Von der Eingabe zur Unterhaltung Warum Sprache die Tastatur ablösen könnte – und KI damit neu definiert

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Generative Künstliche Intelligenz (KI) war lange ein Werkzeug, das auf Tastaturbefehle wartete. Doch diese Ära neigt sich dem Ende zu. Eine neue Studie von Jabra und der London School of Economics zeigt: In wenigen Jahren könnte Sprache die Hauptschnittstelle zwischen Mensch und Maschine werden – und damit die Arbeitswelt grundlegend verändern.

Eine Studie von Jabra und der LSE zeigt: Sprache wird zur Hauptschnittstelle zwischen Mensch und KI. So verändert Voice-AI bis 2028 die Arbeitswelt.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Eine Studie von Jabra und der LSE zeigt: Sprache wird zur Hauptschnittstelle zwischen Mensch und KI. So verändert Voice-AI bis 2028 die Arbeitswelt.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Seit Jahrzehnten tippen wir Befehle in Maschinen ein – und sehen zu, wie sie reagieren. Doch dieses vertraute Muster steht angeblich vor einer Revolution. Wenn sich die Prognosen einer Studie von Jabra und der London School of Economics (LSE) bewahrheiten, werden wir schon 2028 nicht mehr schreiben, sondern sprechen. Sprache werde nicht länger eine Option sein, sondern die bevorzugte Art, mit Künstlicher Intelligenz zu interagieren – und sie werde damit nicht nur Tools, sondern ganze Arbeitsprozesse neu formen.

Der Grund liege in der Art, wie Menschen denken und kommunizieren. Sprache sei schnell, intuitiv, spontan – und sie schaffe Vertrauen. Laut der Untersuchung steige das Vertrauen in KI um ganze 33 Prozent, wenn Nutzer nicht tippen, sondern sprechen. Bereits heute bevorzugen 14 Prozent der Wissensarbeiter Sprachbefehle gegenüber Texteingaben, und ein Fünftel nutzt Sprachsteuerung zumindest gelegentlich. In der Diffusionslogik technologischer Innovationen bedeutet das: Wir stehen an der Schwelle vom Early-Adopter-Markt zur breiten Akzeptanz.

Was das bedeutet, lässt sich erahnen, wenn man sich typische Arbeitssituationen der Zukunft vorstellt. Meetings könnten zu interaktiven Sessions werden, bei denen KI nicht nur zuhört, sondern aktiv mitarbeitet: Protokolle schreibt, Informationen beisteuert, Aufgaben verteilt. Sprachgesteuerte Systeme könnten Aufgaben nicht nur ausführen, sondern vorausschauend planen, Entscheidungen vorbereiten oder sogar mit anderen KI-Agenten verhandeln. Statt einer hierarchischen Befehlskette entsteht eine dynamische Zusammenarbeit – zwischen Menschen und einer Vielzahl spezialisierter Systeme, die über Sprache koordiniert werden.

Noch gibt es Hürden. Bei komplexen, argumentativen Aufgaben sinke die Leistung um etwa 20 Prozent, weil Gedanken mündlich schwerer zu strukturieren sind. Auch Datenschutzbedenken, soziale Barrieren und technische Reibungen bremsen wohl die Verbreitung. Doch laut Studie lassen sich diese Hürden durch bessere Audiohardware, klare Governance, gezielte Schulungen und einen kulturellen Wandel abbauen. Entscheidend sei, dass Sprache dort eingesetzt wird, wo sie ihren größten Vorteil ausspielt: bei spontanen Ideen, schnellen Abfragen, kreativen Denkprozessen oder unterwegs.

Professor Michael Muthukrishna, The London School of Economics and Political Science: „Die Daten bestätigen, was viele Führungskräfte schon erwarten: Wir bewegen uns in Richtung einer Ära des sprachgesteuerten Computings, in der Sprechen und Zuhören das Tippen und Lesen zunehmend ergänzen – oder sogar ersetzen. Die Zukunft wird nicht von einer einzigen KI geprägt sein, sondern von einem Team spezialisierter Systeme, die über eine gemeinsame, verständnisfähige Schnittstelle koordiniert werden.“

Was heute noch nach Science-Fiction klingt, könnte in wenigen Jahren Standard sein: KI-Systeme, die nicht auf Eingaben warten, sondern zuhören, verstehen, antworten – und handeln. Die Tastatur hat uns Jahrzehnte lang gute Dienste geleistet. Doch die Zukunft der Arbeit wird wohl nicht mehr getippt. Sie wird gesprochen.

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