Kommentar von Tom Becker, Alteryx

Die Geospatiale Analyse erlebt ein Comeback

| Autor / Redakteur: Tom Becker / Nico Litzel

Der Autor: Tom Becker ist Direktor DACH bei Alteryx
Der Autor: Tom Becker ist Direktor DACH bei Alteryx (Bild: Alteryx)

Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) und Big Data können helfen, aus räumlichen und zeitlichen Daten vollkommen neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Das zeigen erste Beispiele aus unterschiedlichen Branchen.

Wie immer bei neuen Technologien ist es auch beim IoT unmöglich, genau vorherzusagen, welcher Wert zukünftig in Deutschland im Internet of Things stecken wird. Das Marktforschungsunternehmen Gartner schätzt, dass IoT immer noch fünf bis zehn Jahre brauchen wird, bis es grundlegend zur industriellen Wertschöpfung beiträgt. Doch es dürfte kaum eine Übertreibung sein, zu behaupten, dass das Thema in naher Zukunft auch weiterhin an Fahrt gewinnen wird.

Das IoT birgt unendliche Möglichkeiten und es gibt viele Treiber des Trends, durch vernetzte Objekte das Leben der Menschen zu verbessern, Kosten zu senken und das Wirtschaftswachstum anzutreiben. Zwar wird das IoT im Technologiesektor schon einige Jahre heiß diskutiert. Erst in diesem Jahr aber werden Datenanalysten über das bloße Sammeln von Daten, die von den vernetzten Geräten erzeugt werden, hinausgehen und damit beginnen, diverse Datenquellen zum Zweck einer tiefergehenden Analyse zu kombinieren.

Lokalisierungsfunktionen auf dem Vormarsch

Nach Angaben eines führenden Marktforschers nutzen bisher nur 23 Prozent der Organisationen intelligente Lokalisierungsfunktionen für ihre Geschäftsentscheidungen. Durch die fallenden Kosten für Halbleiter und mit dem Aufkommen analytischer Selbstbedienungs-Plattformen wird sich das in diesem Jahr dramatisch ändern.

Für viele Unternehmen wird es zum kritischen Erfolgsfaktor, herauszufinden, wie Schlüsselvariablen an einem bestimmten räumlichen Ort miteinander wechselwirken. Da Konsumenten in diesem Jahr beim Einkaufen noch selbstverständlicher fließend zwischen mobilem Endgerät, Laptop und Laden hin- und herwechseln, stehen Einzelhändler unter großem Wettbewerbsdruck – und Datenanalyse entscheidet über ihre Differenzierung am Markt.

Der Einzelhandel ist Vorreiter

Der Einzelhandel ist bisher beim Einsatz von Big Data vorgeprescht. Indem die Branche Informationen aus der Datenanalyse nutzte, konnte sie die Effizienz der Lieferkette gravierend verbessern und ihre Umsätze steigern. Das hat ihr geholfen, in den vergangenen Jahren die Auswirkungen der zurückliegenden Rezession abzumildern und so die Gesamtwirtschaft zu stützen.

Viele große Einzelhandelsunternehmen beschäftigen Analysten, die wachsam demografische Änderungen, die Umsatzprognosen ihrer einzelnen Läden und andere Metriken beobachten. Dabei führen diejenigen Einzelhandelsunternehmen, die schon begonnen haben, über geospatiale Daten im neuen Zeitalter der vernetzten Dinge nachzudenken. Möglicherweise verwenden sie bereits Daten über die nähere Umgebung des nächsten Ladens dazu, zum Beispiel das Kundenerlebnis zu verbessern und für jeden individuellen Kunden genau zuzuschneiden.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten für Einzelhändler, um vernetzte Geräte wie Beacons auszuprobieren, um so zu verstehen, wo im Laden ihre Besucher am meisten Zeit verbringen, und welche Produkte sie sich am längsten ansehen. Alle diese Daten sind ohne Analyse nutzlos. Mit dem durch die Analyse gewonnenen Wissen können die Manager der Läden ihre Produkte neu auf der Verkaufsfläche anordnen und ihre Metriken später nach ihren Wünschen und anhand von Daten aus der Echtzeitanalyse optimieren.

