Das Internet of Things (IoT) setzt seinen Siegeszug weiter fort. Wir haben Branchenexperten nach ihrer Einschätzung gefragt, welche Themen 2022 hier wichtig werden.
Lutz Feldmann, Regional Channel Manager Euro-Central, von Markforged
Lutz Feldmann
(Bild: Markforged)
„Das Internet der Dinge und additive Fertigungsverfahren mögen auf den ersten Blick nicht zwingend zusammen gehören. Während das IoT Maschinen mit dem Internet und miteinander verknüpft, bietet die additive Fertigung die Möglichkeit, Bauteile bei Bedarf direkt vor Ort zu drucken. Doch es gibt bereits die Technologie, um diese beiden IT-Trends im Bereich des 3D-Drucks zu vereinen. Durch die Anbindung von 3D-Druckern an die Cloud – und somit an das Internet – können etwa CAD-Dateien direkt aus der Cloud heruntergeladen oder Drucker über verschiedene Standorte hinweg bedient werden. Auch ermöglicht die Anbindung an die Cloud ständige Software-Updates. Das ist beispielsweise bei der Feinkalibrierung der Drucker, welche klassischerweise eine manuelle Aufgabe mit zahlreichen Probeläufen darstellt, ein erheblicher Vorteil. Der gesamte Druckprozess kann somit mithilfe von Metadaten aus der Produktion analysiert und langfristig verbessert werden. Anstatt in ressourcenintensiver Handarbeit ist Machine Learning ideal, um Druckprozesse dank IoT flottenübergreifend zu optimieren. Auffällige Muster, die zu fehlerhaften Druckergebnissen führen, werden erkannt und Unternehmen in die Lage versetzt, ihre vernetzten 3D-Drucker automatisch zu justieren.”
Andreas Booke, Gründer und Geschäftsführer des Smart-Grid-Unternehmens gridX
Andreas Booke
(Bild: gridX)
„Der Energiesektor wird immer komplexer, immer mehr dezentrale Erzeuger erneuerbarer Energien müssen in das Stromnetz integriert werden und zunehmend werden auch Mobilität und Wärme elektrifiziert. Das IoT wird einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leisten, indem es die Vielzahl an Erzeugern und Konsumenten in ein Smart Grid integriert. Dabei wird sich das IoT zukünftig von der einfachen Konnektivität und Überwachung einzelner Geräte zu semantischen Gruppierungen, mehrstufigen Hierarchien, intelligenten Märkten und Gemeinschaften entwickeln. Integrierte Sicherheit sowie die Fähigkeit, eine Vielzahl von Geräten und Technologien zu unterstützen, sind dafür wesentlich.”
„Detaillierte Bewegungsanalysen und individuelle Verbesserungsvorschläge sind das A und O, um passgenaue Produkte herzustellen. Das IoT wird dabei künftig noch viel stärker zum Einsatz kommen, denn ob im Amateur- oder Profisport geht, um HealthTech oder sogar den E-Commerce – das Bewusstsein für an den persönlichen Bedarf angepasste Produkte steigt stetig. Und dafür braucht es miteinander vernetzte Sensoren, die auf Basis KI-gestützter Algorithmen und in der Cloud gespeicherter Bewegungsdaten vieler anderer Testpersonen (Big Data) individuelle Lösungen ermöglichen.”
Dr. Sebastian Heger, Solution Specialist bei Tresmo
Dr. Sebastian Heger
(Bild: Tresmo)
„Im Jahr 2022 wird IoT breitentauglich werden und sich in den Produktportfolios des deutschen Mittelstands ausbreiten. Die Technologie sowie die damit verbundenen Möglichkeiten sind nicht mehr nur den großen Konzernen vorbehalten. Auch mittlere Unternehmen werden mittels IoT ihre bestehenden Produkte digital attraktiver gestalten und neue Monetarisierungsstrategien realisieren. Zudem werden digitale Ökosysteme entstehen, in denen menschliche Akteure und Maschinen miteinander interagieren. Durch diese Vernetzung ergeben sich neue Chancen zur Entwicklung innovativer Lösungsansätze.”
„IoT-Ökosysteme bieten zwar viele unverzichtbare Vorteile für eine Reihe von industriellen Anwendungen, bieten aber gerade deshalb auch eine Angriffsfläche für Zugriffe von Außen, die potenziell unwiderrufliche Schäden verursachen können. Infolgedessen sollte sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf die Sicherheit von Netzwerkeinrichtungen und strengere Geräterichtlinien verlagern.
Wenn eine Sicherheitslücke in einer IoT-Umgebung auftritt, können nicht nur Geräte missbraucht werden. Cyberkriminelle können auch Daten sabotieren, die physische Aktionen auslösen, was wiederum Schäden in der realen Welt anrichten kann. Da IoT-Implementierungen immer größer und komplexer werden, werden sich Unternehmen vermehrt mit Private Networks befassen müssen.”
„Das Thema Luftqualität wird uns auch im Jahr 2022 und darüber hinaus stärker begleiten, als es vor COVID-19 der Fall war. Während die Gesellschaft aktuell auch durch die Lieferengpässe nahezu jedes luftreinigende Gerät nehmen, das sie kriegen kann, wird auf längere Sicht das Thema vernetzte Luftqualität wichtiger. Heißt: Die Geräte werden, ob eingebaut oder aufgestellt, mit der Gebäude- oder Büroinfrastruktur verbunden, können über Meetingpläne automatisiert gesteuert werden und Informationen zur Luftqualität teilen.”
„Die Pandemie hat nicht nur gezeigt, dass das Homeoffice flächendeckend möglich ist, sondern auch die Arbeitswelt nachträglich verändert. Unternehmen auf der ganzen Welt prüfen nun, wie sich neue Arbeitsmodelle mit der eigenen Unternehmenskultur und dem Geschäftsmodell verbinden lassen. Transformation gelingt jedoch nur, wenn man sich die fundamentalen Fragen zur eigenen Produktivität, Effizienz, Zufriedenheit und der Motivation stellt – und genau hier wird klar, dass eine „One Size fits All“-Lösung schnell an ihre Grenzen stößt, wenn es darum geht, die entsprechenden Ziele zu erreichen. Ein wichtiger Schritt dafür ist das Verständnis über die Bedürfnisse der Mitarbeitenden und wie sie die Räume nutzen. Datenbasierte Workplace-Analytics-Lösungen können genau diese Wissenslücken um die Nutzung der Räume zu schließen. Wenn Führungskräfte verstehen, wie ihre Räume durch ihre Mitarbeitenden genutzt werden, lassen sich weichenstellende Entscheidungen für Effizienz, Zufriedenheit, etc. treffen. Durch die Datennutzung ergibt sich eine validere Entscheidungsgrundlage, die bisher ja eher auf Intuition beruhte. Viele Unternehmen werden sich jedoch im War for Talents, im verantwortungsvollen Umgang mit der pandemischen Lage oder den neuen Umweltauflagen für eine nachhaltige Gebäudebewirtschaftung nicht mehr leisten können, Entscheidungen ohne eine klare Datengrundlage zu treffen.”
Stand: 08.12.2025
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