Erwartungslücke zwischen Realität und Vision „KI ist überbewertet“ – Studie zeigt massives Nutzungsdefizit

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Trotz hoher Erwartungen schöpfen laut einer aktuellen Umfrage 90 Prozent der Beschäftigten das Potenzial von KI nicht aus. 59 Prozent halten die Technologie sogar für überbewertet. Die Gründe reichen von fehlender Schulung bis zu falschem Einsatz. Die Studie von GoTo zeigt: Der KI-Hype prallt an der Realität vieler Arbeitsplätze ab.

Rich Veldran, CEO von GoTo: „Viele Arbeitnehmer nutzen KI bereits und sehen deutliche Produktivitätsgewinne, doch trotz dieser Vorteile zeigt unsere jüngste Studie, dass die Menschen KI immer noch als überbewertet ansehen.“(Bild:  GoTo)
Rich Veldran, CEO von GoTo: „Viele Arbeitnehmer nutzen KI bereits und sehen deutliche Produktivitätsgewinne, doch trotz dieser Vorteile zeigt unsere jüngste Studie, dass die Menschen KI immer noch als überbewertet ansehen.“
(Bild: GoTo)

Künstliche Intelligenz (KI) wird in Strategiepapieren gefeiert, in Podcasts verklärt – doch im Alltag vieler Beschäftigter bleibe sie weitgehend ungenutzt. Die Studie*„The Pulse of Work in 2025“ von GoTo in Zusammenarbeit mit Workplace Intelligence offenbart eine ernüchternde Einschätzung zur Rolle von KI im Berufsalltag: 59 Prozent der befragten Arbeitnehmer weltweit halten die Technologie für überbewertet. Zwar nutzen viele bereits KI-Tools – doch oft nicht effizient, zielgerichtet oder mit Vertrauen.

Laut der Befragung schöpfen 90 Prozent der Nutzer das Potenzial vorhandener KI-Anwendungen nicht aus. 77 Prozent wissen nicht, wie sich KI sinnvoll in ihren Arbeitsalltag integrieren ließe. Gleichzeitig verbringen Mitarbeiter im Schnitt 3,2 Stunden täglich mit Aufgaben, die laut eigener Einschätzung automatisierbar wären.

GoTo-CEO Rich Veldran sieht die Ursachen in fehlender Anleitung: „Viele erkennen zwar den Wert der KI, sehen sie aber noch nicht als die revolutionäre Veränderung, die ihnen versprochen wurde. Diese Diskrepanz besteht wahrscheinlich deshalb, weil viele Arbeitnehmer zugeben, dass sie das volle Potenzial von KI nicht erkennen oder nicht wissen, wie sie es in der Praxis einsetzen können.“ Ohne gezielte Förderung bleibe KI eine ungenutzte Ressource.

Falsche Erwartungen, falscher Einsatz

Was eigentlich repetitive Tasks erleichtern soll, wird teils zweckentfremdet. 21 Prozent der Beschäftigten nutzen KI für emotionale Aufgaben wie Konfliktlösung oder Mitarbeitergespräche – also Bereiche, die Feingefühl und soziale Kompetenz erfordern. Weitere 14 Prozent setzen sie für sicherheitsrelevante Vorgänge ein, sechs Prozent sogar für ethisch sensible Entscheidungen. Trotz klarer Richtlinien in vielen Unternehmen bereut 80 Prozent dieser Nutzer ihr Vorgehen nicht.

Parallel dazu bröckelt das Vertrauen in die Technik: 86 Prozent zweifeln an der Zuverlässigkeit der KI, 76 Prozent müssen Ausgaben nachbearbeiten. Und obwohl nur 45 Prozent der Firmen über eine KI-Richtlinie verfügen, greifen viele Mitarbeitende bereits zu – ohne Anleitung, ohne Schulung.

KI als Generationenfrage? Nein.

Nicht nur ältere Mitarbeitende kämpfen mit der Technologie. Auch die Generation Z gibt sich ahnungslos: 74 Prozent fühlen sich im Umgang mit KI nicht sicher. Damit wird klar – der Schulungsbedarf ziehe sich durch alle Altersgruppen.

Strategie statt Symbolpolitik

GoTo und Workplace Intelligence sehen drei zentrale Stellschrauben:

  • Bessere Schulungen – 87 Prozent der Beschäftigten fordern konkrete Anleitung, um KI zielgerichtet nutzen zu können.
  • Zugängliche Tools – Nur 40 Prozent der Befragten haben Zugriff auf die KI-Werkzeuge, die sie laut eigener Aussage tatsächlich brauchen würden.
  • Strategische Implementierung: 21 Prozent der IT-Leiter räumen ein, KI nur aus Trendgründen eingeführt zu haben.

Dabei wäre laut der Studie der Preis für echte Wirkung vergleichsweise gering: 20 US-Dollar pro Mitarbeiter und Monat könnten laut Schätzung ausreichen, um täglich eine Stunde Arbeitszeit einzusparen

Der Hype ist groß, die Lücke zur Realität ebenso. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffe eine Lücke, die nicht durch Technologie, sondern durch Bildung, Vertrauen und klare Einsatzszenarien geschlossen werden müsse. Wer diese Kluft überwinde, könne vom Potenzial der KI tatsächlich profitieren.

* Die Studie basiert auf einer Umfrage von GoTo und Workplace Intelligence von Februar bis April 2025. 2.500 Arbeitnehmer weltweit nahmen teil: 1.250 Vollzeit-Wissensarbeiter und 1.250 IT-Entscheider aus den USA, Kanada, Großbritannien, Irland, Deutschland, Österreich, der Schweiz, Indien, Mexiko und Brasilien.

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