Kommentar von Marko Javornik, Comtrade Digital Services

Mobility-as-a-Service schafft Platz in der City

| Autor / Redakteur: Marko Javornik / Nico Litzel

Der Autor: Marko Javornik ist Vice President und General Manager Mobility & Travel, Comtrade Digital Services
Der Autor: Marko Javornik ist Vice President und General Manager Mobility & Travel, Comtrade Digital Services (Bild: Comtrade)

Immer häufiger stehen Autofahrer in Großstädten im Stau, während Fahrverbote wegen zu hoher Schadstoffbelastung drohen. Daher werden alternative Transportkonzepte dringend benötigt: Mit Mobility-as-a-Service steht ein Konzept bereit, das die Sharing-Economy mit öffentlichen Verkehrsmitteln und privaten Anbietern vernetzt. Big Data, Cloud-Ressourcen und eine Open API-Economy werden bei der Entwicklung eine wichtige Rolle spielen.

Mobility-as-a-Service (MaaS) kombiniert alle Arten der Personenbeförderung wie Bike- und Carsharing, Taxi, Züge für Nah- und Fernverkehr sowie Busse zu einer nahtlosen Transportlösung. Buchung und Zahlung erfolgt über nur noch eine zentrale Plattform, auf die Anwender über ihr Smartphone zugreifen. Damit verschmelzen die klassischen Transportmittel für den Personenverkehr mit der Sharing Economy zu einem durchgängigen Service.

Bei der Entwicklung von MaaS-Konzepten müssen öffentliche und private Anbieter eng zusammenarbeiten, um ein intelligentes und durchgängiges Transportsystem zu entwickeln, das für den Anwender komfortabel nutzbar ist. Weiterhin ist eine offene API-Plattform notwendig, um so die Integration neuer Dienste zu erleichtern. Darüber hinaus fallen bei MaaS sehr hohe Datenmengen an, die in Echtzeit zu verarbeiten sind, damit Anwender einen personalisierten Transportservice erhalten. Lösungen für Big Data Analytics werden hierbei eine wichtige Rolle spielen: Intelligente Anwendungen übernehmen auf Basis der gewonnenen Informationen automatisiert die Verteilung von Fahrzeugen oder die Disposition von Zügen.

Ein Lotse im Chaos

Für die individuelle Routen- und Reiseplanung verarbeitet die MaaS-Plattform eine sehr große Zahl an Parametern immer wieder neu und in Echtzeit, denn in einer chaotisch-dynamischen Umgebung wie in einer Großstadt gleicht kein Tag dem anderen. Wichtige Faktoren bei der Routenauswahl sind neben dem jeweils aktuellen Verkehrsaufkommen beispielsweise wechselnde Wetterbedingungen, ungeplante Tagesbaustellen, große Sport- oder Musikveranstaltungen, der Berufsverkehr inklusive Ferienzeiten und Feiertagen sowie plötzlich auftretende Straßensperrungen durch Unfälle. Diese und weitere Daten, wie persönliche Anwenderprofile, fließen in Echtzeit in das System ein, sodass MaaS eine solide IT-Infrastruktur mit hochverfügbaren Cloud-Diensten benötigt.

Grundlagen schaffen mit der Cloud

Eine Open Mobility Cloud schafft die IT-technischen Grundlagen für ein neues Transport-Ökosystem. In dieser zentralen Plattform erfolgt die Integration neuer MaaS-Angebote über offene Schnittstellen – Stichwort API-Economy. Neue Marktteilnehmer können hier mit innovativen Geschäftsmodellen teilnehmen und erleben durch die Open API-Economy keine wesentlichen Eintrittsbarrieren. Frei verfügbare Daten zu Verkehrswegen und die Auslastung der Transportinfrastruktur bilden die Basis für immer wieder neue und individualisierte Angebote. Mit der Zeit entstehen so auf einer MaaS-Plattform mehr und mehr Dienste, wodurch die Attraktivität der Plattform weiter steigt.

Ebenfalls wichtig für den Erfolg: Bestehende regulatorische Vorschriften müssen verändert werden, da diese auf ein vom Automobil und dem Individualverkehr dominiertes Stadtbild angepasst sind. Hier fehlen heute noch entsprechend angepasste Regularien für selbstfahrende Autos sowie bevorzugte Parkplätze für Car-Sharing-Anbieter.

Wo stehen wir heute?

