Vertrauen in Künstliche Intelligenz bleibt verhalten Jeder Achte glaubt, dass KI Anwälte überflüssig macht

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz (KI) könnte in Zukunft vermehrt in der Rechtsberatung zum Einsatz kommen. Laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom halten zwölf Prozent der Befragten Anwälte in den meisten Fällen für verzichtbar. Dennoch bleibt das Vertrauen in KI-gestützte Rechtsberatung insgesamt gering. Gerade bei komplexen Fällen bevorzugen die meisten weiterhin menschliche Expertise.

Einer Studie von Bitkom nach können sich nur wenige Deutschen vorstellen, sich ausschließlich von einer Künstlichen Intelligenz in Rechtsfragen beraten zu lassen.(Bild:  KI-generiert)
Einer Studie von Bitkom nach können sich nur wenige Deutschen vorstellen, sich ausschließlich von einer Künstlichen Intelligenz in Rechtsfragen beraten zu lassen.
(Bild: KI-generiert)

Digitale Technologien nehmen zunehmend Einfluss auf traditionelle Berufsfelder. In der Rechtsberatung sind KI-gestützte Systeme bereits in der Lage, standardisierte Abläufe zu unterstützen. Eine aktuelle Umfrage* des Digitalverbands Bitkom zeigt jedoch, dass die Akzeptanz dieser Technologie in der Bevölkerung zögerlich ist. Demnach können sich lediglich 26 Prozent der Befragten vorstellen, auf eine KI-Unterstützung bei rechtlichen Fragen zurückzugreifen, anstatt eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt zu konsultieren. Davon würden jeder Achte (12 Prozent) auf jeden Fall eine KI zu Rate ziehen, während weitere 14 Prozent dies nur für einfache Fragestellungen in Betracht ziehen würden.

Das Vertrauen in die Fähigkeiten Künstlicher Intelligenz variiert stark mit dem Alter. Laut Bitkom-Umfrage lehnen 81 Prozent der über 65-Jährigen eine KI-basierte Rechtsberatung ab. Unter den 16- bis 29-Jährigen sind es hingegen 64 Prozent. In der Altersgruppe zwischen 30 und 49 Jahren liegt die Ablehnung bei 63 Prozent, während es in der Gruppe der 50- bis 64-Jährigen 69 Prozent sind.

Als größten Vorteil einer KI sehen 61 Prozent aller Befragten, dass sie rund um die Uhr verfügbar ist. Dennoch bleibt Skepsis bestehen: Nur 21 Prozent sind der Meinung, dass eine KI in bestimmten Rechtsgebieten mehr Fachwissen besitzt als menschliche Anwälte. Zudem befürchten 54 Prozent der Befragten, dass eine KI sich nicht in die Situation der Betroffenen hineinversetzen kann und dadurch eine schlechtere Beratung bietet. Weitere 50 Prozent halten menschliche Berater für besser geeignet, um juristische Sachverhalte zu erklären, und 46 Prozent trauen ihnen ein besseres Verständnis für komplexe Zusammenhänge zu.

Anwälte bleiben weiterhin unersetzbar

Der Rechts-Experte des Bitkom, Markus Scheufele, betont: „Künstliche Intelligenz hat zuletzt enorme Fortschritte gemacht und kann schon heute ein sehr nützliches Hilfsmittel sein. Anwältinnen und Anwälte wird sie auf absehbare Zeit aber nicht vollständig ersetzen können.“ Damit unterstreicht er die Erkenntnis, dass KI zwar zur Effizienzsteigerung beitragen kann, jedoch keine vollwertige Alternative zu menschlicher Rechtsberatung darstellt, denn komplexe rechtliche Fragestellungen erfordern oft menschliches Urteilsvermögen, Empathie und ethische Überlegungen, die KI derzeit nicht leisten geschweige bei Einzelfallentscheidungen nicht fällen kann.

Die Umfrage zeigt, dass trotz technologischer Fortschritte das Vertrauen in KI-gestützte Rechtsberatung begrenzt bleibt. Während einige Aspekte wie Verfügbarkeit als Vorteil gesehen werden, ist die Mehrheit der Befragten skeptisch, ob KI in der Lage ist, komplexe juristische Fragestellungen adäquat zu bearbeiten. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Technologie aktuell eher als Unterstützung denn als Ersatz für menschliche Anwälte betrachtet wird.

*Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.004 Personen ab 16 Jahren in Deutschland im Zeitraum von KW 43 bis KW 46 2024 telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellung lautete „Können Sie sich vorstellen, bei rechtlichen Problemen Hilfe bei einer Künstlichen Intelligenz zu suchen, anstatt einen Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin aufzusuchen?“ und „Welche der folgenden Aussagen treffen Ihrer Meinung nach auf die Nutzung einer Künstlichen Intelligenz statt eines Rechtsanwalts oder einer Rechtsanwältin zu?“

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