Steigende Energiepreise, volatile Lieferketten und fehlende Fachkräfte prägen die Lage der Fertigungsindustrie. Eine Studie von Revalize liefert nun Daten zu Technikeinsatz, organisatorischen Anpassungen und strukturellem Wandel. Besonders deutlich fällt die Diskrepanz bei KI-Kompetenzen und beim Umgang mit neuen regulatorischen Vorgaben aus.
Die Studie von Revalize zeigt: KI-Widerstand, Fachkräftemangel, geopolitische Risiken und der digitale Produktpass prägen die Fertigung 2026. Unternehmen bündeln Systeme und setzen stärker auf Daten.
(Bild: KI-generiert)
Die Fertigungsindustrie steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Geopolitische Unsicherheiten, steigende Energie- und Rohstoffkosten sowie der zunehmende Fachkräftemangel zwingen Unternehmen zum Umdenken. Das zeigen auch Zahlen aus einer Studie von Revalize (Registrierung erforderlich): 85 Prozent der Fertigungsunternehmen haben ihre Supply-Chain-Strategien bereits angepasst. Die Branche befindet sich in einer fundamentalen Transformation. Digitale Lösungen über Produktlebenszyklen hinweg entwickeln sich zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
Revalize hat fünf zentrale Trends erkannt, die das kommende Jahr prägen werden:
1. Künstliche Intelligenz (KI): Optimierte Prozesse, aber wenig Vertrauen
KI hält Einzug in Produktionsprozesse und Softwaresysteme. Bereits 51 Prozent der Hersteller setzen Künstliche Intelligenz für das Management von Lieferketten und Beständen ein. In PLM-Systemen sorgt KI für schnellere Bereitstellung benötigter Informationen und automatisiert Workflows.
In den DACH-Ländern liegt der interne Widerstand gegen KI-Technologien bei 29 Prozent, in den USA nur bei 19 Prozent. Auch bei den Kompetenzen zeigt sich eine Lücke. 42 Prozent der DACH-Unternehmen beklagen fehlende KI-Fähigkeiten, in den USA sind es 31 Prozent. Experten betonen: KI-Ergebnisse sollten nicht unkritisch übernommen werden. Das Vertrauen in die Technologie muss erst wachsen, denn Künstliche Intelligenz kann auch fehlerhafte Ausgaben produzieren.
2. Digitaler Produktpass: Compliance wird zur Chance
Ab 2026 rollt die Europäische Union den digitalen Produktpass schrittweise aus. Die standardisierte Dokumentation erfasst Lebenszyklus, Materialien und Nachhaltigkeitskennzahlen eines Produkts digital. Zunächst betrifft die Verpflichtung nicht alle Hersteller. Branchenkenner empfehlen dennoch, IT-Systeme und Datenmanagement frühzeitig vorzubereiten.
Der digitale Produktpass ist eng mit PLM-Lösungen verbunden. Er erfüllt regulatorische Anforderungen und schafft Transparenz gegenüber Kunden. Datengetriebene Services werden möglich. Wer den digitalen Produktpass strategisch nutzt, verschafft sich Wettbewerbsvorteile.
Handelskonflikte und Zölle wirken sich massiv auf globale Lieferketten aus. In den DACH-Ländern haben 52 Prozent der Hersteller ihre Abhängigkeit von Regionen mit hohen Zöllen reduziert. 22 Prozent haben den US-Markt depriorisiert oder verlassen. Die Strategie der Industrie ist klar: Diversifizierung und Regionalisierung der Produktion.
Hersteller investieren verstärkt in digitale Risk-Management-Tools, um Risiken in Echtzeit zu erkennen und schnell zu reagieren. Bei der Standortwahl zählen politische Stabilität und Nähe zu Schlüsselmärkten. Sollten die Handelsunsicherheiten anhalten, erwarten Unternehmen weitere strukturelle Veränderungen in Produktion und Lieferketten. Schnelle Anpassungsfähigkeit wird zum kritischen Erfolgsfaktor.
4. Qualifikationslücke: Ohne Weiterbildung geht es nicht
Der Fachkräftemangel verschärft sich. Datenanalyse, Automatisierung und Cybersecurity zählen zu den gefragtesten Kompetenzen in der Fertigungsindustrie. Hinzu kommt ein genereller Mangel an Fachkräften: Laut aktuellem MINT-Report fehlen derzeit 163.600 qualifizierte Arbeitskräfte. Ähnliche Entwicklungen sind auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Digitale Kompetenz wird zur Grundvoraussetzung, einschließlich der Fähigkeit, mit PLM-Systemen, digitalen Zwillingen und cloudbasierten Kollaborationstools zu arbeiten. Das gilt längst nicht mehr nur für Konstrukteure, sondern zunehmend auch für Qualitätsmanagement, Compliance und kundennahe Teams. Erfolgreiche Organisationen etablieren interne Akademien und fördern kontinuierliches Lernen, um ihre Teams für neue PLM-Funktionen, regulatorische Anforderungen und veränderte Kundenerwartungen zu rüsten.
5. Weniger ist mehr: Plattformen werden zusammengeführt
Die Konsolidierung von Technologie-Stacks nimmt Fahrt auf. Der Revalize-Report zeigt, dass 87 Prozent der Fertigungsunternehmen ihre Plattformen bündeln, um Komplexität zu reduzieren. Der Grund: 58 Prozent kämpfen mit erheblichen Integrationsproblemen, die Innovation bremsen und Kosten treiben.
Vereinfachte Tech-Stacks beschleunigen die Einführung neuer Funktionen, senken Betriebskosten und verbessern die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen. Hersteller setzen auf Lösungen, die nahtlos zusammenarbeiten und überflüssige Werkzeuge ersetzen. Interoperabilität zwischen Systemen wird zum entscheidenden Auswahlkriterium bei Softwareinvestitionen.
Stand: 08.12.2025
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Datengetriebene Resilienz wird immer wichtiger
Steigende Energie- und Rohstoffkosten treiben Investitionen in Effizienz und nachhaltige Technologien. In den DACH-Ländern beschleunigen hohe Energiekosten Investitionen in effiziente Produktionsverfahren. Der digitale Produktpass unterstützt die Kreislaufwirtschaft durch lückenlose Dokumentation von Materialflüssen und Umweltauswirkungen. Transparenz wird so zu einem Wettbewerbsvorteil.
2026 wird zum Wendepunkt für die Fertigungsindustrie. Unternehmen, die digitale Technologien über den Produktlebenszyklus integrieren, gewinnen Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend ist Zugang zu Echtzeitdaten – von Konstruktion über Produktion bis Lieferkette. Erfolgreiche Hersteller investieren jetzt in Technologie, Talente und resiliente Strukturen. Die Fähigkeit zu schnellem, datenbasiertem Handeln entscheidet über den Erfolg.