Studie Nur jedes fünfte Unternehmen stuft seinen GenAI-Reifegrad als hoch ein

Von Bernhard Lück 3 min Lesedauer

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Firmen haben das Potenzial von GenAI erkannt, die Implementierung steckt jedoch oft noch in den Kinderschuhen. Eine Studie von Roland Berger zeigt: Führungskräfte erwarten mehr Effizienz und Qualität durch generative KI, doch es fehlt an organisatorischer Vorbereitung und Reife.

Unternehmen müssen jetzt die Grundlagen schaffen, wenn sie die Potenziale von Generative AI in Zukunft voll ausschöpfen möchten.(Bild:  © Karn – stock.adobe.com)
Unternehmen müssen jetzt die Grundlagen schaffen, wenn sie die Potenziale von Generative AI in Zukunft voll ausschöpfen möchten.
(Bild: © Karn – stock.adobe.com)

„Die Zeit ist reif für GenAI, aber viele Unternehmen sind es noch nicht. Es herrscht Aufregung in der Arbeitswelt, denn mittlerweile ist es offensichtlich, dass GenAI viel mehr als nur ein Hype ist. GenAI muss als transformative Technologie, als Quantensprung betrachtet werden, die alle Branchen überall verändern wird. Unternehmen, die auf diese Entwicklung nicht rechtzeitig reagieren, riskieren, den Anschluss zu verlieren. Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Veränderungen sind beispiellos“, bekräftigt Jochen Ditsche, Partner bei Roland Berger.

Funktionsübergreifend hohe Erwartungen an das Potenzial von GenAI

Für die Studie „GenAI-driven transformation – Preparing your company for success with GenAI on every level“ befragten die Experten von Roland Berger mehr als 100 Führungskräfte aus 17 Ländern und 21 Branchen bezüglich des Reifegrads von GenAI in den Unternehmen.

Hinsichtlich Qualitätssteigerung liegt der Bereich Kundenbeziehungen, Vertrieb und Marketing auf dem ersten Rang.(Bild:  Roland Berger)
Hinsichtlich Qualitätssteigerung liegt der Bereich Kundenbeziehungen, Vertrieb und Marketing auf dem ersten Rang.
(Bild: Roland Berger)

Die Befragten sprechen GenAI über sämtliche Firmenfunktionen hinweg enorme Potenziale hinsichtlich Automatisierung und Qualitätssteigerung zu. Der Bereich Kundenbeziehungen, Vertrieb und Marketing steht bezüglich Automatisierung auf Platz eins: 93 Prozent der Befragten sehen hier moderate bis große Chancen für GenAI. Darauf folgen Service- und Support-Funktionen (90 %) und auf einem geteilten dritten Platz mit jeweils 83 Prozent Forschung und Entwicklung und Qualitätskontrolle sowie Einkauf, Lieferkettenmanagement und Logistik. Hinsichtlich Qualitätssteigerung liegt ebenfalls der Bereich Kundenbeziehungen, Vertrieb und Marketing (87 %) auf dem ersten Rang. Grund dafür ist, dass diese Funktionen in der Regel kreative Fähigkeiten, ein nuanciertes Verständnis von Sprache und gute Schreibkenntnisse erfordern – Fähigkeiten, die GenAI immer stärker bietet. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Forschung und Entwicklung und Qualitätskontrolle (84 %) sowie Service- und Support-Funktionen (82 %).

Unzureichende Vorbereitung bei der Implementierung von GenAI

Trotz der hohen Potenziale, die in der Nutzung von GenAI gesehen werden, stuft fast die Hälfte (49 %) der Unternehmen ihre eigene Implementierung und Nutzung als unreif ein. Nur 19 Prozent bewerten den Status des eigenen Unternehmens als reif. Erst am Anfang stehen die Sektoren Transport, Infrastruktur und öffentliche Hand sowie Industrie & produzierendes Gewerbe. Hier schätzen die Befragten den Einsatz von GenAI nur zu sechs Prozent, respektive vier Prozent als ausgereift ein. Weiter vorangeschritten in der digitalen Transformation sind die Branchen Finanzen und professionelle Dienstleistungen (32 %) sowie Gesundheitswesen und Konsumgüter (28 %), da sie vergleichsweise früh Cloud-Computing und Big Data vorangetrieben haben.

Die Branchen Finanzen und professionelle Dienstleistungen sowie Gesundheitswesen und Konsumgüter sind in der digitalen Transformation am weitesten vorangeschritten.(Bild:  Roland Berger)
Die Branchen Finanzen und professionelle Dienstleistungen sowie Gesundheitswesen und Konsumgüter sind in der digitalen Transformation am weitesten vorangeschritten.
(Bild: Roland Berger)

Mit Blick auf die Veränderungen von Stellenprofilen, sobald GenAI alle Funktionen im ganzen Unternehmen betrifft, rechnen 55 Prozent der Befragten mit einer hohen Auswirkung. Besonders betroffen ist dabei der Sektor Finanzen und professionelle Dienstleistungen (71 %), gefolgt von Gesundheitswesen und Konsumgüter (56 %) Transport, Infrastruktur und öffentliche Hand (53 %), sowie Industrie & produzierendes Gewerbe (33 %).

Schlüsselprinzipien für den Erfolg

Die Diskrepanz zwischen erkannten Möglichkeiten und der tatsächlichen Implementierung stellt eine zentrale Herausforderung für Unternehmen dar und verdeutlicht einen hohen Handlungsbedarf. Künstliche Intelligenz wird erhebliche Auswirkungen haben, wenn sie in großem Maßstab implementiert wird, d. h., wenn es Produktionslösungen gibt, die End-to-End-Geschäftsprozesse abdecken – aber das ist ein Weg von noch einigen Jahren. Roland Berger definiert dafür vier grundlegende Schlüsselprinzipien für die erfolgreiche Transformation:

  • Da GenAI alle Arbeitsbereiche durchdringen wird, ist eine ganzheitliche Implementierung obligatorisch.
  • Für die Steuerung bietet eine zentrale strategische GenAI-Einheit anfänglich entscheidende Vorteile, um Anwendungen effektiv skalieren zu können.
  • Ein umfassendes Change Management bereitet die Mitarbeitenden auf Veränderungen vor und vermittelt neue Fähigkeiten.
  • Eine robuste Dateninfrastruktur und ein flexibles KI-Architekturkonzept sind essenziell, um GenAI erfolgreich zu integrieren und weiterzuentwickeln.

„Es ist zweifellos sinnvoll, erste Erfahrungen mit GenAI-Anwendungsfällen zu sammeln. Ebenso wichtig ist es jedoch, jetzt die Grundlagen zu schaffen, um die Potenziale der KI in Zukunft voll ausschöpfen zu können. Dazu gehören sowohl die Entwicklung einer KI-Strategie und -Governance als auch der Aufbau einer zukunftsfähigen Infrastruktur sowie einer unternehmensweiten, flexiblen und kontextbasierten Datenintegration. Dies stellt eine erhebliche Transformation dar, die alle Unternehmensbereiche und Karrierepfade betrifft – einschließlich unseres Verständnisses von Führung“, erklärt Edeltraud Leibrock, Partnerin bei Roland Berger.

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