KI-Modelle: Generalisten auf dem Abstellgleis? Gartner erwartet Siegeszug spezialisierter KI-Modelle bis 2027

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Unternehmen werden bis 2027 spezialisierte KI-Modelle dreimal häufiger einsetzen als breite LLMs, prognostiziert Gartner. Treiber sind Präzision, Effizienz und die Monetarisierung von proprietärem Wissen.

Auf dem Abstellgleis: Während generalistische Sprachmodelle an Präzision und Relevanz verlieren, gewinnen spezialisierte KI-Modelle zunehmend an Bedeutung – schlanker, effizienter und besser auf Geschäftsanforderungen zugeschnitten.(Bild:  KI-generiert)
Auf dem Abstellgleis: Während generalistische Sprachmodelle an Präzision und Relevanz verlieren, gewinnen spezialisierte KI-Modelle zunehmend an Bedeutung – schlanker, effizienter und besser auf Geschäftsanforderungen zugeschnitten.
(Bild: KI-generiert)

Laut einer Prognose des Marktforschungsunternehmens Gartner setzt sich in Unternehmen zunehmend die Einsicht durch, dass allgemeine LLMs wie ChatGPT oder Gemini zwar eine beeindruckende Bandbreite an sprachlichen Fähigkeiten bieten, bei spezifischen Aufgaben jedoch schnell an ihre Grenzen stoßen. Insbesondere in Bereichen, die ein tiefes Fachwissen oder eine starke Kontextsensitivität erfordern, sinkt die Antwortgenauigkeit der Generalisten spürbar.

Die Lösung? Kleine, fokussierte KI-Modelle, die auf spezifische Aufgaben oder Domänen trainiert sind. Diese Spezialisten liefern präzisere Antworten, reagieren schneller und benötigen im Vergleich zu ihren großen Geschwistern deutlich weniger Rechenressourcen. Das Ergebnis: niedrigere Betriebs- und Wartungskosten bei gleichzeitig höherer Qualität.

„Die Vielfalt an Aufgaben in Geschäftsprozessen und der Wunsch nach höherer Präzision führen dazu, dass Unternehmen zunehmend auf spezialisierte Modelle setzen, die für bestimmte Funktionen oder auf Grundlage domänenspezifischer Daten trainiert wurden“, erklärt Sumit Agarwal, VP Analyst bei Gartner.

Technologisch geschieht dies häufig über Finetuning bestehender Modelle oder den Einsatz von Retrieval-Augmented Generation (RAG), bei dem unternehmensspezifische Daten in die Antwortprozesse integriert werden.

Datenqualität als Schlüsselressource

So vielversprechend die Gartner-Prognose klingt, so wenig darf sie über die praktischen Herausforderungen hinwegtäuschen. Denn Finetuning und RAG-Methoden setzen eine Datenqualität voraus, die viele Unternehmen heute schlicht nicht bieten können. Fragmentierte Datensilos, uneinheitliche Formate und mangelnde Datenpflege blockieren in der Realität oft die Umsetzung spezialisierter Modelle.

Hinzu kommt: Wer viele kleine Modelle für unterschiedliche Anwendungsbereiche aufsetzt, schafft sich damit auch einen erheblichen organisatorischen Overhead. Modell-Updates, Monitoring, Retraining und Compliance-Management müssen künftig für eine Vielzahl spezialisierter KI-Systeme koordiniert werden – eine Mammutaufgabe, die neue Skills und Strukturen erfordert.

Schließlich bleibt die Frage nach der Monetarisierung eigener Modelle. Gartner sieht in der Vermarktung proprietärer KI-Lösungen eine neue Einnahmequelle für Unternehmen: „Da Unternehmen den Wert ihrer internen Daten und der daraus gewonnenen Erkenntnisse zunehmend wertschätzen, ist zu erwarten, dass sie beginnen werden, ihre Modelle zu monetarisieren – und sie nicht nur intern zu nutzen, sondern auch Kunden und sogar Wettbewerbern zugänglich zu machen“, so Agarwal weiter. „Dies markiert einen Wandel von einem bislang stark schützenden Umgang mit Wissen hin zu einer offeneren, kooperativen Nutzung von Daten und Know-how.“

In der Praxis könnte dieses Potenzial allerdings vor allem großen Playern vorbehalten bleiben, die über die nötigen Ressourcen und Vertriebsstrukturen verfügen. Für viele mittelständische Unternehmen dürfte das ambitionierte Ziel, eigene Modelle am Markt zu platzieren, eher schwierig sein.

Erfolgskritische Hebel: Datenkompetenz und Pilotprojekte

Um das Potenzial spezialisierter KI-Modelle zu heben, sind Unternehmen laut Gartner gut beraten, einige zentrale Handlungsfelder konsequent anzugehen:

  • Pilotprojekte mit kontextualisierten Modellen: Setzen Sie kleine, spezialisierte Modelle gezielt in Bereichen ein, in denen Fachwissen entscheidend ist oder in denen allgemeine LLMs hinsichtlich Antwortqualität oder -geschwindigkeit nicht überzeugen konnten.
  • Kombinierte Ansätze: Identifizieren Sie Anwendungsfälle, in denen ein einzelnes Modell nicht ausreicht, und setzen Sie stattdessen auf ein Zusammenspiel mehrerer Modelle und Prozessschritte.
  • Datenqualität und Kompetenzen: Investieren Sie in die gezielte Aufbereitung von Daten – durch Sammlung, Kuratierung und Organisation – um die Grundlage für ein erfolgreiches Fine-Tuning zu schaffen. Gleichzeitig sollten Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen wie KI- und Datenarchitektur, Data Science, Daten- und KI-Engineering, Risiko- und Compliance-Management, Einkauf sowie Fachabteilungen gezielt weitergebildet werden, um diese Initiativen effektiv voranzutreiben.

Fazit: Wer jetzt auf Spezialisten setzt, gewinnt

Spezialisierte KI-Modelle sind kein Trend am Horizont – sie sind eine notwendige Evolution im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Unternehmen, die rechtzeitig in hochwertige Daten, modulare KI-Architekturen und entsprechende Fachkompetenzen investieren, könnten sich entscheidende Vorteile in Geschwindigkeit, Qualität und Effizienz sichern.

Doch klar ist auch: Ohne saubere Daten bleibt selbst die beste KI ein Irrlicht. Wer heute noch fragmentierte Datenlandschaften verwaltet, wird morgen nicht von smarter KI profitieren, sondern von der eigenen Komplexität ausgebremst.

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