Die Datenmenge wächst rasant, doch viele Unternehmen nutzen die darin verborgenen Chancen kaum. Dabei bieten sie erhebliches Potenzial für mehr Wertschöpfung und Effizienz. Software-Lösungen für das Product Lifecycle Management (PLM) helfen Unternehmen, diese Vorteile zu erschließen. Sie schaffen die Basis für eine durchgängige Digitalisierung der Fertigung und stärken zugleich Nachhaltigkeit und Innovationsfähigkeit.
Die Autorin: Laura Schmidt ist Senior Vice President SAP Solutions bei CENIT
(Bild: CENIT AG)
Die Menge der weltweit erzeugten, erfassten und verbrauchten Daten wächst beständig. Prognosen zufolge wird sie bis 2028 auf ein Volumen von über 390 Zettabyte ansteigen – eine Zahl mit 21 Nullen. Angesichts dieser schwer vorstellbaren Masse an Information besteht die Herausforderung für Unternehmen darin, die vorhandenen Daten in für sie nutzbares Wissen umzuwandeln. Dafür gilt es, die relevanten Informationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erfassen, zu verknüpfen und auszuwerten.
Diese Fähigkeit wird zunehmend erfolgskritisch, um auch unter Druck innovativ und handlungsfähig zu bleiben. So schafft ein konsistentes Datenmanagement Prozesstransparenz und neue Wertschöpfungspotenziale. Es eröffnet Unternehmen Einblicke, die eine vorausschauende Steuerung ihrer Geschäftsprozesse und Wertschöpfungsketten möglich machen. Auf diese Weise können sie schneller auf Veränderungen reagieren und sich flexibler an neue Anforderungen anpassen.
Der entsprechende Bedarf im Mittelstand ist größer denn je. Denn angesichts angespannter Lieferketten, Personalmangel und Rohstoffknappheit müssen Betriebe bestehende Planungen immer öfter verwerfen und kurzfristig umdisponieren. Steigender Kostendruck sowie gesetzliche Vorgaben und Dokumentationspflichten zwingen sie außerdem, ihre Prozesse hinsichtlich Effizienz und Nachhaltigkeit zu überdenken. Zugleich erfordern immer kürzere Marktzyklen eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit. Ein durchgängiges Datenmanagement unterstützt Unternehmen dabei, diese Herausforderungen zu managen: Statt auf Sicht zu fahren, erhalten sie eine fundierte Informationsbasis, um auch unter Zeitdruck überlegte Entscheidungen mit Weitsicht treffen zu können.
Ins Bewusstsein deutscher Unternehmensentscheider scheint diese Dringlichkeit jedoch noch nicht vorgedrungen: 2024 zeigte eine repräsentative bitkom-Befragung, dass erst sechs Prozent der deutschen Unternehmen das Potenzial ihrer verfügbaren Daten ausschöpfen. Tatsächlich ist es gerade in Branchen mit weitverzweigten Wertschöpfungsketten herausfordernd, Daten übergreifend zu integrieren. Das gilt beispielsweise für den Maschinen- und Anlagenbau oder die Automobilproduktion. Unterschiedliche Systeme und Maschinen erzeugen Daten in verschiedenen Formaten und Strukturen, die sich teils nur schwer aggregieren und synchronisieren lassen. Die Komplexität steigt, wenn verschiedene Unternehmen an der Produktentstehung mitwirken.
Software-Lösungen für das Product Lifecycle Management (PLM) können hier Abhilfe schaffen. Sie verwalten produktbezogene Daten über alle Lebensphasen eines Produkts hinweg, von der ersten Idee über das Engineering, die Validierung und Fertigung bis hin zum Vertrieb und Recycling. Auch Daten, die während der Nutzung anfallen, kann die Software sammeln, analysieren und bei späteren Produktiterationen wiederverwenden. So entsteht ein durchgängiger Datenfluss entlang aller Teile der Fertigungsstrecke. Diese digitale Prozesskontinuität hilft Herstellern, ihre Produkte besser zu verstehen und ihre Wertschöpfung durch Effizienzsteigerungen zu optimieren.