Bereits im Jahr 2016 startete ein Pilotprojekt zu MaaS in Finnland mit der App Whim. Die Lösung kombiniert den öffentlichen Nahverkehr mit Bike-Sharing, Taxis und einer Autovermietung. Die deutsche Bundesregierung unterstützt ebenfalls die Entwicklung übergreifender Mobilitätskonzepte: So forderte der Verkehrsminister Alexander Dobrindt Anfang 2017 deutschlandweite Mobilitätsplattformen, die überregional Fahrgastinformationen verknüpfen. „Wir müssen die Digitalisierung und die Vernetzung in diesem Bereich voranbringen“, so die Aussage.

Darüber hinaus hat sich in den letzten Jahren eine Vielzahl alternativer Mobilitätsanbieter etabliert, wie beispielsweise Uber, BlaBlaCar, Tamyca, Flinkster, DriveNow oder Car2Go. Ihre Attraktivität beziehen diese Angebote aus der Digitalisierung der gesamten Abläufe. Kunden bestellen die für sie passende Mobilität per Smartphone-App oder Webbrowser und setzen sich anschließend direkt in das gewünschte Fahrzeug oder lassen sich bequem abholen. Laut einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts YouGov hat in 2016 fast jeder fünfte Deutsche (17 Prozent) schon einmal ein Sharing-Angebot aus dem Bereich Mobilität genutzt.

Technologische Entwicklung treibt MaaS

Die Nutzung von Smartphones mit Always-on-Internet und Social-Media-Kanälen führt dazu, dass Kunden ständig in Kontakt mit ihrer Mobilitätsplattform stehen. So wird die MaaS-Plattform zu einer täglich genutzten Lösung rund um den persönlichen Transport, die zugleich wichtige Daten zur Auslastung der Verkehrsinfrastruktur generiert. Lösungen für Predictive Analytics mit vorausschauende Analysen spielen eine zentrale Rolle, denn nur durch die konsequente Auswertung großer Datenmengen im Rahmen von Big-Data-Projekten lassen sich die notwendigen Informationen zur Steuerung der Verkehrsströme ermitteln. Auf Basis dieser Big-Data-Analysen werden zudem Bewegungsmuster von Nutzern durch die Stadt sichtbar. Wiederkehrende Muster erlauben schließlich eine präzisere Ressourcenplanung. Weiterhin kann die MaaS-Plattform schließlich proaktiv personalisierte Transportvorschläge unterbreiten, auch ohne dass der Nutzer eine Anfrage gestellt hat. Eine übergreifende Verkehrsinfrastruktur könnte so Passagierströme im Berufsverkehr oder bei Veranstaltungen optimal auf die vorhandenen Transportkapazitäten verteilen und damit die Effizienz des gesamten Systems wesentlich steigern.

Individualisierte Services sichern den Erfolg

Die Auswertung von persönlichen Reisegewohnheiten der Kunden erlaubt es den Marktteilnehmern, individualisierte Angebote zu erstellen und gleichzeitig die Komplexität eines multimodalen Transportsystems zu verbergen. Für den Erfolg ist es außerdem entscheidend, dass Nutzer die Angebote sehr einfach über ihre Smartphones oder Webbrowser abrufen können. Dazu zählt auch, den Kunden ein Preismodell in Form einer Pauschale anzubieten, ähnlich einer Monatskarte für heutige S-Bahnfahrten.

Ausblick

Zu den größten Herausforderungen bei neuen Mobilitätslösungen zählt die Transformation von einer fahrzeugzentrierten Betrachtung hin zu einem Modell, bei dem der Endanwender im Mittelpunkt steht. Ein erfolgreiches MaaS-Konzept muss daher Predictive Analytics und Big Data einsetzen, um personalisierte Dienste automatisiert zu realisieren. Nach Schätzungen von Comtrade Digital Services könnten sich so bis zu 80 Prozent aller Reisen vorhersagen und damit auch durch das System planen lassen. Für den Anwender ergeben sich dadurch kürzere Transportzeiten und verringerte Wartezeiten in Staus oder beim Umsteigen. Städte könnten so Verkehrsströme besser steuern und blockierte Straßen vermeiden, während Autovermieter und Car-Sharing-Dienste ihren Fuhrpark optimal einsetzen. Elektrisch betriebene Transportmittel, darunter auch autonome Fahrzeuge, dürften künftig zu einem festen Bestandteil urbaner Mobilität werden und damit helfen, Lärm und Feinstaubbelastung zu reduzieren und die Lebensqualität in der Stadt zu steigern.

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