Artificial Intelligence und eDisclosure

So entlastet Künstliche Intelligenz Rechtsanwälte

| Autor / Redakteur: Matthew Grant * / Nico Litzel

(Bild: © vege – stock.adobe.com)

Die Diskussionen im eDisclosure-Bereich über „Künstliche Intelligenz“ konzentrieren sich im Allgemeinen auf die prädiktive Codierung – den maschinellen Lernprozess, bei dem Experten einer Software beibringen, relevante Informationen zu lokalisieren und dadurch die Zeit zu reduzieren, die sonst Personen dafür aufwenden müssten.

Branchenstudien haben gezeigt, dass mit der richtigen Ausbildung die prädiktive Codierung bessere und kostengünstigere Ergebnisse erzielt als der traditionellere, Boolesche Logik-basierte Ansatz, bei dem Personen detaillierte, spezifisch strukturierte Befehlssätze für die Suche angeben müssen. Der Einfluss von Algorithmus-gesteuerten Methoden ist ein Punkt, dem Kommentatoren viel Aufmerksamkeit schenken.

Big Data, Gerichtsverfahren und Künstliche Intelligenz

Das ist tatsächlich nur der Anfang: Der ursprüngliche Impuls für die elektronische Offenlegung war der Übergang von einer vorrangigen Hardcopy-Datenspeicherung hin zur elektronischen Speicherung. Ebenso wird der aktuelle Trend zu intelligenterer KI von der systemischen Transformation von einer vornehmlich strukturierten Datenaufbewahrung zu viel größeren, kontinuierlich wachsenden und überwiegend unstrukturierten Datensätzen angetrieben.

Ein Großteil des Datenuniversums eines Unternehmens kann bei Rechtsstreitigkeiten ausfindig gemacht werden, aber die Größe und unstrukturierte Form der Daten macht es für Menschen im Wesentlichen unmöglich, sie ohne die Hilfe von intelligenten Werkzeugen zu sortieren. Die prädiktive Codierung ist ein guter Anfang, aber ein großer Anteil an menschlichem Eingreifen ist nach wie vor erforderlich, damit allzu umfassende oder nicht ausreichend umfassende Ergebnisse vermieden werden.

Big Data – ein Segen für maschinelles Lernen?

Glücklicherweise hat sich „Big Data“ als ein Segen für das maschinelle Lernen herausgestellt. Im Gegensatz zu Menschen sind Maschinen nicht gut darin, aussagekräftige Informationen abzuleiten oder Makro-Level-Muster aus kleinen Datensätzen zu erkennen. Big Data liefert der Wirklichkeit entsprechende Muster in einer Dimension, die für die effektive Ausbildung Künstlicher Intelligenz notwendig ist.

Mittlerweile ermöglichen neuronale Netzwerkarchitekturen parallele Berechnungen, die in synchroner und dynamischer Weise arbeiten und somit eher wie das Denken in biologischen Gehirnen funktionieren. Natürliche Sprachverarbeitungsalgorithmen haben sich stark verbessert, sodass Benutzer tiefgründigere, semantisch komplexere Fragen stellen können, anstatt sich über die Verwendung einer Syntax Gedanken zu machen, die der Computer versteht.

Ein berühmtes Beispiel ist Watson, IBMs Fragen beantwortender Supercomputer und Gewinner von Jeopardy!. Watsons kognitives Rechensystem kann seine gelernten Fähigkeiten an andere Kontexte anpassen und liefert nun Cloud-basierte Concierge-Dienstleistungen, medizinische Diagnostik und sogar juristische Dienstleistungen. Im vergangenen Jahr stellte NextLaw Labs den von Watson unterstützten Service ROSS als „den weltweit ersten Anwalt mit Künstlicher Intelligenz“ vor.

Künstlich intelligente Rechtsanwälte

Die Rechtsberatung erfordert menschliches Urteilsvermögen, etwas das Maschinen (noch) nicht besitzen. Dennoch ist ROSS in der Lage, anspruchsvolle Arbeiten durchzuführen, von denen wir normalerweise annehmen würden, dass sie die Fähigkeit der Urteilsbildung voraussetzen. Dazu gehört, zum Beispiel, die Identifizierung von Rechtsfragen nach der Anhörung von Fakten in natürlicher Sprache sowie das Finden von möglichen Antworten.

Laut einem Bericht von AIBusiness.com wird derzeit daran gearbeitet, mehr komplette multisensorische, kognitive Medienplattformen aufzubauen, mit denen Audio- und Videoinhalte nach „Objekten, Gesichtern, Kfz-Kennzeichen, Logos, Phrasen, Stimmungen, Spracherkennung, Übersetzung und zusätzlichen, fortlaufend weiterentwickelten Fähigkeiten durchsucht werden können“.

Intelligentes eDisclosure

Wenn sich Cognitive Computing weiterentwickelt, könnten wir eines Tages in einer Welt leben, in der ein Anwalt einfach eine natürliche Sprachfrage stellt: „Hat ein leitender Angestellter Außenstehenden von dem Bankrott erzählt, bevor der Aktienkurs fiel?“ Und ein Supercomputer stellt eine Fülle von Audio-, Video-, Text-, GPS-, Zeiterfassungs- und anderen Daten zur Verfügung, deren Interaktionen auf Insiderhandel hindeuten.

Aber im Moment müssen Anwälte immer noch ein Urteil über die Informationen fällen, die Computer abrufen und sie müssen immer noch die richtigen Fragen stellen. In der Tat, wenn ihre Maschine klug, selbstkorrigierend und selbstverbessernd ist, kann sich das menschliche Team auf tiefgründigere Fragestellungen und die Ermittlung des Fallhintergrunds konzentrieren.

Es ist nicht das Ziel Technologien zu entwickeln, die alles tun können, wozu Menschen fähig sind, sondern es sollen vielmehr Zeit und Mühen gespart werden, die Menschen für Aufgaben aufbringen müssten, die sie nicht gut können, wie das Scannen und Durchsuchen von Terabytes an Daten. Stattdessen können sich Menschen auf die tiefergehende intellektuelle Arbeit konzentrieren, die für ihre Kunden viel wertvoller ist.

* Matthew Grant ist Director Consulting Services bei Epiq

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44881975 / Analytics)