Unternehmen müssen ihre Automatisierungsprozesse grundlegend neu gestalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei nehmen intelligente Software-Assistenten eine Schlüsselrolle ein und formen etablierte Arbeitsabläufe um. Was diese KI-Agenten auszeichnet: Sie handeln eigenständig und navigieren selbst durch verzweigte Entscheidungsprozesse in Echtzeit – etwas, das bisher menschlichem Urteilsvermögen vorbehalten war.
Der Autor: Constantin Gonzalez ist Principal Solutions Architect bei Amazon Web Services (AWS)
(Bild: blende11_Fotografen / AWS)
Unternehmen müssen ihre Automatisierungsprozesse grundlegend neu gestalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei nehmen intelligente Software-Assistenten eine Schlüsselrolle ein und formen etablierte Arbeitsabläufe um. Was diese KI-Agenten auszeichnet: Sie handeln eigenständig und navigieren selbst durch verzweigte Entscheidungsprozesse in Echtzeit – etwas, das bisher menschlichem Urteilsvermögen vorbehalten war.
Für die digitale Transformation moderner Unternehmen werden zunehmend KI-Agenten eingesetzt. Das belegen Zahlen aus einer Capgemini-Umfrage aus dem Jahr 2024: 82 Prozent der befragten Führungskräfte großer Unternehmen planen die Einführung solcher Systeme innerhalb der kommenden drei Jahre. Während zehn Prozent bereits auf diese Technologie setzen, steht für mehr als die Hälfte die Implementierung im nächsten Jahr bevor. Hilfreich sind hierfür Modelle mit fortschrittlichen Reasoning-Fähigkeiten, wie Anthropics Claude 3.7 Sonnet oder das Open-Source-Modell DeepSeek-R1. Mit ihnen können Unternehmen intelligente Anwendungen für komplexe Entscheidungsprozesse entwickeln. Insgesamt markieren KI-Agenten einen fundamentalen Paradigmenwechsel für moderne Unternehmen.
Adaptive Intelligenz statt starrer Regeln
Ältere Lösungen arbeiteten üblicherweise mit festen Algorithmen. Dahingegen setzen KI-Agenten auf ein völlig anderes Konzept. Sie benötigen keine vordefinierten Datenstrukturen für effizientes Arbeiten. Stattdessen nutzen sie leistungsfähigere Large Language Models (LLMs), mit denen sie selbstständig handeln und kontinuierlich neue Daten berücksichtigen können.
Ein anschauliches Beispiel für diese Flexibilität findet sich in der Fertigungsindustrie: Herkömmliche Systeme konnten zwar Lagerbestände zuverlässig erfassen, doch das weitere Handeln blieb rein reaktiv. KI-Agenten antizipieren dagegen Marktentwicklungen und Unterbrechungen der Lieferkette und treffen proaktiv Gegenmaßnahmen. Sie verarbeiten unterschiedlichste Daten in kürzester Zeit – von Bestandsbewegungen über Kundenpräferenzen bis hin zu Umweltfaktoren. Daraus leiten sie dann strategische Anpassungen ab und genau an dieser Stelle entfalten KI-Agenten ihren vollen Mehrwert.
Technologische Grundlagen
Eine wichtige Ergänzung für effiziente Anwendungen im Bereich von maschinellem Lernen (ML) und generativer KI ist Amazon SageMaker AI. Dieser vollständig verwaltete Service deckt alle Phasen des ML-Lebenszyklus ab. Das erstreckt sich von der ersten Konzeption über das Training bis zur Bereitstellung und Überwachung. Einsteiger können mit Low-Code-Lösungen wie SageMaker Canvas arbeiten. Bei anspruchsvolleren Use Cases ist es zudem möglich, die direkte Modellimplementierung über JumpStart oder fortgeschrittene Techniken wie LoRA für die Feinabstimmung zu nutzen.
Unternehmen, die mit bereits fertigen Foundation Models (FMs) Anwendungen erstellen möchten, können mit Amazon Bedrock auf eine Reihe bewährter FMs von Herstellern zurückgreifen – beispielsweise AI21 Labs, Anthropic, Cohere, DeepSeek, Luma, Meta, Mistral AI, Poolside (in Vorbereitung), Stability AI, und Amazon. Darüber hinaus erleichtert Bedrock den Aufbau von Leitplanken, um Unternehmensrichtlinien für den verantwortungsvollen Umgang mit KI einfach umzusetzen. Auch die Feinabstimmung von bestimmten Modellen mit Unternehmens-eigenen Daten ist möglich.
