Agenten, Infrastruktur, Effizienz So definieren Small-Language-Modelle die KI-Strategie neu

Von Kevin Cochrane* 5 min Lesedauer

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KI-Modelle entwickeln sich rasant weiter. Die nächste Generation ist modular – und braucht die passende IT-Infrastruktur. Open-Source-Innovationen und agentenbasierte Frameworks eröffnen Unternehmen dabei neue Spielräume.

Modularität und Effizienz: Die Zukunft der KI-Strategie liegt bei Smart Language Models und Cloud-Infrastruktur.(Bild: ©  Moya - stock.adobe.com)
Modularität und Effizienz: Die Zukunft der KI-Strategie liegt bei Smart Language Models und Cloud-Infrastruktur.
(Bild: © Moya - stock.adobe.com)

Frontier-Großsprachenmodelle (LLMs) wie GPT-4, Gemini und Claude beeindrucken mit ihren generativen Fähigkeiten, doch ihr immenser Rechenbedarf, hohe Kosten und Sicherheitsrisiken machen sie für viele Unternehmen unpraktikabel.

Die Einschränkungen und die Komplexität dieser Modelle haben den Weg geebnet für Open-Source-Alternativen wie LLaMA von Meta, Granite von IBM und Falcon 180B von TII. Diese Open-Source-Modelle demokratisieren den Zugang zu KI und geben Entwicklern die Möglichkeit, mit spezialisierten Anwendungen zu experimentieren, ohne sich an kostspielige Allzwecklösungen binden zu müssen.

Kleinere Modelle, größere Wirkung

Kleine Sprachmodelle (Small Language Models, SLMs), die auf unternehmensspezifischen Daten trainiert werden, entwickeln sich schnell zum Rückgrat von KI-gesteuerten Unternehmen. Sie treiben intelligente Agenten an, die Arbeitsabläufe automatisieren, die Entscheidungsfindung verbessern und die Zufriedenheit der Nutzer steigern. Im Gegensatz zu monolithischen LLMs sind SLMs auf Präzision ausgelegt und bewältigen gut definierte Aufgaben effizient. Diese spezialisierten Open-Source-Modelle können vor Ort oder in privaten Cloud-Umgebungen eingesetzt werden.

Open-Source-Sprachmodelle senkten die KI-Eintrittsbarriere. Laut einer Erhebung von Gartner haben die Hälfte der Unternehmen im vergangenen Jahr aktiv SLMs im Milliarden- bis zehn Milliarden Parameterbereich in Betracht gezogen. Forrester prognostiziert für dieses Jahr einen Anstieg der SLM-Einführungen um mehr als 60 Prozent.

Die Deepseek-Disruption

Ein Durchbruch in dem Bereich agentischer KI ist dem Unternehmen Deepseek mit dem R1-Modell gelungen. Es bietet eine nahezu konkurrenzlose Leistung auf einer kosteneffizienten, offenen Infrastruktur. Das Modell verwendet eine Kombination aus Chain-of-Thought-Schlussfolgerungen, Reinforcement Learning und Modelldestillation, um Agenten zu erstellen, die genauer, transparenter und zugänglicher sind als frühere offene LLMs.

Inzwischen häufen sich allerdings Schlagzeilen über viel höhere tatsächliche Kosten, Sicherheits- und Datenschutzbedenken, Diebstahl von geistigem Eigentum und Datenschutzverletzungen. Trotzdem hat Deepseek durch die Beseitigung finanzieller und technischer Hindernisse eine Debatte über die Zukunft der KI ausgelöst, die die Dominanz der großen Technologieunternehmen in Frage stellt, die Kosten für die Modellentwicklung senkt und den Zugang zu KI weiter demokratisiert.

Vorteile der SLMs

Für Unternehmen bieten SLMs einige wesentliche Vorteile. Zum einen wurden diese entwickelt, um gezielte, domänenspezifische Aufgaben effizient zu lösen, ohne den hohen Rechenaufwand größerer Modelle. Im Vergleich zu herkömmlichen LLMs sind SLMs kompakter und ressourcenschonender. Unternehmen, die KI ohne teure Infrastruktur oder Cloud-Dienste implementieren möchten, profitieren daher von einem deutlichen Effizienzgewinn: SLMs lassen sich für spezialisierte Anwendungen mit einem Bruchteil der Kosten großer, allgemeiner Modelle einsetzen.

Zum anderen werden sie mithilfe spezialisierter Datensätze trainiert, wodurch sie relevantere und präzisere Ergebnisse in bestimmten Branchen oder Geschäftsbereichen liefern. Im Gesundheitswesen beispielsweise können SLMs die klinische Dokumentation automatisieren oder bei der Entscheidungsfindung helfen und gleichzeitig die Einhaltung von Vorschriften bei geringerem Ressourceneinsatz sicherstellen. Im Finanzwesen können SLMs Transaktionsmuster analysieren, um Betrug zu erkennen, und sich dabei auf die für das Unternehmen wichtigsten Datentypen konzentrieren. Die zielgerichtete Natur dieser Modelle ermöglicht es Unternehmen, Präzision und Leistung ohne die übermäßigen Infrastrukturkosten zu erreichen, die typischerweise mit LLMs für allgemeine Zwecke verbunden sind.

