Hilfe für Indonesien

Waldbrandbekämpfung mit Big Data

| Autor / Redakteur: Martin Hensel / Nico Litzel

Mark Kibanov (l.) und Prof. Dr. Gerd Stumme vom Fachgebiet Wissensverarbeitung der Universität Kassel präsentieren das Tool "Haze Gazer".
Mark Kibanov (l.) und Prof. Dr. Gerd Stumme vom Fachgebiet Wissensverarbeitung der Universität Kassel präsentieren das Tool "Haze Gazer". (Bild: Universität Kassel)

Mithilfe von Twitter lassen sich nicht nur Kurznachrichten austauschen, sondern möglicherweise auch Opfer bei Waldbränden verhindern. Ein speziell dazu entwickeltes Analyseverfahren könnte Indonesien helfen.

Gemeinsam mit UN-Wissenschaftlern haben zwei Forscher der Universität Kassel Algorithmen erstellt, die über zielgerichtete Analyse von Tweets bessere Evakuierungspläne bei Waldbränden ermöglichen sollen. Das Verfahren ist zum Einsatz durch die indonesische Regierung gedacht. Der Inselstaat hat regelmäßig mit massiven Waldbränden zu kämpfen. Mark Kibanov und Prof. Dr. Gerd Stumme werteten dabei in Kooperation mit dem UN Pulse Lab in Jakarta Inhalte und Geo-Metadaten indonesischer Twitter-Nutzer aus. Das Pulse Lab ist Teil der UN-Initiative Global Pulse, die neue Möglichkeiten wie etwa Big Data zur Lösung humanitärer Probleme erprobt.

Schneller als Satelliten

Die Forscher werteten rund 29 Millionen Tweets von rund 575.000 Twitter-Nutzern auf Sumatra aus. Im Grunde handelte es sich dabei fast um alle lokalen Kurznachrichten aus dem Jahr 2014. Analysiert wurde, wann und unter welchen Umständen Smog-bezogene Themen eine Rolle spielten. Diese Informationen wurden mit Bewegungsmustern ergänzt. Sie tragen dazu bei, Hinweise auf Waldbrände nicht erst über Satellitenbilder, sondern fast in Echtzeit zu erhalten. Die indonesische Regierung könnte diese Erkenntnisse in Zukunft nutzen, um die Evakuierungsplanung zu optimieren. „Die Regierung ruft während besonders schwerer Katastrophen immer wieder zur Evakuierung auf. Es existiert aber bislang keine Infrastruktur, um zu überprüfen, wie viele Menschen diesem Aufruf folgen“, erläutert Kibanov. Allein im vergangenen Jahr starben in Indonesien laut einer US-Studie mehr als 90.000 Menschen durch Smog und Luftverschmutzung aufgrund von Waldbränden.

Tool in Entwicklung

Die Forschungsergebnisse sind nun Teil des Tools „Haze Gazer“, das die Waldbrandlage mithilfe sozialer Medien überwacht. Es richtet sich an Behörden und soll die frühe Lokalisierung von Problemgebieten, verbessertes Katastrophenmanagement und im besten Fall Lebensrettung ermöglichen. Die Software kommt bereits im Situation Room des indonesischen Präsidenten zum Einsatz.

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