Eine Studie zeigt unter anderem, dass China und USA ihren Vorsprung vor der DACH-Region weiter ausbauen, wenn es um Industrie 4.0 geht – und zwar bei allen relevanten Kriterien.
Die Management- und IT-Beratung MHP hat zusammen mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) aus München das neueste Industrie-4.0-Barometer erarbeitet. Die Ergebnisse zeigen grob gesagt, dass sich die DACH-Region bei der Digitalisierung etwas mehr anstrengen sollte ...
(Bild: MHP)
Weltweit steigt der Digitalisierungsgrad in der Industrie an, wie dem Wert des neuesten MHP-Industrie-4.0-Barometers zu entnehmen ist. Allerdings gehe es nicht mehr so schnell voran wie früher. China und die USA bauen ihren Vorsprung mit Blick auf die DACH-Region weiter aus, wie sich zeigt. Und speziell im deutschsprachigen Raum hemmten Fachkräftemangel und Altsysteme den Ausbau einer datengetriebenen Produktion. Das ist die grundlegende Aussage des Industrie-4.0-Barometers 2025, das die Management- und IT-Beratung MHP mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) aus München erstellt hat. Befragt wurden 823 Personen aus Industrieunternehmen in China, in den USA, in Deutschland, Österreich und in der Schweiz sowie in Großbritannien.
Die Studie erfasst dazu die Verbreitung und den Reifegrad von Industrie-4.0-Systemen, macht den Status quo zwischen den Ländern vergleichbar und offenbart die Entwicklungstrends seit 2018. Konkrete Handlungsempfehlungen und Erfolgsbeispiele aus Anwenderunternehmen sowie Interviews runden die Studie für Entscheider ab. Das Barometer gilt für die Unternehmen als Spiegel, der die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen aufzeigt. Sie können dann daraus entnehmen, was zu tun ist, um den Anschluss im internationalen Wettbewerb nicht zu verlieren.
Vormarsch von Industrie 4.0 läuft global langsamer ab
Besonders deutlich wird das diesmal beim digitalen Zwilling. Denn während in der DACH-Region noch 30 Prozent der Unternehmen vollständig auf digitale Abbilder verzichten, sind es in China nur fünf Prozent. Auch in anderen Bereichen (etwa Automatisierung und Datenanalyse) zeige sich ein erheblicher Rückstand. Vor allem bei der allgemeinen Datenstrategie und der Datenqualität hinkt die DACH-Region demnach hinterher. Unternehmen, die jetzt nicht aufholen würden, liefen also Gefahr, im internationalen Vergleich abgehängt zu werden.
Und zum Status quo von Industrie 4.0 zeigt das aktuelle Barometer einen Gesamtwert von 64 Prozent an. Zuletzt waren es 60 Prozent über alle untersuchten Themenbereiche hinweg. Dazu gehören Technologie, IT-Integration und Hemmnisse, wie es konkreter heißt. Im Vergleich zu den Vorjahren sei der Wert zwar deutlich höher, stieg aber langsamer als noch in den Vorjahren. Denn zwischen 2023 und 2024 gab es etwa einen Sprung von 50 auf 60 Prozent. Das bedeutet, dass auch international die Entwicklung von Technologien langsamer abläuft als früher.
So sieht die Realität in der digitalen Praxis aus
Ein Beispiel für den technologischen Vorsprung Chinas findet sich etwa im Zusammenhang mit fahrerlosen Transportsystemen (FTS), die dort in 59 Prozent der Industrieunternehmen die Intralogistik ganz oder teilweise übernehmen. In der DACH-Region sind es aber nur 35 Prozent, bei durchschnittlich 50 Prozent Nutzungsquote über alle untersuchten Länder hinweg. Ähnlich sieht es bei der Verbreitung des digitalen Zwillings aus! Denn 67 Prozent der befragten chinesischen Unternehmen setzen digitale Abbilder in ihren Produktionsstätten teilweise oder ganz ein. Demgegenüber liegt der Anteil im deutschsprachigen Raum bei lediglich 41 Prozent.
Vorteile der datengetriebenen Produktion werden erkannt
Obwohl in den letzten Jahren in fast allen Bereichen der Industrie 4.0 beachtliche Fortschritte erzielt worden seien, zeigten die neuesten Ergebnisse, dass sich die Datenanalysefähigkeiten im Vergleich langsamer steigerten. Diesen Fakt greift das diesjährige Fokusthema datengetriebene Produktion (Data Driven Production) auf. Dabei stellte man die Frage, wie Unternehmen ihre Datenbestände entlang der Wertschöpfungskette effektiv nutzen können, um ihre Produktion zu optimieren. International zeigt sich nun, dass die meisten einen datenbezogenen Wettbewerbsvorteil als klaren Vorteil erkennen. Denn 80 Prozent sehen tiefe Einblicke in die Kernprozesse als einen zentralen Mehrwert, 76 Prozent begrüßen die Möglichkeit, Entscheidungen schneller und zuverlässiger zu treffen und 74 Prozent freuen sich über eine gesteigerte Reaktionsfähigkeit mit Blick auf Marktveränderungen. Die Motivation zu verstärkter datengetriebener Produktion ist also offensichtlich vorhanden.
USA und China sind bei der Datennutzung vorn dabei
Zwar verfügen viele DACH-Unternehmen über Daten, nutzen diese jedoch nicht ausreichend, um datenbasierte Entscheidungen zu treffen oder Innovationen voranzutreiben, wie die Experten herausgefunden haben. Unter anderem fehle eine ganzheitliche Datenstrategie, die auf Zukunftstechnologien abziele (etwa KI und wieder der digitale Zwilling). US-amerikanische und chinesische Unternehmen sind hier fortschrittlicher, denn 91 Prozent der US-Unternehmen behandeln Daten als strategisches Asset. In China sind es 78 Prozent, aber nur 64 Prozent in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wichtige Aufgaben wie die Auflösung von Datensilos, die Ablösung von Altsystemen oder der Aufbau einer skalierbaren Dateninfrastruktur werden trotz guter Voraussetzung in den Unternehmen nämlich eher auf die lange Bank geschoben, anstatt sie entschlossen anzugehen, erklären die Experten.
Stand: 08.12.2025
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Digitalisierungsspitzenreiter werden besser gefördert
Deutliche regionale Unterschiede gebe es auch beim Reifegrad der Datenanalysefähigkeiten. Insbesondere die DACH-Region weist, wie es dazu heißt, einen signifikanten Rückstand auf. Während in den USA nämlich 78 Prozent der Befragten ihre Kompetenzen als der Konkurrenz überlegen einstufen, trifft das in der DACH-Region nur auf 61 Prozent zu, wie es genauer heißt. Die DACH-Region profitiere einfach nicht von innovationsfördernden Regulierungen und gezielten Investitionen. Sie und Großbritannien kämpfen dagegen weiterhin mit strukturellen Hemmnissen. Hinzu kommen veraltete IT-Infrastrukturen, der Fachkräftemangel und eine oft unzureichende Priorisierung durch das Management, so die Analysen. Besonders im Automobilsektor und in kleineren Unternehmen werden diese Mankos sichtbar.