Kommentar von Jonas Paul Klatt, OnRep Consulting Wie sich IT-Dienstleister gegen den neuen KI-Modus von Google wappnen

Von Jonas Paul Klatt 4 min Lesedauer

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Mit dem neuen KI-Modus – der „Search Generative Experience“ – hat Google die Spielregeln der digitalen Sichtbarkeit verändert. Statt klassischer Trefferlisten generiert die Suchmaschine künftig eigenständig Antworten. Das bedeutet: Nicht mehr Keywords oder Backlinks entscheiden über Sichtbarkeit, sondern Vertrauen, Reputation und inhaltliche Glaubwürdigkeit. Für IT-Dienstleister ist das ein Paradigmenwechsel.

Der Autor: Jonas Paul Klatt ist Gründer von OnRep Consulting(Bild:  Jonas Paul Klatt)
Der Autor: Jonas Paul Klatt ist Gründer von OnRep Consulting
(Bild: Jonas Paul Klatt)

Während früher Suchmaschinenoptimierung (SEO) vor allem auf technische Faktoren und Keyword-Dichte abzielte, bewertet Googles KI heute die Vertrauenswürdigkeit ganzer Marken. Die Suchmaschine entscheidet eigenständig, welche Unternehmen in den Antworten erscheinen und welche nicht mehr stattfinden. Für viele Systemhäuser, IT-Berater und Integratoren ist das eine existenzielle Herausforderung, denn ihre Stärke liegt häufig in der Praxis und Kundennähe, nicht in digitaler Außenwirkung.

Vom Keyword zur Glaubwürdigkeit

Die bisherige SEO-Logik beruhte auf einer klaren Mechanik: Wer die richtigen Keywords, saubere Backlinks und eine schnelle Website hatte, konnte sich auf Seite eins der Suchergebnisse platzieren. Diese Mechanik verliert im KI-Zeitalter massiv an Relevanz.

Googles neue Sucharchitektur kombiniert semantisches Verständnis mit einer Vertrauensanalyse. Statt die relevantesten Keywords zu ranken, erzeugt die KI Antworten aus Quellen, die als glaubwürdig gelten – etwa Presseartikel, Bewertungen, Fachportale oder Social-Media-Beiträge.

Damit wandelt sich der Fokus: Sichtbarkeit entsteht nicht mehr durch Optimierung einzelner Begriffe, sondern durch digitale Glaubwürdigkeit. Unternehmen müssen zeigen, dass sie tatsächlich Expertise besitzen, dass andere ihnen vertrauen und dass diese Vertrauenssignale im Netz auffindbar sind.

Die Herausforderung für IT-Dienstleister

Gerade mittelständische IT-Unternehmen sind in dieser neuen Suchlogik im Nachteil. Viele verfügen über exzellente Kundenbeziehungen, starke Fachkenntnis und jahrelange Erfahrung – aber über keine öffentliche Reputation, die für Suchmaschinen und KI-Systeme greifbar wäre.

Während früher potenzielle Kunden gezielt nach „IT-Dienstleister München“ oder „Systemhaus Stuttgart“ suchten, werden Anfragen heute natürlichsprachlich formuliert, etwa:

„Welches Systemhaus in Süddeutschland bietet zuverlässige Cloud-Migration?“

„Wer sind die besten IT-Dienstleister für Managed Services in der Region?“

Die KI liefert daraufhin eine fließende Antwort, die Informationen aus verschiedenen Quellen kombiniert. Wenn ein Unternehmen in diesen Quellen nicht vorkommt – etwa, weil es keine aktuellen Bewertungen, Presseerwähnungen oder Fachartikel gibt, erscheint es schlicht nicht in der Antwort.

Das Risiko besteht also nicht darin, schlecht bewertet zu werden, sondern überhaupt nicht stattzufinden.

Vertrauen als Rankingfaktor

Google bewertet die Vertrauenswürdigkeit digitaler Inhalte anhand des sogenannten E-E-A-T-Modells: Experience, Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness. Dieses Prinzip galt bisher für redaktionelle Inhalte, wird nun aber auf ganze Organisationen angewendet.