Multi-Agenten-Workflows mit CrewAI
Um das volle Potenzial von KI-Agenten auszuschöpfen, ist ein durchdachtes Framework für die Orchestrierung nötig. Hier kommt CrewAI ins Spiel: Es ist ein robustes Framework für die Entwicklung von Multi-Agenten-Systemen, das sich nahtlos in Dienste von AWS und besonders SageMaker AI integriert. Das Framework nutzt eine rollenbasierte Agenten-Architektur, deren umfassende Performance-Monitoring-Funktionen mit Amazon CloudWatch zusammenarbeiten. So entsteht eine effektive Lösung für Organisationen auf Grundlage von AWS Best Practices.
Mit CrewAI lässt sich beispielsweise ein Multi-Agenten-Recherche-Workflow erstellen. Dabei kommen zwei spezialisierte Agenten zum Einsatz: ein Recherche-Agent, der relevante Informationen zu einem Thema im Internet sucht, und ein Redaktions-Agent, der die gesammelten Erkenntnisse verarbeitet. Diese Arbeitsteilung ermöglicht die Integration verschiedener LLMs in strukturierte Prozessabläufe und bietet auch Werkzeuge für automatisierte Aktionen.
Stand: 08.12.2025
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Praktische Implementierung
Die Umsetzung von KI-Agenten auf der Infrastruktur von AWS kann nach einem einfachen Schema erfolgen. Zuerst werden LLMs aus dem Portfolio von Amazon Bedrock ausgewählt. Hier sind sowohl mächtige LLMs mit Reasoning-Fähigkeiten wie DeepSeek-R1 oder Claude Sonnet 3.7 verfügbar, als auch Modelle mit günstigerem Preis-Leistungsverhältnis wie die Amazon-Nova-Modellreihe.
Im zweiten Schritt werden die auf den Modellen aufbauenden Agenten mit CrewAI definiert. Jeder Agent basiert auf zwei Kernkomponenten: der Agenten- und der Aufgabendefinition. Dieses duale Konzept verleiht den Agenten sowohl eine klare Identität als auch einen definierten Handlungsrahmen. Tools erweitern die Handlungsfähigkeit – vergleichbar mit Apps auf Smartphones. CrewAI stellt bereits fertige Tools für Datenverarbeitung, Webinteraktion, Medien, Dokumentenverarbeitung und Entwicklung zur Verfügung, unterstützt aber ebenso die Erstellung individueller Tools.
Strategische Bedeutung
Die hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von KI-Agenten eröffnet Unternehmen neue Möglichkeiten bei der Lösung komplexer Geschäftsprobleme. Die in diesem Artikel vorgestellten Lösungen bilden dafür ein zuverlässiges technologisches Fundament: Bedrock dient der einfachen Modellbereitstellung, DeepSeek-R1 oder Sonnet 3.7 bringen Reasoning-Fähigkeiten ein und CrewAI ermöglicht eine strukturierte Workflow-Steuerung. Auf dieser Grundlage entstehen effiziente Anwendungen, die auch anspruchsvolle Szenarien bewältigen können.
Besonders hilfreich sind die Agenten in Bereichen, die adaptive Reaktionsfähigkeit und spezialisiertes Fachwissen erfordern. Im Kundenservice optimieren sie zum Beispiel Interaktionen durch natürlichsprachige Kommunikation, personalisierte Betreuung und effiziente Problemlösungen. Erfolgreiche Implementierungen basieren auf klar definierten Prozessen mit messbaren Erfolgsmetriken und fokussieren sich auf Bereiche, die von höherer Prozessflexibilität profitieren. Die Infrastruktur von AWS unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung solcher KI-Systeme, die sowohl die operative Effizienz verbessern als auch neue Geschäftsansätze ermöglichen.
Ausblick: Zukunft von KI-Agenten
Die Verbreitung von KI-Agenten in Unternehmen steht noch am Anfang. Doch die Prognosen aus der Capgemini-Umfrage deuten auf einen Wandel hin, durch den intelligente Agentensysteme zunehmend zum strategischen Standard werden. Die modulare Architektur moderner KI-Agenten mit spezialisierten Komponenten bildet dabei das Fundament für die kontinuierliche Weiterentwicklung. Besonders in dynamischen Geschäftsumgebungen, die Flexibilität und domänenspezifisches Wissen erfordern, werden KI-Agenten in Zukunft ihre Stärken ausspielen.
Mit ihrer kontextbezogenen Entscheidungsfindung und eigenständigen Handlungsfähigkeit werden KI-Agenten zunehmend Aufgaben übernehmen, die bisher menschliche Intelligenz erforderten. Damit können sie zu weitreichenden Umwälzungen und Innovationen führen. Unternehmen sollten sich daher schon frühzeitig mit den neuen Möglichkeiten beschäftigen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.