Schnelleres und flexibleres Deployment

Da SLMs kleiner und spezialisierter sind, lassen sie sich schneller implementieren als größere Modelle. Dies ermöglicht Unternehmen einen agilen KI-Einführungsprozess mit kurzen Iterationszyklen. Dank ihrer breiten Verfügbarkeit können Open-Source-SLMs zudem gezielt auf spezifische Anforderungen abgestimmt werden.

Die Möglichkeit, KI-Modelle in Umgebungen mit begrenzten Ressourcen einzusetzen, ist ein großer Vorteil von SLMs. Das gilt insbesondere für Branchen mit strengen Datenschutzbestimmungen und Unternehmen, die KI-Modelle lokal, in der Private Cloud oder On-Premises einsetzen wollen.

Kleinere Modelle bieten gerade im Umgang mit sensiblen Daten entscheidende Vorteile in puncto Datenschutz und Sicherheit. Da SLMs häufig lokal oder in Private-Cloud-Umgebungen betrieben werden, sind sie weniger anfällig für die Datenschutzrisiken, die mit größeren, extern gehosteten LLMs einhergehen.

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Innovationen durch Open-Source-Kooperationen

Die Open-Source-Bewegung im Bereich der KI hat wesentlich zum Aufstieg von SLMs beigetragen. Entwickler können experimentieren, iterieren und gemeinsam an der Entwicklung kleinerer, effizienterer Modelle arbeiten, ohne die Einschränkungen, die proprietäre Lösungen mit sich bringen. Der Open-Source-Charakter fördert ein Ökosystem, in dem Wissen, dass Code und Daten gemeinsam genutzt werden, was Innovation beschleunigt.

Agenten-KI vorantreiben

Da moderne KI-Modelle Billionen von Parametern umfassen, wird ihre Skalierung zunehmend unpraktikabel – gerade agentenbasierte Frameworks, erfordern domänenspezifisches Fachwissen um Antworten in Echtzeit zu liefern. In solchen Systemen übernehmen LLMs die Aufgabenplanung und Kontextverarbeitung, während SLMs spezialisierte Teilaufgaben schnell und effektiv auszuführen.

Unternehmen können ihre KI-Agenten mit einem Netzwerk schlanker, spezifischer Modelle ausstatten, die autonom oder im Zusammenspiel mit Kernsystemen arbeiten – etwa zur Informationsbeschaffung, Prozessautomatisierung oder Entscheidungsunterstützung. Wer heute gezielt in ein eigenes SLM-Portfolio investiert, schafft die Grundlage für intelligente, anpassungsfähige Agenten-KI, die sich eng an realen Geschäftsanforderungen orientiert.

Best-Practice-Strategien für den KI-Erfolg

Ob leistungsstarke LLMs oder spezialisierte SLMs – Open-Source-KI eröffnet Unternehmen neue Spielräume. Sie ermöglicht es, verschiedene Modelle zu kombinieren und maßgeschneiderte KI-Stacks aufzubauen, die genau auf ihre Geschäftsanforderungen zugeschnitten sind – und dabei kosteneffizient bleiben. Für eine erfolgreiche Umsetzung sollten Unternehmen folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Priorisierung des SLM-Portfolios,
  • Einführung von Plattform-Engineering für produktionsreife KI-Inferenz,
  • globale Skalierbarkeit durch Edge-Deployment,
  • konsequente Optimierung der Infrastruktur,
  • langfristige Budgetplanung mit Pay-as-you-scale-Optionen.

Die Zukunft der KI ist spezialisiert, skalierbar und strategisch

Die Ära der monolithischen LLMs ist vorbei. Die Zukunft gehört kleineren, spezialisierten KI-Modellen, die eine höhere Präzision, Skalierbarkeit und Kosteneffizienz bieten. Mit einer global vernetzten Cloud-Infrastruktur stellen Unternehmen wie Vultr die Basis für eine neue Generation spezialisierter KI-Anwendungen bereit – von der Entwicklung bis zum produktiven Einsatz. Für Unternehmen wird KI so von einem kostspieligen Experiment zu einem Wettbewerbsvorteil, der die Effizienz, Automatisierung und Innovation vorantreibt.


* Der Autor Kevin Cochrane ist seit über 25 Jahren im digitalen Marketing tätig. 1996 war er Mitbegründer von Interwoven und Co-Erfinder von TeamSite, womit er den Markt für Web Content Management (WCM) prägte. Später förderte er bei Alfresco die Nutzung von Open-Source-ECM in globalen Unternehmen. Als CMO von Day Software trieb er den Wandel von WCM zu Web-Experience-Management voran, verkaufte das Unternehmen an Adobe und bereitete den Weg für die Adobe Marketing Cloud. Zuletzt arbeitete er an der Entwicklung von Digital Experience Platforms (DXPs) und MACH-basierten digitalen Stacks. Heute stärkt er bei Vultr die globale Marke für unabhängige Cloud-Infrastrukturen.

Bildquelle: Vultr

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