Kommentar von Dr. Monika Becker, Hager Unternehmensberatung

Artificial Intelligence – eine komplexe Technologie für Spezialisten

| Autor / Redakteur: Dr. Monika Becker / Nico Litzel

Die Autorin: Dr. Monika Becker ist Leiterin der Business Unit Software bei der Hager Unternehmensberatung
Die Autorin: Dr. Monika Becker ist Leiterin der Business Unit Software bei der Hager Unternehmensberatung (Bild: Hager Unternehmensberatung)

Artificial Intelligence (AI) ist nicht mehr nur für Start-up-Unternehmen und technikaffine Branchen von Interesse und Nutzen. Der Einsatz birgt zahlreiche betriebswirtschaftliche Nutzen: So können beispielsweise sich ständig wiederholende, aber gefährliche Tätigkeiten von Computern oder Robotern übernommen werden. Der qualifizierte Mitarbeiter kann sich indes den wichtigen anderen strategischen Aufgaben stellen. In der Medizin wird es durch Künstliche Intelligenz möglich sein, treffsichere Diagnosen zu stellen und Prognosen abzugeben sowie individualisierte Behandlungspläne aufzustellen.

In den Anfängen von AI gab es – wie in anderen Branchen auch – keine direkte Planung eines neuen Marktes. Die Wurzeln reichen zurück bis in die 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts und waren zunächst rein akademischer Natur. Erst seit knapp zehn Jahren ist AI nicht mehr vorrangig akademisch getrieben, sondern von kommerziellen Einsatzmöglichkeiten.

Die technischen Möglichkeiten sind inzwischen so groß und robust, dass von Marktreife gesprochen werden kann. Aus den vermeintlichen Spielereien von Google, IBM und Co sind Anwendungen entstanden, die für Unternehmen unterschiedlichster Branchen zur strategischen Kernkompetenz gehören: Von Logistik und Mobilität, über Marketing und Medizin bis hin zur industriellen Fertigung.

Es verbleibt natürlich die Frage: Was kann die AI, was ein Mensch nicht kann? Vereinfacht gesagt: AI-Systeme können mehr Informationen verarbeiten als Menschen, sie sind dabei systematischer, analysieren tiefer, erkennen Ausnahmen besser und kommen dadurch zu passenderen Schlussfolgerungen. Diese künstlichen Skills helfen in so unterschiedlichen Szenarien wie dem autonomen Straßenverkehr, der Kundenberatung und der Analyse von Rechtsfällen.

Der immens hohe Anteil an AI in neuen Software-Applikationen wird weiter zunehmen. Das Interesse an der Technik nimmt weiter zu und es wird keine renommierten Unternehmen mehr geben, die relevante Systemupdates ohne AI generieren werden.

Die Kehrseite der Medaille

Dieser Fortschritt – bei dem fast alle innovativen Unternehmen die besten Kräfte suchen – hat allerdings auch seine Kehrseite, denn die hierfür gesuchten Fach- und Führungskräfte sind rar gesät und nicht einfach zu finden. Große Unternehmen wie beispielsweise Google, Apple, Microsoft, Ebay und Cisco haben sich kleine – auf AI spezialisierte Unternehmen – einverleibt, um sich somit AI-Know-how an Bord zu holen.

Es ist nicht der klassische Fach- und Führungskräftemangel, der hier seine Auswirkungen zeigt. AI ist ein attraktives Themengebiet, in das viele Fach- und Führungskräfte jetzt einsteigen wollen. Vielmehr liegt es an der Komplexität der AI-Themen und der damit einhergehenden Schwierigkeit bei der Rekrutierung geeigneter Mitarbeiter. Es gibt kein Schema F, nachdem passende Mitarbeiter rekrutiert werden können. Eine erfolgreiche Tätigkeit setzt technologisches State-of-the-Art-Wissen und die betriebswirtschaftliche Kompetenz, unterschiedlichste Prozesse zu analysieren und zu optimieren, voraus. Vor allem aber braucht es die sprichwörtliche Fähigkeit, Themen neu zu denken.

