Autonome handelnde Entitäten im IAM – Darauf kommt es an KI als eigenständige Identität im Identity and Access Management

Von Thomas Joos 9 min Lesedauer

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KI-Systeme agieren zunehmend eigenständig und benötigen dafür eigene digitale Identitäten. Im modernen Identity and Access Management entstehen so neue Anforderungen an Sicherheit, Governance und Nachvollziehbarkeit – von der Authentifizierung bis zur klaren Zurechenbarkeit.

Unternehmen, die KI in großem Maßstab einsetzen, benötigen ein IAM, das diese Entitäten gleichberechtigt behandelt, streng überwacht und mit klar definierten Verantwortlichkeiten verknüpft.(Bild: ©  Isasoulart - stock.adobe.com)
Unternehmen, die KI in großem Maßstab einsetzen, benötigen ein IAM, das diese Entitäten gleichberechtigt behandelt, streng überwacht und mit klar definierten Verantwortlichkeiten verknüpft.
(Bild: © Isasoulart - stock.adobe.com)

Das Konzept der Identität hat sich in Unternehmen in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Früher war Identitätsmanagement auf Menschen beschränkt, auf Beschäftigte, Kunden oder Dienstleister. Heute tritt eine neue Benutzerklasse hinzu, die weder eine menschliche noch eine klassische Systemrolle einnimmt: die KI-Identität. Sie repräsentiert autonome Systeme, die selbstständig handeln, Daten verarbeiten und Entscheidungen treffen. Diese Entitäten werden nicht mehr nur über Skripte oder statische Dienstkonten gesteuert, sondern verfügen über einen eigenen Satz von Berechtigungen, Zertifikaten und kryptografischen Signaturen. Sie authentifizieren sich in Echtzeit gegenüber Cloud-Diensten, Datenbanken und APIs und bilden damit eine neue Schicht innerhalb des digitalen Identitätsraums.

Über SCIM-Schnittstellen (System for Cross-Domain Identity Management) können KI-Agenten automatisch angelegt und verwaltet werden. Das Identity and Access Management überprüft kontinuierlich, welche Systeme sie nutzen, welche Ressourcen sie abfragen und wie lange ihre Zugriffsrechte gültig sind. Die my-IAM platform von FirstAttribute bietet hierfür eine zentrale Schicht, in der menschliche und maschinelle Identitäten in einer gemeinsamen Architektur geführt werden. Sie konsolidiert Identitätsdaten aus unterschiedlichen Quellen, verbindet sie mit Richtlinien und synchronisiert sie in Echtzeit mit Microsoft Entra ID und Active Directory. Dadurch entsteht eine einheitliche Grundlage, auf der KI-Identitäten dieselbe Nachvollziehbarkeit und Governance erfahren wie Benutzerkonten.

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Technisch betrachtet ist eine KI-Identität eine erweiterte Form maschineller Identität, ergänzt um kontextbezogene Attribute und dynamische Fähigkeiten. Sie kann Daten interpretieren, Handlungsentscheidungen ableiten und im Rahmen definierter Regeln selbst Aktionen auslösen. In Microsoft Entra ID etwa erscheinen diese Entitäten als Agenten oder Service-Principals mit eindeutiger Objekt-ID, die wie Benutzer geführt werden, aber einer Maschine gehören. Sie lassen sich über SCIM-Schnittstellen provisionieren, über OAuth authentifizieren und über Azure-Rollen autorisieren. Damit wird eine KI im Identitätsmanagement als eigenständiger Akteur behandelt.

Die Entstehung solcher Identitäten ist eine direkte Folge der zunehmenden Integration von KI in operative Prozesse. Wo bisher Menschen Anträge prüften, Texte verfassten oder Systeme konfigurierten, erledigen mittlerweile generative Modelle, Bots und lernende Systeme diese Aufgaben. Ein Sprachmodell, das im Kundenservice auf Tickets zugreift, ein Agent, der Sicherheitslogs auswertet, oder ein Assistent, der Code analysiert, sind alle Teil derselben Architektur. Sie agieren auf Basis von Zugangsdaten, führen Transaktionen aus und interagieren mit Datenquellen – kurz: Sie handeln als Identität. Für das IAM entsteht daraus eine neue Verantwortung, denn die Zuordnung von Entscheidungen, Berechtigungen und Haftung muss auch für maschinelles Handeln eindeutig sein.

