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Den Schluss bildet deshalb ein umfangreiches Kapitel mit Maßnahmen, um die individuellen Daten und die Kommunikation zu schützen. Big Data Manager können hier lernen, welche Ansätze sie besser unterlassen sollten, um nicht das Vertrauen der Kunden am Ende zu enttäuschen.
Militärische Wurzeln
Hofstetter berichtet in ihrem Buch „Sie wissen alles. Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und warum wir für unsere Freiheit kämpfen müssen.“ zunächst von den militärischen Wurzeln der „Multi-Sensor-Fusion“, wie Big Data anfangs hieß. Anschließend zeigt sie, wie diese technologischen Erkenntnisse in die private Wirtschaft diffundierten. Dort werden sie, so die Autorin, oft genug ohne ausreichend tiefes Grundlagenwissen von mathematischen und sachlichen Zusammenhängen zur Analyse von Datenströmen, etwa aus sozialen Medien, Maschinen oder anderen Signalgebern, verwendet.
Fehler in Algorithmen, falsche Datenauswahl, schlechte Beherrschung der eher exotischen mathematischen Verfahren, die sich Big Data zunutze macht – all dies mache die Anwendungen der Technologie letztlich für den Einzelnen zum Roulettespiel, bei dem in Zukunft ein anonymer, aber als unfehlbar vorausgesetzter Algorithmus anhand nicht transparenter Kriterien über das Schicksal von Einzelnen entscheide – etwa darüber, ob man ihn oder sie versichert, ob ein Kredit gewährt oder welche medizinische Behandlung angeboten wird.
Digitales Alter Ego
Letztlich entsteht so eine vom Original nicht kontrollierbare digitale Person, eine Art digitales Alter Ego, die sich ausschließlich aus den irgendwo gesammelten Daten über die reale Person ergibt. Weil diese Daten möglicherweise inzwischen ihre Relevanz verloren haben, das Netz aber nichts vergisst, weil zudem der Anwender nicht mehr weiß, wer wo welche Daten zu welchem Zweck auswertet oder einbindet, ergibt sich daraus das Risiko des Verlusts der persönlichen Freiheit und Menschenwürde im Sinne des Grundgesetzes. Deren grundlegende Bedeutung für unsere Gesellschaft ruft die ausgebildete Juristin den Lesern dringlich ins Gedächtnis.
Hofstetter verlangt nichts Geringeres als eine Neuerfindung vieler Rechtsbereiche für das digitale Zeitalter. Das vom Europäischen Gerichtshof verlangte „Recht auf Vergessen“ sei hier nur ein erster Schritt. Beispielsweise verlangt Hofstetter, dass Menschen, die ja durch die mehr oder minder kostenlose Nutzung ihrer Daten gegen läppische Dienstleistungen wie kostenlose Musik-Downloads erst die Grundlage der digitalen Ökonomie formen, zukünftig direkt an deren Erträgen beteiligt werden.
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