Das sollten IT-Verantwortliche wissen

Beacons und das IoT

Das sollten IT-Verantwortliche wissen

07.12.15 - Beacons, Big Data und das Internet der Dinge hängen stark zusammen. Neben Analysen, Berichten und Informationen können Unternehmen mit Beacons und Geräten auf Basis des Internets der Dinge auch Aktionen messen und durchführen lassen, zum Beispiel Besucher bei Veranstaltungen leiten, personalisierte Informationen zur Verfügung stellen und Bewegungsprofile sammeln. lesen

Geospatiale Daten in der Logistik- und Transportbranche

Auch die Logistik- und Transportbranche nutzt in diesem Jahr verstärkt geospatiale Daten: Immer mehr Fahrzeuge werden vernetzt, öffentliche Verkehrssysteme in der ganzen Welt stärker automatisiert. Heute werden bereits in vielen Ländern autonome und vernetzte Fahrzeuge entwickelt und auf der Straße getestet.

Was bedeutet das für die Datenanalyse? Vernetzte und autonome Fahrzeuge erzeugen gigantische Datenmengen, die von den Dateneigentümern sogar zu Geld gemacht werden können. Hier entsteht eine neue Möglichkeit für Technologieunternehmen und Versicher, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Die Vorteile der Analyse geospatialer Daten werden sich ab diesem Jahr deutlich zeigen, besonders in Bereichen, von denen man das zunächst nicht annimmt. Beispielsweise nutzt der Gesundheitsdienstleister Cardinal Health die Analyse von Lokalisationsdaten, um festzulegen, wo Produktionsstätten für spezifische, zeitsensitive Pharmazeutika gebaut werden. Diese Fabriken stellen Mittel zur Krebsdiagnose her, die nur sechs Stunden haltbar sind, es ist also kritisch, dass sie ausreichend nah am Verbrauchsort hergestellt werden.

In größerem Maßstab betrachtet, werden Gesundheitsorganisationen anhand der Analyse räumlicher und zeitlicher Daten die Ausbreitung von Krankheiten im Zeitverlauf prognostizieren und sich so angemessen auf mögliche Epidemien vorbereiten können, schon bevor sie auftreten – aggressiver als je zuvor.

Mit Daten zu neuen Dienstleistungen

In vielerlei Hinsicht verwandeln sich Daten also inzwischen von einem Kosten- in einen umsatzerzeugenden Faktor. Viele Organisationen beginnen, diese IoT-Daten zu sammeln, um mit ihrer Hilfe ihren Kunden neuartige Dienstleistungen anzubieten und sich vom Wettbewerb zu differenzieren.

In den USA hat John Deere, der Hersteller der charakteristischen grünen Traktoren, die von landwirtschaftlichen Betrieben in vielen Ländern der Welt eingesetzt werden, sich im Kern in ein Big-Data-Unternehmen verwandelt. Indem von den Traktoren gesammelte Daten korreliert werden, hat das Unternehmen seine Produkte in intelligente Maschinen verwandelt, die die Wertschöpfung ihrer Nutzer erhöhen.

IoT-Analysen unterscheiden John Deeres Geräte von denen der Wettbewerber. Sie verbessern Service und Wartung. Durch Automatisierung können diese Maschinen, basierend auf dem Bodentyp und der angebauten Feldfrucht, zudem diverse Methoden und Verfahrensweisen empfehlen. Es lohnt sich also, 2016 daran zu denken, dass Big Data und Analytics nicht nur dabei helfen können, das bestehende Geschäft zu transformieren, sondern vollkommen neue Umsatzquellen und Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 44037469 / Analytics)