Für IT-Dienstleister ergeben sich daraus vier zentrale Handlungsfelder:

  • Expertise zeigen: Fachartikel, Webinare, Whitepaper oder Zertifizierungen verdeutlichen, dass ein Unternehmen Know-how besitzt.
  • Erfahrung belegen: Kundenbewertungen, Projektreferenzen und Fallstudien liefern den Nachweis erfolgreicher Arbeit.
  • Autorität beweisen: Erwähnungen in Fachportalen, Kooperationen mit Technologiepartnern oder Presseberichte erhöhen die digitale Autorität.
  • Vertrauen schaffen: Konsistente Unternehmensprofile, gepflegte Daten und transparente Kommunikation stärken den Vertrauensfaktor.

KI-Systeme analysieren diese Signale automatisiert und gewichten sie stärker als klassische SEO-Merkmale wie Keyword-Platzierung oder Metadaten.

Die Reputations-Infrastruktur als Grundlage

Eine belastbare Online-Reputation ist künftig das entscheidende Fundament für Sichtbarkeit. Sie wirkt nicht nur in der Google-KI, sondern über Plattformen hinweg. Systeme wie ChatGPT, Perplexity, Bing Copilot oder Apple Intelligence greifen alle auf ähnliche Quellen zu – öffentlich zugängliche, verifizierte Informationen, die Vertrauen signalisieren.

Wer über eine stabile Reputations-Infrastruktur verfügt, schafft also eine Art Schnittstelle zwischen der eigenen Marke und der KI-Welt. Bewertungen, Fachartikel, Pressebeiträge und Social-Media-Signale werden zu maschinenlesbaren Belegen für Kompetenz. Je klarer, konsistenter und aktueller diese Daten sind, desto häufiger erscheinen Unternehmen in generierten Antworten.

Eine gute Reputation ist damit keine weiche Marketinggröße mehr, sondern ein technischer Wettbewerbsfaktor.

Drei Schritte zur Sichtbarkeit im KI-Zeitalter

  • 1. Digitale Bestandsaufnahme: Der erste Schritt besteht darin, die eigene Online-Präsenz objektiv zu prüfen. Welche Bewertungen, Erwähnungen oder Presseberichte existieren bereits? Sind Unternehmensprofile auf Plattformen wie Google Business oder Kununu aktuell? Wie konsistent sind die Informationen auf Partnerseiten oder in Fachportalen?
  • 2. Reputation aufbauen: Anschließend gilt es, gezielt neue Vertrauenssignale zu schaffen. Dazu gehören authentische Kundenbewertungen, Fachbeiträge in Branchenmedien, Whitepaper oder Interviews. Wichtig ist, dass Inhalte belegbar und überprüfbar sind – reine Werbebotschaften werden von KI-Systemen kaum berücksichtigt.
  • 3. Answer-Engine-Optimization-Strategie entwickeln: Schließlich sollten Inhalte strukturiert, maschinenlesbar und konsistent gepflegt werden. Das umfasst die Nutzung von Schema.org-Markups, aktuelle Kontaktdaten, saubere Leistungsbeschreibungen und gut strukturierte FAQ-Bereiche. Die KI belohnt Klarheit, Aktualität und Beweisbarkeit.

Diese Schritte bilden zusammen eine Grundlage, auf der Sichtbarkeit auch in KI-generierten Suchumgebungen erhalten bleibt – oder neu entsteht.

Warum Handlungsbedarf besteht

Der KI-Modus wird in Deutschland schrittweise ausgerollt. Schon heute erscheinen bei vielen Suchanfragen erste generierte Antworten, die klassische Rankings verdrängen. Je stärker diese Funktion integriert wird, desto mehr Traffic verschiebt sich weg von herkömmlichen Suchergebnissen. Unternehmen, die erst reagieren, wenn die Auswirkungen spürbar sind, verlieren wertvolle Zeit. Wer jetzt handelt, kann sich dagegen einen langfristigen Wettbewerbsvorteil sichern.

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Die Entwicklung zeigt deutlich, dass Sichtbarkeit im digitalen Raum nicht mehr durch technische Optimierung entsteht, sondern durch überprüfbare Glaubwürdigkeit.

Fazit

Der KI-Modus von Google markiert den Beginn einer neuen Suchära. Sichtbar wird künftig nicht der lauteste, sondern der glaubwürdigste Anbieter. Für IT-Dienstleister bedeutet das, Reputation als messbares Asset zu begreifen. Bewertungen, Presseerwähnungen, Fachartikel und transparente Unternehmenskommunikation werden zum entscheidenden Hebel für digitale Auffindbarkeit.

Suchmaschinenoptimierung wandelt sich zu Answer Engine Optimization (AEO) – und Vertrauen wird zur neuen Währung in der KI-gestützten Onlinewelt.

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