Industrielle KI bleibt im Pilotmodus KI in der Produktion: Deutschlands Industrie tritt auf der Stelle

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Die Produktion in Deutschland könnte durch Künstliche Intelligenz (KI) effizienter, günstiger und präziser werden. Doch laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage schöpft nur ein Bruchteil der Industrie das Potenzial von KI wirklich aus. Zwischen technischer Chance und regulatorischer Hürde klafft eine deutliche Lücke.

Laut Bitkom schöpft nur ein Viertel der Industrie das KI-Potenzial aus. Komplexe Regulierungen und Unsicherheit hemmen die Umsetzung in der Produktion.(Bild:  KI-generiert)
Laut Bitkom schöpft nur ein Viertel der Industrie das KI-Potenzial aus. Komplexe Regulierungen und Unsicherheit hemmen die Umsetzung in der Produktion.
(Bild: KI-generiert)

Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom sehen sich lediglich 24 Prozent der Industrieunternehmen ab 100 Mitarbeitern in der Lage, die Potenziale von Künstlicher Intelligenz bereits gut zu nutzen. Die übrigen 72 Prozent halten sich nach eigenen Angaben zurück. Die Daten stammen aus einer repräsentativen Befragung* unter 552 Firmen des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland. Die Erhebung wurde laut Bitkom Research telefonisch zwischen Kalenderwoche 4 und 8 im Jahr 2025 durchgeführt.

Regulatorik als Bremsklotz

Lukas Spohr, Manufacturing-Experte beim Bitkom, nennt mehrere Gründe für die Zurückhaltung. Neben fehlender Zeit und fehlender Kompetenz würden vor allem komplexe Regulierungen und daraus entstehende rechtliche Unsicherheiten den Einsatz von KI ausbremsen. Die Mehrheit der Industrievertreter, laut Bitkom 88 Prozent, warnt davor, dass politische Überregulierung Innovationen bei KI ersticken könne. Viele Unternehmen sähen sich nicht in der Lage, neue KI-Anwendungen rechtssicher zu implementieren.

Energiewende mit Algorithmen?

Trotz aller Hemmnisse erkennen die Unternehmen zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für KI. Besonders groß schätzen sie das Potenzial beim Energiemanagement ein: 85 Prozent der befragten Unternehmen sehen darin laut Umfrage erhebliche Chancen. Vergleichbar hoch ist die Zustimmung für den Einsatz in der Robotik (74 Prozent), bei Analytik (73 Prozent) und im Lagermanagement (72 Prozent). Überall dort, wo Datenströme und Automatisierung zusammenkommen, erwartet die Industrie spürbare Effekte.

Optimierungspotenzial in klassischen Kernbereichen

Neben den zukunftsträchtigen Feldern identifizieren die Unternehmen auch in etablierten Disziplinen Möglichkeiten für KI. Für die Konfiguration von Maschinen sprechen sich 70 Prozent für KI-basierte Ansätze aus. Im Qualitätsmanagement rechnen 58 Prozent mit Vorteilen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. In der Programmierung und Konstruktion sieht jeweils mehr als die Hälfte der Befragten Potenzial, ebenso in der Projektplanung und im technischen Management. Die Bereitschaft, KI über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg einzusetzen, nimmt laut Bitkom-Befragung tendenziell zu.

Große Pläne, zögerliche Umsetzung

Obwohl die Erwartungen an KI hoch sind, bleibt die tatsächliche Implementierung laut Bitkom weit hinter den Möglichkeiten zurück. Die Umfrage zeichnet das Bild einer Industrie, die das Potenzial der Technologie klar erkennt, aber noch an der praktischen Umsetzung scheitert. Rechtliche Unsicherheit, Mangel an Experten und der hohe Aufwand für Compliance gelten als Hauptgründe, warum KI bislang oft im Pilotstatus verharrt.

* Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 552 Industrieunternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland ab 100 Beschäftigten telefonisch befragt. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 4 bis KW 8 2025 statt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellungen lauteten: „Inwieweit treffen die folgenden Aussagen zu KI in der Industrie auf Ihr Unternehmen oder Ihrer Meinung nach zu?“ und „Wie bewerten Sie das Potenzial von KI in den folgenden Anwendungsbereichen speziell in der Industrie?“.

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