ROI im KI-Rausch IBM-Studie: KI soll in Deutschland binnen eines Jahres Rendite bringen – wirklich?

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Eine neue IBM-Erhebung zeigt: Zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland und Europa verzeichnen bereits Produktivitätssteigerungen durch Künstliche Intelligenz (KI). Doch während Großkonzerne Effizienzgewinne melden, hinken KMU und der öffentliche Sektor weiter hinterher. Und die erhoffte Rendite binnen zwölf Monaten bleibt vielerorts Wunschdenken.

IBM-Report „The Race for ROI“ zeigt: 66 Prozent der EMEA-Unternehmen steigern Produktivität durch KI – doch der ROI bleibt ungleich verteilt.(Bild:  IBM)
IBM-Report „The Race for ROI“ zeigt: 66 Prozent der EMEA-Unternehmen steigern Produktivität durch KI – doch der ROI bleibt ungleich verteilt.
(Bild: IBM)

Künstliche Intelligenz ist für viele Unternehmen längst mehr als ein Experiment. Laut der aktuellen IBM-Studie „The Race for ROI“, die in Zusammenarbeit mit Censuswide unter 3.500 Führungskräften in zehn EMEA-Ländern entstanden ist, berichten 62 Prozent der deutschen und 66 Prozent der europäischen Firmen von spürbaren Produktivitätssteigerungen durch KI-Technologien.

Besonders stark profitieren Softwareentwicklung, Kundenservice und Account-Management. Knapp die Hälfte der befragten deutschen Führungskräfte erwartet zudem, ihre KI-Investitionen innerhalb eines Jahres wieder einzuspielen. IBM führt diese Erwartung auf höhere Mitarbeiterzufriedenheit, Zeitersparnis und Umsatzsteigerungen zurück – doch wie belastbar diese Prognosen sind, bleibt fraglich.

Der Report zeigt deutliche Unterschiede zwischen Unternehmensgrößen: 72 Prozent der Großunternehmen in Europa verzeichnen bereits Effizienzgewinne, bei kleinen und mittleren Unternehmen sind es nur 55 Prozent. Der öffentliche Sektor bleibt mit 55 Prozent im EMEA-Schnitt deutlich zurück – in Deutschland sogar nur rund 40 Prozent. Hemmnisse sind vor allem Budgetgrenzen, fehlende Fachkräfte und Sicherheitsbedenken.

Trotzdem herrscht Optimismus: 92 Prozent der europäischen Manager glauben, dass sogenannte agentische KI – also Systeme, die eigenständig Aufgaben planen und ausführen – innerhalb von zwei Jahren messbare Renditen bringt. Besonders die Branchen Banking, Energie und Telekommunikation gelten dabei als Vorreiter.

Doch der Weg zum ROI ist komplex. Laut IBM nennen zwei Drittel der Unternehmen Sicherheits- und Vertrauensprobleme als größte Hürde, weitere 65 Prozent kämpfen mit der Integration von KI in bestehende Systeme. Entsprechend hoch ist der Wunsch nach Offenheit und Kontrolle: 87 Prozent der Führungskräfte fordern Transparenz und Nachvollziehbarkeit, 85 Prozent eine flexible Anbieterwahl, 83 Prozent interoperable Systeme.

„Der wahre Wert von KI liegt in der strategischen Transformation“, sagt Rolf Löwisch, Head of AI bei IBM DACH. Genau diese Transformation will IBM mit fünf Handlungsfeldern beschleunigen:

  • 1. Etablieren Sie ein effektives Betriebsmodell für KI: Eine unternehmensweite, konsistente Struktur – beispielsweise ein föderiertes oder Hub-and-Spoke-Modell – mit klaren Verantwortlichkeiten ist entscheidend, um KI-Investitionen in messbare Ergebnisse umzusetzen
  • 2. Förderung von KI-Kompetenzen und Innovationskultur: KI wird in den kommenden Jahren Teil fast jeder Aktivität sein. Schulungen und eine innovationsfreundliche Kultur – vom Management bis zu den Mitarbeitenden – erleichtern die erfolgreiche Einführung neuer KI-Tools
  • 3. Lernen, mit Unsicherheit und Veränderung umzugehen: KI ist zunehmend in jede Interaktion und jedes System eingebettet. Unternehmen, die Offenheit für Veränderungen und eine Kultur kontinuierlicher Innovation fördern, werden im Zeitalter der allgegenwärtigen KI erfolgreicher sein
  • 4. Risiken beim Einsatz von KI verstehen und managen: Wie bei jeder Technologie müssen regulatorische, Reputations- und Betriebsrisiken sorgfältig gemanagt werden. Governance-Tools helfen, Risiken wie unbefugte Datennutzung oder unbeabsichtigte Verzerrung zu vermeiden
  • 5. Richten Sie ein unternehmensweites KI-Board ein: Dieses Gremium sollte ethische Richtlinien und Risikotoleranzen festlegen und riskante KI-Anwendungen vor der Implementierung prüfen. In Kombination mit einer höheren KI-Kompetenz wird dadurch die Autonomie einzelner Geschäftseinheiten gestärkt.

Denn erst wenn Technologie, Prozesse und Kultur zusammenspielen, entstehe der ROI, den viele bislang nur in Prognosen sehen.

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