War for AI Talents

Bereits seit einigen Jahren gibt es in dieser Branche starken Zulauf von zahlreichen Unternehmen, die sich bereits erfolgreich etabliert haben. Hierdurch ist neben dem klassischen Wettbewerb auch der Kampf um die besten Köpfe immens gestiegen, zumal die typischen AI-Spezialisten nicht mit klassischen IT-Experten vergleichbar sind.

Eines der weltweit führenden AI-Unternehmen ist die Arago GmbH, die ihr Headquarter in Frankfurt hat. Das Unternehmen forscht und entwickelt schon seit 1995 erfolgreich verschiedenste Applikationen im Bereich von AI. Um diese komplexe Technik voranzutreiben, hat das Thema HR auch hier einen hohen Stellenwert. Das zwingend notwendige umfangreiche technische Hintergrundwissen stellt besonders große Herausforderungen an das Recruiting.

Zum Leidwesen der HR-Verantwortlichen ist oft die Unternehmenskultur im Bereich der Artificial Intelligence deutlich anders als in den Arbeitsumfeldern, in denen die meisten Kandidaten beruflich den Großteil ihrer Erfahrungen gesammelt haben. Sie sind vielfach sachorientiertes und politikfreies Arbeiten gewohnt, fokussieren sich auf ihre Fachthemen und lassen sich nicht durch andere Sachverhalte ablenken oder gar belasten. Häufig kommen Kandidaten, die sich in das AI-Umfeld verändern wollen, aus klassischen IT-Häusern oder IT-Beratungen. Das ist kein Problem, solange den Kandidaten bewusst ist, dass sie sich auf ein verändertes Arbeitsumfeld einstellen müssen und manche Gewohnheit über Bord geworfen werden muss.

Der Chief Human Resources Officer bei Arago, Markus Leven, nimmt zum Thema Rekrutierung folgende Position ein: „Wir entwickeln eine spannende Technologie weiter und bieten unseren Kunden eine eigene AI-Plattform und liefern nicht nur Produkte, die durch AI-Technologie bereitgestellt oder unterstützt werden. Natürlich sind wir auf der Suche nach neuen Kollegen, die technisch und fachlich sehr qualifiziert sind. Dabei sollten diese auf jeden Fall leistungsorientiert sein und ein starkes Interesse mitbringen, sich ständig weiterzuentwickeln, Neues auszuprobieren und hergebrachte Methoden zu hinterfragen. Unsere Firmenkultur orientiert sich sehr an Robert Suttons ,No-Asshole-Regel‘; die Mitarbeiter müssen in unser Team passen.“

Die Zeit läuft

Laut einer Marktstudie von Gartner wird bis zum Jahr 2020 nahezu jedes neue Software-Produkt AI enthalten. Das Interesse an der Technik nimmt weiter zu. Immer mehr etablierte Softwareanbieter berücksichtigen AI in ihrer Produktstrategie. Gartner führt das vor allem auf den Hype rund um das Thema sowie das allgemein wachsende Interesse an der Technik zurück. Bis 2020 wird die AI-Technik zu den wichtigsten Investitionen der CIOs zählen.

Vielen technikorientierten Unternehmen läuft daher die Zeit davon, um rechtzeitig passende Fach- und Führungskräfte zur Realisierung ihrer Strategien zu finden. Die Gefahr besteht darin, dass sich die Unternehmen nicht weiterentwickeln können, weil es am erforderlichen Know-how mangelt und einhergehend auch die Chance sinkt, sich erfolgreich am Markt zu positionieren. Das Thema Rekrutierung sollte bei innovativen Themen mit als eines der Top-Themen auf der unternehmerischen Agenda darstellen.

Fazit

Artificial Intelligence wird alle Unternehmen, Branchen und Bereiche betreffen und bald nicht mehr aus den unternehmerischen Strategien wegzudenken sein. Neben einer ausgereiften Agenda, um diese Technik erfolgreich einzusetzen und anzuwenden oder gar zu trainieren, sind qualifizierte Experten erforderlich. Diese sollten jedoch nicht durch kurzfristigen Aktionismus rekrutiert werden. Vielmehr gilt es eine Personal Pipeline ins Leben zu rufen und die personelle Decke strategisch zu planen. In diese Pipeline gehört neben der Rekrutierung von kreativen und technikaffinen Köpfen auch, dass die Soft Skills und die Persönlichkeit in die Firmenkultur passen.

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