Die digitale Revolution hat die Geschäftswelt grundlegend verändert, insbesondere die Art und Weise, wie Unternehmen mit ihren Stakeholdern kommunizieren. Während Chatbots und Sprachassistenten bereits zum Alltag gehören, stoßen sie oft an ihre Grenzen, wenn es um authentische und einfühlsame Interaktionen geht. An dieser Stelle treten Metahumans in Erscheinung – hochentwickelte digitale Avatare, die eine natürliche, emotionale sowie skalierbare Kommunikation ermöglichen.
Sogenannte Metahumans sind digitale Avatare, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz eine natürliche, emotionale sowie skalierbare Kommunikation versprechen.
(Bild: NTT DATA Business Solutions)
Metahumans versprechen nicht nur eine neue Dimension der Mensch-Maschine-Interaktion, sondern auch eine tiefgreifende Umgestaltung zahlreicher Geschäftsprozesse. Dabei sollten KI-Avatare stets als Unterstützung und nicht als Ersatz menschlicher Mitarbeiter gesehen werden.
Mit NLP & KI zum neuen Status quo
Der technologische Fortschritt, der Metahumans ermöglicht, basiert auf der Synergie zweier Schlüsseltechnologien: leistungsfähige KI-Systeme zur Sprachverarbeitung und hochmoderne Computergrafik. Fortschrittliche Natural-Language-Processing-Algorithmen (NLP) erlauben es den digitalen Avataren, menschliche Sprache nuanciert zu verstehen und darauf zu reagieren. Gleichzeitig sorgt die Computergrafik für ein fotorealistisches Erscheinungsbild, das kaum von echten Menschen zu unterscheiden ist. Ein entscheidender Fortschritt liegt in der Fähigkeit dieser Avatare, subtile emotionale Nuancen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren – eine Eigenschaft, die sie deutlich von konventionellen Chatbots abhebt.
Metahumans revolutionieren den Kundenkontakt
Die Einsatzfelder reichen von der Fertigung bis zur virtuellen Kundenberatung – und darüber hinaus. Im Einzelhandel setzt beispielsweise die renommierte Kosmetikmarke L'Oréal virtuelle Avatare als persönliche Beauty-Berater ein. Diese digitalen Assistenten bieten maßgeschneiderte Produktempfehlungen und individuelle Styling-Tipps – ein Service, der nicht nur hochgradig personalisiert ist, sondern auch rund um die Uhr zur Verfügung steht.
Im Finanzsektor hat die schwedische SEB Bank mit dem KI-gesteuerten Avatar „Aida" neue Maßstäbe gesetzt. „Aida” ist in der Lage, komplexe Finanzfragen zu beantworten, Transaktionen abzuwickeln und sogar personalisierte Finanzberatung anzubieten. Diese Anwendungen verdeutlichen, wie Metahumans dazu beitragen können, den Kundenservice effizienter, persönlicher und gleichzeitig kostengünstiger zu gestalten.
In der Hotellerie experimentiert die Hilton-Kette mit digitalen Concierges, die als virtuelle Reisebegleiter fungieren. Sie bieten Gästen maßgeschneiderte lokale Empfehlungen, beantworten Fragen zum Hotelaufenthalt und können sogar Reservierungen in Restaurants oder für Sehenswürdigkeiten vornehmen – unabhängig von Tageszeit oder Personalverfügbarkeit. Diese Innovation verbessert nicht nur das Gästeerlebnis, sondern entlastet auch das Hotelpersonal von Routineaufgaben.
Im Bereich des E-Learnings hat das Unternehmen Duolingo Metahumans als virtuelle Sprachlehrer integriert. Diese Avatare führen nicht nur Konversationsübungen in verschiedenen Sprachen durch, sondern passen sich dynamisch an das Lernniveau, den Lernstil und sogar die Stimmung des Nutzers an. Durch die Kombination von KI-gestützter Spracherkennung und emotionaler Intelligenz können diese virtuellen Tutoren ein Lernerlebnis bieten, das dem Unterricht mit einem menschlichen Lehrer erstaunlich nahekommt.
Interne Anwendungen
Neben diesen kundenorientierten Anwendungen eröffnen Metahumans auch im Bereich der internen Unternehmenskommunikation und Mitarbeiterentwicklung neue Möglichkeiten. In Schulungsprogrammen fungieren sie als interaktive Trainer, die Lerninhalte individuell an das Tempo, den Wissensstand und sogar den Lernstil jedes einzelnen Mitarbeiters anpassen. Die permanente Verfügbarkeit dieser virtuellen Trainer ermöglicht flexibles Lernen – ein entscheidender Vorteil in einer zunehmend globalisierten Arbeitswelt mit flexiblen Arbeitszeiten und unterschiedlichen Zeitzonen.
Ein weiterer signifikanter Vorteil ist die Konsistenz der vermittelten Informationen: Alle Mitarbeiter erhalten denselben qualitativ hochwertigen Input, unabhängig von menschlichen Faktoren wie Ermüdung oder subjektiven Interpretationen des Trainers. Zudem können Metahumans komplexe Szenarien und Rollenspiele simulieren, was besonders in Bereichen wie Verhandlungstraining oder Konfliktmanagement von unschätzbarem Wert ist.
Beim Onboarding neuer Mitarbeiter zeigen sich die Stärken von Metahumans besonders deutlich. Sie sind eine wertvolle Ergänzung neben der persönlichen Betreuung: Als digitale Mentoren führen sie neue Teammitglieder durch die ersten Schritte im Unternehmen, erklären Prozesse, Unternehmenskultur und beantworten häufig gestellte Fragen – effizient und ohne zusätzliche Belastung für das bestehende Personal. Durch interaktive Frage-Antwort-Szenarien sowie realitätsnahe Simulationen wird der Einarbeitungsprozess nicht nur effektiver gestaltet, sondern auch motivierender für die neuen Mitarbeiter.
