Big Data – Ansichten und Aussichten – Revolution

Wie Big Data die Welt verändert

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Mehrwert oder Bedrohung?

Laut Miller bietet dieser personenbezogene Ansatz auf lange Sicht einen Mehrwert. Es entstünde eine reelle Win-Win-Situation, denn die Unternehmen, mit denen man Geschäfte mache, würden den einzelnen Menschen besser kennen und wären dadurch in der Lage, bessere Produkte zu liefern. Und das ginge weit über Bücher, Filme, elektronische Patientenakten oder Restaurantbesuche hinaus.

Zudem sei es so, dass die wachsende Anzahl der aktiven Kommunikationsgeräte unser Leben „aufpeppen“ würden, indem sie miteinander kommunizieren und dadurch eine persönliche Datenbank aufbauen könnten, über die wir eine individuelle Kontrolle hätten. Man könnte dies mit Social Media vergleichen, deren inhaltlicher Wert erst durch die Nutzer und durch die Teilung der Informationen geschaffen wurde.

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(Bild: frei)
Miller sieht die persönlichen Big Data-Anwendungen gar nicht so weit von der Welt der Internet-Foren und des Social Media entfernt, auch wenn mit einem nahtlosem Cross-Plattform-Ansatz und mit Analysefunktionen in industriellem Ausmaß gearbeitet wird. Hier können Informationen mit anderen Menschen geteilt werden, die sie benötigen könnten – selbst wenn sich diese Menschen nicht kennen und nichts voneinander wissen.

Miller nennt dies „Ad-hoc-Bezugsgruppen“ und führt ein Beispiel an: „Nehmen wir an, ich entdecke ein Problem, sei es nun ein defektes Software-Update oder ein Datenstau. Ich kann dies einem entsprechenden Service mitteilen und Menschen im Vorfeld alarmieren lassen, die ansonsten betroffen wären und gar nicht wüssten, dass sie ein Problem haben oder dass eines besteht. Das ist spannend.“

Der Mensch ist unersetzlich

Ein weiterer Grund, weshalb Miller das Individuum als Schlüssel zur zukünftigen Erschließung von Big Data sieht, ist seine Überzeugung, dass unabhängig davon, wie clever die Maschinen auch immer werden sollten, sie das kognitive Denken des Menschen zwar ergänzen, nicht jedoch ersetzen können. Einige „Propheten“ aus dem Analysten-Lager glauben, man brauchte keine Menschen mehr dabei, denn wir haben ja alle Daten und dazu die Intelligenz und müssten jetzt nur noch an der Kurbel drehen, um die passenden Antworten zu bekommen.

„Ich sehe das Ganze auf einer symbiotischen Basis und bin der Meinung: Lasst uns die Maschinen klüger machen – um die Menschen klüger zu machen durch eine dichte persönliche und intelligente Interaktion zwischen Mensch und Maschine – angepasst an die Fähigkeiten des Einzelnen – diese Vorgehensweise ist besser und stärker als alle Algorithmen, die jemals erfunden wurden“, so Miller.

Die Kehrseite der Medaille

Miller sieht im blinden Vertrauen in Daten und Maschinen aber auch eine Gefahr. „Die Finanzkrise des Jahres 2008 sollte uns hier ein warnendes Beispiel geben, wie erschreckend Dinge aus dem Ruder laufen können, wenn Modelle außerhalb ihrer Grenzen eingesetzt werden und dazu noch von Menschen, die ihre Grenzen nicht kennen – vergleichbar mit jemandem, der mit falschen GPS-Daten auf dem Meer treibt – dann darf man sich nicht wundern, wenn schlimme Dinge passieren und in die falsche Richtung laufen – nur weil man den Daten gefolgt ist.“

Denken in größeren Dimensionen tut Not

Unternehmen, die das Thema Big Data verfolgen und glauben, es handle sich dabei nur um ein Tool, um Produkte effizienter verkaufen zu können, denken in die falsche Richtung. Die Produkte wären wesentlich effektiver, wenn man die Unternehmen ermutigen würde, das Denken zu erweitern. „Die Fähigkeit, dem Einzelnen damit persönlich zu dienen, um klüger zu werden und ein besseres Leben zu führen, ist eine große Chance“, sagt Miller.

Er setzt hinzu: „Das Gleiche gilt natürlich auch für die Unternehmen. Die IT sieht den Anwender oft nur als jemanden, dem sie Zugang zu irgendwelchen Daten oder Programmen verschafft. Wie wollen dies aber auf den Kopf stellen und jeden Menschen zum Zentrum seines eigenen kleinen Universums machen. Macht man ein Individuum klüger, dann macht man damit auch die Gesellschaft klüger.“

Im Jahr 2006 kürte das „Time Magazine“ Miller in Anerkennung seiner Verdienste um die Gestaltung des heutigen Informationszeitalters zur „Person des Jahres“. Sollten Millers Visionen Wahrheit werden, dann dürfen wir uns auf die zentrale Rolle, die Big Dat in der Welt von morgen spielen könnte, eigentlich freuen.

Der Autor:

John Tyrrell betreibt eine Kommunikationsagentur. Sein Artikel erschien im Orgiginal unter dem Titel „Big Data Gets Personal“ in Intel-Newsletter „Adrenaline“.

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