Camunda-Studie: hohe Erwartungen, starke Befürchtungen, geringe Produktionsreife KI-Agenten fristen ein Randdasein in vielen Unternehmen

Quelle: Pressemitteilung Camunda 3 min Lesedauer

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Eine Camunda-Studie zeigt einen anhaltenden Enthusiasmus für KI-Agenten und viel Experimentieren, aber nur wenige produktionsreife Anwendungen. Steigenden Investitionen stehen Befürchtungen über Verantwortungsdelegation und eine zunehmende Komplexität von Unternehmensabläufen gegenüber.

Unternehmen investieren weiter in KI-Agenten. Diese werden aber bislang vor allem jenseits geschäftskritischer Prozesse als Chatbots oder Assistenten ohne Entscheidungskompetenzen eingesetzt.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Unternehmen investieren weiter in KI-Agenten. Diese werden aber bislang vor allem jenseits geschäftskritischer Prozesse als Chatbots oder Assistenten ohne Entscheidungskompetenzen eingesetzt.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Camunda, ein Anbieter von agentenbasierter Automatisierung für Unternehmen, hat die Studie „2026 State of Agentic Orchestration and Automation Report“ veröffentlicht. Die Befragung von Verantwortlichen für Prozessautomatisierung in großen Unternehmen zeigt: Zwar nutzen 71 Prozent der Unternehmen KI-Agenten (Künstliche Intelligenz) grundsätzlich. Aber nur 11 Prozent der als Anwendungsfälle identifizierten agentischen KI-Anwendungen haben eine Produktionsreife erreicht. 73 Prozent der Befragten sehen damit eine deutliche Kluft zwischen Erwartungen und Realität beim KI-Einsatz in ihrem Unternehmen.

Zwar geben 71 Prozent der befragten Organisationen an, KI-Agenten einzusetzen; nur 11 Prozent der identifizierten Anwendungsfälle haben 2025 einen Produktionsstatus erreicht. (Bild:  Camunda)
Zwar geben 71 Prozent der befragten Organisationen an, KI-Agenten einzusetzen; nur 11 Prozent der identifizierten Anwendungsfälle haben 2025 einen Produktionsstatus erreicht.
(Bild: Camunda)

Zugleich bleiben Erwartungen wie auch die Investitionsbereitschaft hoch. Verantwortliche geben an, 48 Prozent ihrer Geschäftsprozesse automatisiert zu haben, und erwarten, künftig 64 Prozent der Unternehmensprozesse automatisieren zu können. 85 Prozent der Organisationen planen, ihre Ausgaben für Automatisierung um mindestens 10 Prozent zu erhöhen. Die Befragten erwarten, dass Automatisierungs-Budgets im Schnitt um 20 Prozent in den nächsten zwei Jahren wachsen werden. Tatsächlich berichten auch 95 Prozent der Verantwortlichen von messbarem Geschäftswachstum durch Automatisierung im vergangenen Jahr.

Sorgen über Verschlimmverbesserungen

Bei einem ungebrochenen Enthusiasmus für agentische KI teilen die Befragten auch eine ganze Reihe konkreter Befürchtungen über deren Einsatz. 84 Prozent erwarten Risiken im Tagesgeschäft, sollte die IT nicht für angemessene Kontrollmechanismen sorgen. Zwei Drittel teilen Compliance-Bedenken über den Einsatz von KI-Agenten.

Unternehmen nennen ein Geschäftsrisiko durch ungenügend mit Kontrollmechanismen ausgestattete KI und mangelnde Transparenz beim KI-Einsatz als Faktoren für Zurückhaltung bei der Integration von KI-Anwendungen in Unternehmensabläufe.(Bild:  Camunda)
Unternehmen nennen ein Geschäftsrisiko durch ungenügend mit Kontrollmechanismen ausgestattete KI und mangelnde Transparenz beim KI-Einsatz als Faktoren für Zurückhaltung bei der Integration von KI-Anwendungen in Unternehmensabläufe.
(Bild: Camunda)

Weitere Sorgen sind grundsätzlicher. Die Hälfte der Befragten befürchtet, dass KI ineffiziente Prozesse im Unternehmen weiter verschlechtern könnte. Vier Fünftel beklagen einen Mangel an Transparenz bei der Integration von KI in Unternehmensprozesse. 42 Prozent haben Sorgen, dass KI in Unternehmensbereichen eingesetzt wird, wo sie keinen Mehrwert bietet. Schließlich haben 39 Prozent der Befragten grundsätzliche Bedenken, einer KI geschäftskritische Aufgaben zu delegieren.