Stand: 08.12.2025
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Ein oft übersehener Aspekt ist die Fähigkeit dieser KI-gestützten Systeme, Lernfortschritte und Interaktionsmuster präzise zu erfassen und auszuwerten. Diese Daten ermöglichen es Unternehmen, ihre Schulungs- und Onboarding-Programme kontinuierlich zu optimieren und besser auf individuelle Bedürfnisse sowie sich ändernde Anforderungen des Arbeitsmarktes abzustimmen.
Herausforderungen und ethische Fragen
Trotz der vielfältigen Vorteile gilt es beim Einsatz von Metahumans auch kritische Aspekte zu berücksichtigen. Datenschutz steht dabei an oberster Stelle – insbesondere, wenn diese Avatare mit sensiblen Kunden- oder Mitarbeiterdaten arbeiten. Unternehmen müssen sicherstellen, dass sämtliche Interaktionen nicht nur DSGVO-konform sind, sondern auch ethischen Standards entsprechen. Transparenz ist hier ein Schlüsselfaktor: Nutzer müssen jederzeit darüber informiert sein, dass sie mit einer KI interagieren, und die Grenzen dieser Interaktion klar verstehen.
Ein weiteres, oft unterschätztes Problem ist die potenzielle emotionale Manipulation durch hyperrealistische Avatare. Je menschenähnlicher ein digitaler Avatar erscheint, desto größer ist die Gefahr, dass Nutzer ihm unbewusst menschliche Eigenschaften zuschreiben und eine emotionale Bindung aufbauen – selbst, wenn sie rational wissen, dass es sich um eine KI handelt. Dies wirft komplexe ethische Fragen auf: Wie transparent sollte der Einsatz solcher Technologien sein? Wo liegen die Grenzen der Emotionalisierung? Und wie kann verhindert werden, dass diese Systeme für Manipulationszwecke missbraucht werden?
Auch die psychologischen Auswirkungen auf Nutzer dürfen nicht unterschätzt werden. Studien zeigen, dass Menschen unterschiedlich auf digitale Avatare reagieren – abhängig von deren Erscheinungsbild, Verhalten und kulturellem Kontext. Ein schlecht konzipierter Avatar könnte nicht nur negative Assoziationen hervorrufen, sondern im schlimmsten Fall sogar das Vertrauen in die Marke oder das Unternehmen nachhaltig schädigen.
Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Die Auswirkungen von Metahumans auf den Arbeitsmarkt sind ein weiterer Aspekt, der sorgfältig betrachtet werden muss. Während diese Technologie zweifellos viele Routineaufgaben übernehmen kann – etwa im Kundenservice oder bei administrativen Tätigkeiten –, bleibt die menschliche Arbeitskraft für kreative, strategische und komplexe zwischenmenschliche Aufgaben unersetzlich. Die Herausforderung besteht darin, Metahumans als Ergänzung und Unterstützung einzusetzen, nicht als Ersatz für menschliche Mitarbeiter.
Trotz dieser Herausforderungen gibt es auch ermutigende Perspektiven: Der „Future of Jobs Report 2025“ des Weltwirtschaftsforums prognostiziert, dass bis 2030 weltweit 170 Millionen neue Arbeitsplätze durch digitale Technologien entstehen könnten – während gleichzeitig 92 Millionen andere wegfallen werden. Dies würde zu einem Nettozuwachs von 78 Millionen Arbeitsplätzen führen. Solche Prognosen verdeutlichen, dass Technologien wie Metahumans zwar eine tiefgreifende Veränderung der Arbeitswelt bewirken werden, aber nicht zwangsläufig zu einem Nettoverlust an Arbeitsplätzen führen müssen. Vielmehr könnte es zu einer Verschiebung hin zu anspruchsvolleren, kreativeren und stärker auf zwischenmenschliche Fähigkeiten ausgerichteten Tätigkeiten kommen.
Zukunftsaussichten
Metahumans sind keine ferne Zukunftsvision mehr, sondern bereits Realität in vielen Branchen. Unternehmen, die frühzeitig in diese Technologie investieren, können sich einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschaffen und ihre Prozesse nachhaltig optimieren. Doch technologische Möglichkeiten allein reichen nicht aus: Entscheidend ist ein ethisch verantwortungsvoller Umgang mit dieser Innovation – sowohl im Hinblick auf Transparenz und Datenschutz als auch darauf, den Mehrwert für den Menschen stets in den Mittelpunkt zu stellen.
Die digitale Welt entwickelt sich mit atemberaubender Geschwindigkeit weiter – und mit ihr die Art und Weise, wie wir kommunizieren, arbeiten und miteinander interagieren. Prognosen zufolge werden bis 2030 mehr als 50 Prozent der Unternehmen im Kundenservice auf digitale Avatare setzen. Ob Metahumans zur dominierenden Form der digitalen Interaktion werden oder ob sie nur eine Übergangstechnologie auf dem Weg zu noch fortschrittlicheren Systemen darstellen, hängt davon ab, wie gut es gelingt, Technologie mit Menschlichkeit in Einklang zu bringen.
Thomas Nørmark Thomas Nørmark ist Global Head of AI & Robotics bei NTT DATA Business Solutions. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der IT-Branche ist er ein Pionier in der Entwicklung und Implementierung von KI-gestützten Avataren für den Unternehmenseinsatz.