Kommentar von Elena Simon, GcoreTheorie wird Realität – plattformunabhängiges Inferenz-Deployment in Sekundenschnelle
Von
Elena Simon
6 min Lesedauer
KI-Modelle ermöglichen eine breite Palette von Anwendungen – von präziser Bilderkennung über natürliche Sprachverarbeitung bis hin zu datengetriebenen Vorhersagen. Doch die Bereitstellung dieser Modelle stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Unterschiedliche Infrastrukturen, technische Anforderungen und Deployment-Prozesse machen es schwierig, KI-Modelle schnell und effizient zu implementieren. Edge-basierte Inferenz verteilt die Arbeitslasten lokal und reduziert so die Latenzzeit und verringert die Komplexität des Managements der Models.
Die Autorin: Elena Simon ist General Manager DACH bei Gcore, einem Anbieter von Public Cloud und Edge Computing, KI, Content Delivery (CDN), Hosting und Security-Lösungen.
(Bild: Gcore)
Die Bereitstellung von KI-Modellen ist traditionell mit erheblichem Aufwand verbunden. Für jede Umgebung – sei es Public Cloud oder On-Premises – müssen spezifische Konfigurationen vorgenommen werden. Das bindet nicht nur IT-Ressourcen, sondern verzögert auch die Time-to-Market neuer KI-Anwendungen. Hinzu kommt, dass unterschiedliche Anwendungen verschiedene technische Anforderungen haben, was die Integration zusätzlich erschwert. Die Folgen sind oft lange Implementierungszeiten, hohe Kosten, Performance-Einbußen und eine eingeschränkte Flexibilität bei der Wahl der Deployment-Umgebung. Wie also können Unternehmen diese Hindernisse überwinden?
In einer Forschungsarbeit mit dem Institut Polytechnique Paris schlugen Si Salem et. al. 2021 das Prinzip der Inference Delivery Networks vor (IDN): Netzwerke von Knoten, die Inferenzanfragen je nach Anforderung koordinieren und so den besten Kompromiss zwischen Genauigkeit, Latenz und Ressourcennutzung zu erzielen. Die Theorie: Der Algorithmus INFIDA (INFerence Intelligent Distributed Allocation) – eine verteilte dynamische Zuweisungspolicy. Gemäß dieser Policy aktualisiert jeder IDN-Knoten regelmäßig seine lokale Zuweisung von Inferenzmodellen. Die Entscheidungen werden auf Basis der jüngsten Anfragen und im Kontext der isolierten Instanzen getroffen. Die Strategie biete so starke Leistungsgarantien in auch in einem ungünstigen Umfeld. Numerische Experimente in realistischen Umgebungen zeigen, dass die Policy Heuristiken mit ähnlicher Komplexität übertrifft.
Revolution durch vereinheitlichtes Deployment
Eine serverlose KI-Bereitstellung über verteilte Netzwerk-Knotenpunkte vereinfacht die Bereitstellung von KI-Modellen grundlegend. Statt dass dedizierte Server für die Modellinferenz manuell bereitgestellt werden müssen, automatisiert die serverlose Inferenz den Prozess durch die dynamische Zuweisung der erforderlichen Rechenressourcen in Echtzeit.
Dieser Ansatz rationalisiert nicht nur die Bereitstellung von Modellen für maschinelles Lernen, sondern reduziert auch den betrieblichen Aufwand und die Kosten erheblich. Durch die automatische Skalierung auf Basis der Arbeitslast wird eine optimale Leistung in Zeiten hoher Nachfrage und eine effiziente Ressourcennutzung in ruhigeren Zeiten gewährleistet. Dadurch können sich die Entwickler mehr auf die Modellinnovation und weniger auf die Verwaltung der Infrastruktur konzentrieren.
Effizienzsteigerung durch dezentrale Verarbeitung
Die Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz basieren auf zwei wesentlichen Stufen: dem Training und der Inferenz von Modellen. Während in der Trainingsphase ein Modell anhand großer Datenmengen lernt, erfolgt in der Inferenzphase die Anwendung des trainierten Modells auf reale Nutzereingaben. Hierbei spielen Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Verfügbarkeit eine entscheidende Rolle.