Mensch oder Maschine – die Frage der Zurechenbarkeit

Die Unterscheidung zwischen menschlichem und maschinellem Handeln gehört zu den zentralen Aufgaben heutiger Sicherheitsarchitekturen. In klassischen Umgebungen lässt sich die Quelle einer Aktion meist über Logins oder Benutzerzertifikate identifizieren. In einer zunehmend automatisierten Umgebung verschwimmen diese Grenzen. Eine KI kann E-Mails schreiben, Tickets öffnen, Daten auswerten oder Berichte versenden, ohne dass sofort erkennbar ist, ob die Handlung von einem Menschen initiiert oder von einem Algorithmus autonom ausgeführt wurde.

Je autonomer Systeme agieren, desto schwieriger wird es, Handlungen einer Quelle zuzuordnen. Die Unterscheidung, ob eine Entscheidung von einem Menschen oder einer KI getroffen wurde, ist zentral für Sicherheit, Haftung und Compliance. my-IAM unterstützt diese Trennung durch eine klare Typisierung von Identitäten. Jede KI wird im Verzeichnisdienst als eigenständige Einheit geführt und durch Metadaten mit der verantwortlichen Person oder Organisationseinheit verknüpft. So ist im Audit-Trail jederzeit nachvollziehbar, welcher Agent im Einsatz war und wer ihn betreut oder freigegeben hat.

Unternehmen müssen daher eine klare Trennung zwischen menschlichen und maschinellen Identitäten schaffen. Jede KI erhält eine eigene Instanz im Verzeichnisdienst, die unabhängig von den Benutzerkonten agiert, aber über Metadaten mit einem verantwortlichen Menschen verknüpft ist. So bleibt nachvollziehbar, wer den Einsatz der KI genehmigt, welche Aufgaben sie übernehmen darf und in welchem Kontext sie operiert. Bei jeder Interaktion wird im Audit-Trail erfasst, welche Entität gehandelt hat und unter welchem Token der Zugriff stattfand. Dieses Prinzip der dualen Nachverfolgbarkeit bildet die Grundlage für Compliance und Haftbarkeit.

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Die Schwierigkeit liegt in der wachsenden Perfektion künstlicher Systeme. Inzwischen sind Chatbots und Agenten in der Lage, menschliche Kommunikation so überzeugend zu simulieren, dass selbst geschulte Fachkräfte den Unterschied kaum erkennen. Damit steigt die Bedeutung technischer Identifikatoren, kryptografischer Signaturen und eindeutiger Auditdaten. Systeme wie Entra ID führen für jede KI-Identität zusätzliche Attribute, die belegen, dass die Handlung von einem maschinellen Akteur stammt, zum Beispiel einem KI-Dienst. Nur so lässt sich der Vertrauensrahmen aufrechterhalten, der für rechtssichere Geschäftsprozesse erforderlich ist.

Die Rolle von KI-Identitäten im Identity and Access Management

Das Identity and Access Management bildet die Grundlage für Governance, Compliance und Sicherheit. In diesem Rahmen übernehmen KI-Identitäten eine doppelte Funktion. Einerseits agieren sie als Ausführende von Prozessen, andererseits als Entscheidungsträger, die Zugriff gewähren oder verweigern. Durch diese Doppelrolle wird das IAM zu einem dynamischen Kontrollsystem, das nicht mehr nur Benutzer verwaltet, sondern auch lernende Systeme integriert.

In aktuellen IT-Landschaften, die aus hybriden Cloud-Umgebungen bestehen, kann ein KI-Agent über Entra ID, Okta oder AWS IAM auf Ressourcen zugreifen, Daten transformieren und anschließend Workflows in anderen Systemen auslösen. Diese Interaktionen geschehen automatisiert und oft in Millisekunden. Ohne Identitätsmanagement ließen sich solche Vorgänge weder überprüfen noch nachvollziehen. Das IAM ist damit nicht nur Kontrollinstanz, sondern zugleich Integrationsschicht für den gesamten Lebenszyklus maschineller Intelligenz.

KI-Identitäten übernehmen auch eine vermittelnde Rolle zwischen Sicherheit und Produktivität. Sie ermöglichen Automatisierung ohne Kontrollverlust. Ein Unternehmen kann zum Beispiel zulassen, dass ein KI-Agent Daten aus dem CRM-System ausliest, um Kundenanfragen zu analysieren, ohne ihm gleichzeitig Zugriff auf vertrauliche Finanzdaten zu gewähren. Durch die Integration in das IAM-System wird definiert, welche Daten ein Agent sehen, verändern oder exportieren darf. Diese Granularität macht Automatisierung erst betriebssicher.

