Start-up bezeichnet sich selbst als erste datengesteuerte Crowdfunding-Plattform im Kampf gegen den Klimawandel. Mithilfe eines Algorithmus versucht Planet A vorherzusagen, welche Orte und welche Menschen der Klimawandel am stärksten treffen wird. Hierfür verwenden sie öffentlich zugängliche Satelliten- und Felddaten aus universitären Forschungsstudien, internationalen Institutionen und anderen maßgeblichen Wissenszentren.

Im Internet hat Planet A eine Liste der Datensätze veröffentlicht, die bisher verwendet wurden. Basierend auf den hieraus gewonnenen Erkenntnissen über gefährdete Standorte und deren jeweils spezifische Probleme verbindet sich das Start-up daraufhin mit passenden Umweltorganisationen und Innovatoren. Damit die so initiierten Projekte auch finanziert werden können, vermittelt Planet A schließlich über eine Online-Plattform Kapital von umweltbewussten Unternehmen oder Privatpersonen.

Lubomila Jordanova will mit Planet A den Klimawandel fakten- und datengesteuert bekämpfen und hierfür ein Netzwerk von Einzelpersonen, Unternehmen, Umweltorganisationen, Wissenschaftlern, Innovatoren und gleichgesinnten Gemeinschaften auf der ganzen Welt aufbauen. Bisher hat das Start-up mit über 100 Unternehmen in ganz Europa zusammengearbeitet. Die Online Community und Online-Akademie von Planet A verbindet zudem bereits über 100.000 Personen, 150 Wissenschaftler und über 3.000 NGOs.

Nachhaltigere Kaufentscheidungen durch bessere Information

Ein ähnlich ambitioniertes Projekt, das mit Daten gegen den Klimawandel vorgehen will, ist das Start-up Earth Ratings. Gründer Carsten Roland wird ebenfalls bei Data Natives auf der Bühne zu sehen und zu hören sein. Er fragte sich 2018 beim Einkaufen, wie er Informationen über die Nachhaltigkeit von Produkten erhalten könnte. Da er keine Lösung für dieses Problem fand, entschied er sich kurzerhand, selbst ein Informationsangebot aufzubauen.

Earth Ratings macht die Details verschiedenster Konsumgüter und Dienstleister schnell und unkompliziert für jeden Kunden sichtbar. Neben der Umweltbelastung informiert das Start-up zudem über die sozialen Auswirkungen, die Produktqualität und den Innovationsfaktor der Produkte. Mit dem Start-up Earth Ratings möchte Carsten Roland die Menschen dazu ermutigen, ihr eigenes Konsumverhalten zu überdenken. Das Plug-in ermöglicht es jedem Konsumenten, die Auswirkungen seiner Einkäufe auf die Umwelt genauer zu messen und dementsprechend nachhaltigere Kaufentscheidungen zu treffen. Die Datenbank der Artikel wird hierfür ständig erweitert. Die bereits vorhandenen Daten sind umfassend recherchiert und von Drittanbietern wie dem niederländischen Non-Profit-Unternehmen Rankabrand überprüft.

Es gibt weitere Redner, die sich nicht nur für das Klima, sondern auch aus ethischer Sicht für etwas Gutes einsetzen. Shlomi Hod hält beispielsweise einen Workshop über das Thema „Exploring Gender Bias in Word Embedding“. Er arbeitet an der Nutzung von Künstlicher Intelligenz für das soziale Wohl, vor allem als Entwickler von Ethically, einem Open-Source-Toolkit zur Auditierung, Minderung von Bias und von Fairness in Systemen des maschinellen Lernens. Ein weiterer Gründer, der auf der Konferenz spricht, ist Stephen Kovats von der r0g_agency für offene Kultur und kritische Transformation. Sie ist eine in Berlin ansässige, gemeinnützige und international vernetzte Agentur zur Förderung und Entwicklung der Nutzung von Open-Source-Ressourcen, -Tools und -Plattformen, die vor allem für kritische Post-Konflikt- und Post-Katastrophen-Transformation eingesetzt werden.

Alle vorgestellten Projekte leisten mit ihren innovativen Konzepten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Zudem lassen sie erahnen, was wir in Zukunft alles für die Umwelt erreichen können, wenn Technologie und Daten sinnvoll genutzt werden. Die globalen Herausforderungen, mit denen wir uns jetzt und zukünftig konfrontiert sehen, werden immer komplexer – wir sollten daher die besonderen Chancen nicht ungenutzt lassen, die uns datenbasierte Technologien bieten, um unsere Zukunft nachhaltig und besser zu gestalten.

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