KI-Agenten primär abseits kritischer Prozesse im Einsatz

So ist auch die KI-Realität in Unternehmen oft von Vorsicht geprägt, Einsatzfelder fallen in vielen Fällen entsprechend bescheiden aus. In 80 Prozent der befragten Unternehmen handelt es sich bei den meisten KI-Agenten um Chatbots oder Assistenten, die Inhalte zusammenfassen und Fragen beantworten, aber nicht eigenständig Unternehmensaufgaben übernehmen. Die knappe Hälfte der Befragten gibt an, dass ihre KI-Agenten in klar abgetrennten Silos operieren, statt in allgemeine Unternehmensabläufe eingebunden zu werden.

Viele Organisationen teilen eine Einstellung der Risikobeschränkung, sodass Agenten am Rande von Unternehmensprozessen eingesetzt werden und auch da bei wichtigen Entscheidungen auf menschliche Zustimmung angewiesen sind. Für den Camunda-VP Kurt Petersen sind die Vorsicht und der Vertrauensmangel vieler Unternehmen bei der Implementierung autonomer KI-Agenten verständlich; zugleich sieht er verschenktes Potenzial: „Viele Unternehmen gehen das Thema vorsichtig an, kommen dabei aber nicht über Pilotprojekte oder isolierte Anwendungsfälle hinaus“. Wenn allerdings für „klare Leitplanken“ und „Transparenz“ gesorgt sei, „können Agenten zu starken Multiplikatoren innerhalb gesteuerter Prozesse werden, statt lediglich isolierte Co-Piloten oder Chatbots zu bleiben.“

Jenseits von Vertrauen und technologischen Grundlagen beklagen viele Respondenten allerdings auch schlicht eine exponentiell wachsende Komplexität von Unternehmensprozessen, die einer erfolgreichen Einbindung agentischer KI entgegensteht. Dies gilt der Studie zufolge vor allem für die Gesamtzahl der in Unternehmensabläufe eingebundenen Interaktionspunkte (Process Endpoints), die menschliche Entscheidungsträger, Software und IoT-Geräte umfassen. Respondenten geben an, dass sie mit durchschnittlich 50 solcher Interaktionspunkte in ihren Unternehmensabläufen umgehen müssen. Dieser Wert steige jährlich um 14 Prozent. 76 Prozent geben an, unter einem exponentiellen Komplexitätsanstieg zu leiden.

Steigende Komplexität von Unternehmensabläufen bremst Adoption

Regulatorische Anforderungen, aber auch stärker verzweigte Entscheidungspfade gehören zu den meistgennanten Faktoren für wachsende Komplexität in Unternehmensabläufen.(Bild:  Camunda)
Regulatorische Anforderungen, aber auch stärker verzweigte Entscheidungspfade gehören zu den meistgennanten Faktoren für wachsende Komplexität in Unternehmensabläufen.
(Bild: Camunda)

Als wichtigste Faktoren für die wachsende Komplexität der Unternehmensabläufe nennen die Befragten steigende regulatorische Anforderungen (81 Prozent), die zunehmende Verzweigung von Entscheidungspfaden und zu berücksichtigenden Sonderbedingungen in Unternehmensabläufen (57 Prozent), schwer zugängliche Legacy-Systeme (54 Prozent) sowie eine schwer zu erreichende Interoperabilität zwischen mehreren Systemen (47 Prozent). Weniger als die Hälfte der Befragten nennt menschliche Faktoren (41 Prozent) und den Stand der eigenentwickelten Software (33 Prozent) als entscheidend.

Auf Software-Seite sind Enterprise-Plattformen wie SAP und Salesforce sowie klassische, robotische Automatisierungstools (Robotic Process Automation, RPA), zunehmend aber auch KI-Anwendungen für die meistgenutzten Interaktionspunkte zuständig. 85 Prozent der Respondenten beklagen dabei das Fehlen passender Tools zur Steuerung komplexer Abläufe, zwei Dritteln fehlen passende Werkzeuge zum Monitoring und Management der Prozessautomatisierung.

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So überwinden nur 10 Prozent der befragten Organisationen bislang den isolierten Einsatz einzelner KI-Agenten und nutzen eine zentrale Orchestrierung. Zwar sehen 81 Prozent der Respondenten Orchestrierung als entscheidend für die Delegation von kritischen Geschäftsprozessen an autonomen KI-Agenten an, doch stellen 85 Prozent fest, dass die Unternehmensabläufe dafür nicht bereit sind.

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