Darüber hinaus erweitert die KI die Funktion des IAM selbst. Systeme, die Machine Learning zur Anomalieerkennung oder Verhaltensanalyse einsetzen, sind Teil der Schutzarchitektur. Eine KI kann selbst als Wächter fungieren, indem sie verdächtige Logins erkennt oder ungewöhnliche Rollenänderungen analysiert. Auch hier besitzt die KI eine Identität, wird authentifiziert und protokolliert. So entsteht ein sich selbst überwachendes System, in dem jede Aktion, auch die der Überwachung, einer klaren Entität zugeordnet bleibt.

Verwaltung von KI-Identitäten

Die Verwaltung von KI-Identitäten verlangt nach neuen Strategien. Menschliche Benutzer treten über Personalprozesse ein- und aus, maschinelle Identitäten entstehen oft spontan. Sie werden für ein Projekt, ein Skript oder eine Analyse instanziiert und müssen anschließend wieder entfernt werden. Ohne automatisiertes Lifecycle-Management würde die Zahl inaktiver oder vergessener Konten exponentiell steigen, das stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.

Aktuelle IAM-Systeme bildet den gesamten Lebenszyklus einer KI-Identität ab. Im Lifecycle-Management deckt my-IAM den gesamten Prozess ab, von der automatisierten Erstellung über die Rezertifizierung bis zur kontrollierten Stilllegung. Temporäre Identitäten für kurzfristige Projekte werden nach Ablauf vollständig gelöscht, während dauerhafte Agenten regelmäßig überprüft und bei Inaktivität deaktiviert werden. So bleibt die Identitätslandschaft konsistent und frei von Schattenkonten.

Die Erstellung erfolgt über automatisierte Provisionierung, bei der Attribute, Rollen und Zugriffsrichtlinien sofort hinterlegt werden. Die Zuweisung zu Verantwortlichen stellt sicher, dass jedes Konto einer natürlichen Person oder einer organisatorischen Einheit untersteht. Im laufenden Betrieb überwachen Richtlinien den Gebrauch der Identität, prüfen ihre Aktivität und entziehen ungenutzte Berechtigungen. Nach Abschluss der Aufgabe löscht das System die Identität oder archiviert sie mit allen Protokollen.

Technisch erfolgt die Authentifizierung über Zertifikate oder Tokens. Anstelle von Passwörtern werden signierte Zugriffstoken genutzt, die über OAuth- oder OpenID-Connect-Protokolle bereitgestellt werden. Diese Tokens sind zeitlich begrenzt, um Missbrauch zu verhindern. Für sensible Operationen greift das Prinzip des Just-in-Time-Access. Ein Agent erhält nur während einer genehmigten Sitzung die notwendigen Rechte, danach verfällt der Zugriff automatisch.

Im Zusammenspiel mit Zero-Trust-Prinzipien wird die Verwaltung granularer. Jede Anfrage einer KI wird kontextabhängig bewertet. Faktoren wie Ort, Systemstatus, Risikowert oder Sensibilität der Zielressource beeinflussen, ob ein Zugriff erlaubt wird. Damit wird der Sicherheitsrahmen für KI-Identitäten ebenso flexibel wie für Benutzer, jedoch vollständig maschinell gesteuert.

Anforderungen an KI-Identitäten

KI-Identitäten unterliegen denselben Anforderungen wie menschliche Konten, müssen aber zusätzlichen Bedingungen genügen. Sie müssen eindeutig identifizierbar, auditierbar und in ihren Handlungen nachvollziehbar sein. Jede Entscheidung, die eine KI trifft, muss sich rückwirkend dokumentieren lassen. Im professionellen Umfeld bedeutet das, dass alle Systeme, die KI-Identitäten verwalten, über fein abgestufte Protokollierung verfügen. Die Nachvollziehbarkeit reicht bis auf Tokenebene, sodass ein exakter Beleg entsteht, wann, warum und mit welcher Berechtigung eine Aktion erfolgte.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Verantwortlichkeit. Da eine KI keine juristische Person ist, bleibt die Haftung bei der Organisation, die sie einsetzt. Daraus folgt die Pflicht, für jede KI-Identität einen Sponsor oder Eigentümer zu definieren, der alle Aktivitäten überwacht. Ohne diese Verknüpfung wäre kein geregelter Betrieb möglich.

