Buchrezensionen zum Thema Big Data

Big Data – Alptraum ohne Regulierung?

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Jeder müsse zudem jederzeit wissen, was wo über ihn oder sie gespeichert ist und auch das Recht haben, seine Daten löschen zu lassen. Auch Hofstetter ist übrigens keine Feindin digitaler Technologien, sie fordert nur ihre Weiterentwicklung und Anwendung im Geiste der europäischen Aufklärung, der menschlichen Freiheit, Würde und der Menschenrechte. Ihr Buch hilft, den moralischen Kompass beim Umgang mit Big Data besser zu justieren.

Wer das Problem unreflektierten Algorithmenwahns gern etwas unterhaltsamer dargestellt hätte, kann zu Dave Eggers' Bestseller „Der Circle“ greifen. Eggers ist die digitale Welt nichts Fremdes, so gründete er in der realen Welt mit ScholarMatch eine Internet-Plattform, die bedürftige Studenten mit potenziellen Geldgebern in Kontakt bringen soll.

Umfassende digitale Einbindung

Sein Roman „Der Circle“, derzeit auf Platz 5 der Spiegel-Belletristik-Bestsellerliste, handelt von einer Berufsanfängerin, die die Chance erhält, in einem weltweit marktführenden Internet-Unternehmen zu arbeiten, beim „Circle“. Das Unternehmen ist eine ins Extrem getriebene Mischung zwischen Google und Facebook: Umfassende Versorgung der Mitarbeiter mit allem Lebensnotwendigen bis hin zur Schlafkabine, verbunden mit der umfassenden digitalen Einbindung jedes Einzelnen in ein sich mehr und mehr totalitär gebärdendes Firmenganzes, das auch Anspruch auf das persönliche Leben seiner Mitarbeiter erhebt und von jedem, der Circle-Dienste nutzt, ungehemmt Daten gewinnt und diese auswertet oder weiterverkauft. Die Belegschaft bewirbt neben ihrer sonstigen Arbeit permanent kostenlos bereitgestellte neue Produkte und Dienstleistungen von Circle-Kunden und kurbelt so die digitale Ökonomie an.

Circle hat nichts Geringeres im Sinn (darin seinem Vorbild Google nicht unähnlich) als alle Probleme der Welt mithilfe digitaler Technik optimal zu lösen – per digitaler Abstimmung oder per informationsbasierendem Algorithmus ganz über die Köpfe der Betroffenen hinweg, denn Algorithmen können nicht irren. Mit ständig aktivierten Head-Kameras, die ihre Aufnahmen unmittelbar auf die öffentlich jedem Circle-User zugängliche Webseite des Circle posten, setzen unter Circles Einfluss immer mehr Politiker, Manager und andere Menschen das Prinzip der „totalen Transparenz“ um – am Ende auch Mae, die Heldin des Buches.

Verwandlung zum bildschirmhörigen Digitaljunkie

Es hat etwas Tragikkomisches, wie sich Mae von einer eigenwilligen und alles andere als stromlinienförmigen jungen Frau zum bildschirmhörigen Digitaljunkie verwandelt, der Algorithmen und Computern mehr vertraut als ihren innersten Gefühlen.

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