Kommentar von Tom Becker, Alteryx

Datenanalyse muss Chefsache werden

| Autor / Redakteur: Tom Becker / Nico Litzel

Der Autor: Tom Becker ist General Manager Central & Eastern Europe bei Alteryx
Der Autor: Tom Becker ist General Manager Central & Eastern Europe bei Alteryx (Bild: Alteryx)

Drei von vier Chefs sagen, dass sie ohne einen Data Scientist die Ergebnisse von Big Data nicht verstehen. Das fand eine weltweite Umfrage von Vanson Bourne unter mehr als eintausend IT-Führungskräften heraus. „Verschwendetes Potenzial!“ mag so manch einer denken. Aber Hand aufs Herz: In welchem Unternehmen ist Datenanalyse wirklich Chefsache? Höchste Zeit für ein Plädoyer für den Ausbau der Kompetenzen in Sachen Datenanalyse.

Im täglichen Kampf um Marktanteile und neue Geschäftsmodelle kommen Unternehmen nicht mehr drum herum: Big Data und Datenanalyse entwickeln sich immer mehr zu einer tragenden Säule im Tagesgeschäft – und gleichzeitig auch zu einem Nadelöhr in der Chefetage. Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Vanson Bourne untersuchte, wie es um Data-Science-Fähigkeiten von Geschäftsführern steht und fand heraus: Nur ein Viertel der Chefs verstehen ohne die Hilfe von Data Scientists ihre eigenen Daten. Die Marktforscher befragten mehr als eintausend IT-Führungskräfte sowie Tech-Manager von 260 globalen Unternehmen im privaten und öffentlichen Sektor.

Die Ergebnisse sind relativ ernüchternd: 74 Prozent der Befragten gaben an, dass das Thema in ihrem eigenen Unternehmen hochkomplex ist und eines der größten Probleme, dass nicht alle Mitarbeiter Datenanalyse verstehen (42 Prozent).

Weiterhin brauchen knapp 80 Prozent einfach bessere und validierte Daten, um arbeiten zu können. Das zeigt die große Baustelle, die Big Data und Datenanalyse für viele Unternehmen noch bedeutet.

Datenanalyse ist vor allem Chefsache

Wie so oft kommt es auf Vorbilder an. Wenn der Chef oder die Chefin Datenanalyse nicht verstehen, hemmt das die Mitarbeiter ebenfalls und macht die Führungsriege im schlimmsten Fall abhängig von anderen – obwohl sie ja die Verantwortung tragen. Vielen Verantwortlichen erscheint das große Thema Big Data wie ein Buch mit sieben Siegeln: Einerseits weil die Technologie erst in den letzten Jahren ihren Platz in Unternehmen gefunden hat, andererseits weil sich der Mythos ausdauernd hält, dass Datenanalyse nur etwas für Coding-Gurus und Daten-Zauberer ist.

Tief innen wissen sie aber: Die besten und wertvollsten Datensätze nutzen leider niemandem etwas, wenn sie nicht ausgewertet werden können. Hierzu braucht man vor allem technisches Know-how, sollte sich mit Wahrscheinlichkeiten und Algorithmen auskennen und ebenso verständliche Grafiken erstellen können. Das sind recht viele verschiedene Kompetenzen auf einmal vereint, doch lohnt es sich, den langen Weg zum Datenexperten zu beschreiten – vor allem als Führungskraft.

Mal angenommen, ein Manager hätte nie zuvor mit Tabellenkalkulation gearbeitet und soll dann nach einem 45-minütigen Meeting die Umsatzziele oder Quartalszahlen verstehen und bestätigen. Zur Zeit ist dies hinsichtlich Data Science der Fall, bloß nehmen die wenigsten das so wahr, weil Excel, Google Tables und Co schon so fest in ihrem Arbeitsalltag integriert sind, dass sie als selbstverständlich angesehen werden. Genau dorthin muss Datenanalyse und der Umgang mit Big Data auch kommen. Nur – wie schafft man das? Braucht man dafür nicht Jahre, um einen halbwegs vernünftigen Analysebericht zusammenzubauen?

Viele kleine Schritte für den Chef, aber ein großer Schritt für das Unternehmen

Wer sich nun denkt, dass Datenanalyse zu erlernen der Besteigung des Mount Everest gleichkommt, der hat recht – ja, es ist ein langer und beschwerlicher Weg. Aber wer auch immer den höchsten Berg der Erde bezwungen hat, begann auch mit einem einzigen Schritt und hat weitergemacht. Der erste und vielleicht sogar wichtigste Schritt besteht darin, die Relevanz der Thematik zu erkennen und sie unternehmensweit auf die Agenda zu setzen. Es muss angesprochen und kontinuierlich darauf hingearbeitet werden, dass das eigene Unternehmen Datenanalyse auf der Prioritätenliste nach ganz oben setzt.

Als nächstes kommt der Fleißteil: Data Science kann man erst seit relativ kurzer Zeit als Studiengang belegen, wie zum Beispiel als Masterkurs an der Universität Mannheim. Studierende brauchen aber schon fundierte Kenntnisse in Statistik, Programmiersprachen und Mathematik. Ansonsten sind formale Ausbildungswege aber eher rar gesät. Der Beruf besteht ohnehin aus interdisziplinären Fähigkeiten und Kenntnissen, weswegen er zum Quereinstieg einlädt. Wer diese also schon vorweist, kann sich mit Hilfe von Onlinekurse weiterbilden. Firmen wie Udacity oder edX bieten hier verschieden herausfordernde Kurse an, um Datenanalyse zu lernen.

Weitere Maßnahmen, um sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, können z. B. sein, dass Führungskräfte öfter mit dem Data Science Team zusammenarbeiten oder sich mit Ihnen das Büro teilen. So lernen sie automatisch schon viel über die Abläufe sowie Probleme und sind gleichzeitig der beste Ansprechpartner, um diese zu lösen.

Self Service – Hilfe zur Selbsthilfe

Ein weiterer wichtiger Punkt sind Self Service Tools. Diese Sparte an Unternehmenssoftware bietet quasi Hilfe zur Selbsthilfe: Die Software ist verständlich aufgebaut und bietet vorkonfigurierte Analyse-Workflows, die mit ein wenig Übung den Großteil der anfallenden Untersuchungsfälle analysieren können. Selbst einfügen muss man nur noch die richtigen Daten und den Rest erledigt das Programm. Das kann viel Zeit sparen, denn so können sich die Data-Science-Aspiranten wirklich auf die Auswertung konzentrieren und müssen nicht die Materie von Grund auf neu erlernen – frei nach dem Motto „man muss kein KFZ-Mechaniker sein, um Auto zu fahren“.

Für alle, die mit dem Thema gerade anfangen oder wissen, dass es dafür höchste Zeit ist: Sie müssen den Schritt wagen. Es wird sich immens lohnen. Der Druck, fähige Data Scientists einzustellen oder externe Anbieter zu beauftragen, steigt stetig und verschärft sich in kommender Zeit sogar. Deshalb ist es wichtig, das Steuer selbst in die Hand zu nehmen und das zu lernen, was die Zukunft maßgeblich mitbestimmen wird. Sonst geraten Geschäftsführer und Geschäftsführerinnen in unbekannte Gewässer, in denen sie nicht mehr selbst der Steuermann und die Steuerfrau ihres Unternehmens sind. Oder um es mit den Worten des US-Physikers und Management-Vordenkers William Edward Deming auszudrücken: „Ohne genaue Daten sind Sie nur eine weitere Person mit einer Meinung.“

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