Die Rechteverwaltung orientiert sich am Prinzip der minimalen Privilegien. KI-Agenten dürfen nur die Berechtigungen erhalten, die für die aktuelle Aufgabe notwendig sind. Dabei kann das System dynamisch prüfen, ob eine Berechtigung noch gerechtfertigt ist. In komplexen Multi-Cloud-Umgebungen wird dieses Prinzip über Policies und Conditional-Access-Regeln durchgesetzt. Das Lifecycle-Management bildet den organisatorischen Rahmen. Jede KI-Identität entsteht über ein genehmigtes Verfahren, wird regelmäßig überprüft und nach Ablauf des Projekts automatisch deaktiviert. Diese Prozesse sind entscheidend, um Schattenidentitäten zu vermeiden, die in vielen Organisationen zu den größten Schwachstellen zählen.

Praxisbeispiele aus dem Unternehmensumfeld

In großen Unternehmen ist der Einsatz von KI-Identitäten längst Realität. In der Softwareentwicklung arbeiten intelligente Assistenten mit Zugriff auf Repositorys, Codescanner und Ticket-Systeme. Sie analysieren Commits, erkennen Sicherheitslücken und schlagen Korrekturen vor. Ihre Identität im IAM erlaubt den Lesezugriff auf Quelltexte, schließt aber jede Schreibberechtigung in Produktionszweigen aus. In der Finanzabteilung prüfen autonome Buchungsassistenten Belege und verknüpfen diese mit ERP-Daten. Ihre Konten sind zeitlich limitiert und ausschließlich für Transaktionsprüfung zugelassen. Im Personalwesen agieren Chatbots, die Bewerberdaten analysieren, Feedback geben und Interviews koordinieren. Sie besitzen Zugriff auf HR-Datenbanken, jedoch ohne Einsicht in vertrauliche Gehaltsdaten.

Ein weiteres Beispiel sind Cloud-Management-Umgebungen. In Azure oder AWS können KI-Agenten über Entra ID authentifiziert werden, um virtuelle Maschinen zu überwachen oder Sicherheitsrichtlinien anzupassen. Der Zugriff wird über temporäre Tokens gewährt, die nach wenigen Stunden verfallen. Gleichzeitig dokumentiert das IAM jeden API-Aufruf und speichert Metadaten zur Quelle, zum Zeitpunkt und zum Ziel. Dieses Verfahren reduziert Angriffsflächen erheblich, weil privilegierte Zugriffe nicht dauerhaft bestehen.

Bedeutung gewinnt das Thema im Zusammenhang mit hybriden Infrastrukturen. In vielen Organisationen interagieren Active Directory, Microsoft 365, Azure und lokale Systeme parallel. In hybriden Umgebungen ist my-IAM die verbindende Instanz. Sie synchronisiert Identitäten, konsolidiert Rolleninformationen und ermöglicht es, maschinelle und menschliche Identitäten gemeinsam zu prüfen. So entsteht ein durchgängiges Governance-Modell über alle Schichten der Infrastruktur. KI-Agenten können hier als Vermittler dienen, um Identitätsdaten zu synchronisieren oder Berechtigungen abzugleichen. Ihre Identitäten sind im IDM-Portal sichtbar, auditierbar und vollständig in Governance-Prozesse integriert.

Fazit

Die Integration von KI-Identitäten markiert einen Wendepunkt im Identity and Access Management. Sie erweitert das Verständnis von Identität über den Menschen hinaus und schafft eine technische wie organisatorische Grundlage für maschinelles Handeln unter Kontrolle. Unternehmen, die KI in großem Maßstab einsetzen, benötigen ein IAM, das diese Entitäten gleichberechtigt behandelt, streng überwacht und mit klar definierten Verantwortlichkeiten verknüpft.

Nur wenn jede KI als vollwertige Identität geführt wird, bleiben Transparenz, Sicherheit und Nachvollziehbarkeit gewährleistet. Die Zukunft des Identitätsmanagements liegt in der Verschmelzung von Mensch, Maschine und Prozess unter einem gemeinsamen Governance-Dach. Das bedeutet nicht, dass Maschinen Menschen ersetzen, sondern dass beide innerhalb desselben Regelwerks agieren. Die KI erhält eine Identität, Rechte und Grenzen, und das IAM stellt sicher, dass sie sich daran hält. Die my-IAM platform schafft dafür die technologische und organisatorische Basis. Jede Identität, ob menschlich, dienstbasiert oder lernend, bleibt dadurch nachvollziehbar, überprüfbar und sicher in die Unternehmensarchitektur eingebettet.

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