Datengestützt zu nachhaltiger Optimierung
Dies zahlt auch auf die Nachhaltigkeit ein. Damit ist nicht nur die Berücksichtigung von Umweltaspekten gemeint, sprich: Abfallvermeidung oder die Senkung des Wasser- und Stromverbrauchs während der Produktion. Vielmehr geht es an dieser Stelle auch um Qualitätssteigerungen durch Prozessverbesserungen, eine höhere Effizienz in der Fertigung oder die Verkürzung von Prototypenstadien. All das ist Teil einer nachhaltigen Digitalisierung der eigenen Geschäftsprozesse, die Unternehmen durch die beschriebenen Vorteile langfristige Wettbewerbsvorteile und Unabhängigkeit sichert.
So ermöglicht es eine durchgängig digitalisierte Fertigung beispielsweise, Produkte lückenlos zurückzuverfolgen. Das bedeutet, ist ein Produkt nicht mehr im Einsatz, lässt sich auf Basis der dokumentierten Daten aus den Entstehungsprozess schnell und unkompliziert feststellen, welche Ressourcen wie darin verarbeitet wurden. Hersteller können diese dann gezielt zurückgewinnen und erneut dem Wertschöpfungskreislauf zuführen. Dies schont Ressourcen und spart Kosten, insbesondere wenn es sich um teure Materialien wie wertvolle Seltene Erden handelt.
Mit einem PLM-System haben Hersteller darüber hinaus immer im Blick, welche Materialien wo und in welcher Menge im Einsatz sind. So können sie Schwachstellen und Engpässe in ihren Prozessen einfacher erkennen und gezielt beheben. Die unmittelbare Verfügbarkeit stets aktueller Daten hilft außerdem, das Fehlerrisiko zu reduzieren. Auf diese Weise lassen sich Effizienz und Qualität von Abläufen und Produkten nicht nur wirksam prognostizieren, sondern auch gezielt verbessern.
Stand: 08.12.2025
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Simulation beschleunigt Innovation
Ein von Anfang bis Ende vernetzter Produktlebenszyklus erlaubt es Herstellern darüber hinaus, neue Produktideen, Prozesse oder Produktionsverfahren digital simulieren. Dies kann die Prototypenentwicklung erheblich vereinfachen und einzelne Stadien sogar gänzlich überflüssig machen. Die Produktentwicklung wird dadurch entscheidend beschleunigt, sodass Hersteller schneller auf neue Anforderungen reagieren können. Somit steigt auch ihr Innovationspotenzial.
Zudem ermöglicht es das simulationsgestützte Vorgehen, Materialien effizienter einzusetzen und dadurch mit geringerem Energie- und Ressourcenverbrauch zu produzieren. In Kombination mit Technologien wie Predictive Maintenance können Hersteller ihre Maschinen überdies vorausschauend warten und dadurch teuren Produktionsstopps vorbeugen.
Integrieren Unternehmen Prozesse entlang des gesamten Produktlebenszyklus digital miteinander, entstehen somit neue Wertschöpfungspotenziale. Versäumen sie diesen Schritt hingegen, kommt es im Laufe der Zeit zu Datensilos und Redundanzen. Aufgrund einer unvollständigen oder nicht aktuellen Informationsgrundlage kann dies zu Diskontinuitäten in Entscheidungsprozessen führen und letztlich sogar den gesamten Prozess der Produktentstehung verlangsamen.
Industrieunternehmen sind daher gut beraten, ihre Fertigungsprozesse zu digitalisieren, und zwar end-to-end. Ziel muss es sein, die vorhandenen Daten sinnvoll miteinander zu verknüpfen und zur Optimierung der Prozess- und Produktqualität zielführend zu verwerten. Dies sichert Flexibilität und Unabhängigkeit, auch in volatilen Marktumgebungen. PLM-Lösungen sind der Schlüssel, um diese wertvolle Informationsbasis effizient zur nachhaltigen Digitalisierung zu nutzen und sich resilient und zukunftssicher aufzustellen.