Bei der KI-Inferenz ist es essenziell, dass Modelle in Echtzeit oder mit minimaler Verzögerung auf Anfragen reagieren können. Traditionelle, zentralisierte Cloud-Umgebungen können durch Netzwerkverzögerungen, Latenzen und hohe Entfernungen zu zentralisierten Rechenzentren beeinträchtigt werden. Eine vielversprechende Lösung für diese Herausforderung ist die Inferenz an den Netzwerkrand zu verlagern.
Edge-basierte KI-Inferenz: Konzept und Vorteile
Edge-basierte KI-Inferenz bedeutet, dass Modelle nicht zentral in entfernten Rechenzentren, sondern auf verteilten Knotenpunkten (Edge Nodes) nahe am Endnutzer betrieben werden. Das bietet zahlreiche Vorteile:
Geringe Latenz: Durch den Einsatz von Smart Routing werden Nutzeranfragen automatisch an den nächstgelegenen Edge-Node weitergeleitet, wodurch Verzögerungen minimiert werden.
Hohe Verfügbarkeit: Durch eine flexible, verteilte Infrastruktur können Anfragen auch bei Ausfällen einzelner Knoten weitergeleitet werden.
Effiziente Ressourcennutzung: Eine serverlose, flexible Infrastruktur skaliert die Rechenleistung nach Bedarf.
Kosteneffizienz: Bezahlt wird nur die tatsächlich genutzte Rechenleistung, was insbesondere für Unternehmen mit variabler Nachfrage attraktiv ist.
Technologische Grundlagen
Die Implementierung von Edge-basierter KI-Inferenz erfordert mehrere Schlüsseltechnologien:
1. Edge-Netzwerk: Dieses stellt eine niedrige Latenz sicher, indem es Anfragen dynamisch verteilt und eine intelligente Laststeuerung durchführt.
2. Serverlose GPU-Infrastruktur: Durch den Einsatz moderner Grafikprozessoren (GPUs) können KI-Modelle schnell geladen und ausgeführt werden. Die Architektur passt sich dynamisch an den Workload an.
3. Automatisiertes Routing und Monitoring: Smarte Routing-Algorithmen sorgen dafür, dass Anfragen immer an den optimalen Knoten weitergeleitet werden. Gleichzeitig wird die Verfügbarkeit kontinuierlich durch Healthchecks überprüft.
Theorie wird Praxis: Das erste IDN
Eine kürzlich angekündigte Partnerschaft zwischen der Northern Data Group und Gcore macht nun die ersten Schritte, diese Theorie umzusetzen. Die Grundlage dafür bildet ein globales Content Delivery Network (CDN) zusammen mit einer Software, die – ähnlich dem vorgeschlagenen INFIDA – KI-Inferenzen am Netzwerkrand bereitstellt und die Ressourcen in isolierten Instanzen verteilt. Die notwendige Rechenleistung bieten die GPU-Cluster von Northern Data. Dadurch wird effizientes Inferenz-Deployment auch für Unternehmen möglich, die sich kein eigenes Netzwerk aufbauen können oder dazu auf mehrere Drittanbieter und proprietäre Deployment-Lösungen angewiesen sind.
Vorbereitung des KI-Modells
Techniken wie Quantisierung und Destillation helfen dabei, Modelle mit den Produktionsrealitäten in Einklang zu bringen, insbesondere bei kostensensitiven oder Echtzeitanwendungen. Das Verpacken von Modellen in Container (z. B. über Docker) ermöglicht eine standardisierte, wiederholbare Bereitstellung in verschiedenen Umgebungen.
Eine effektive KI-Bereitstellung geht jedoch über Container hinaus und erfordert eine enge Integration mit einer Infrastruktur, die GPU-Beschleunigung, Versionierung, Überwachung und automatische Skalierung unterstützt. Tools wie Triton Inference Server oder TorchServe bilden in Verbindung mit Orchestrierungsplattformen wie Kubernetes die Grundlage für stabile, skalierbare Inferenzen.
Stand: 08.12.2025
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Bereitstellung des KI-Modells
Durch automatisierte Routing-Mechanismen werden Anfragen effizient an die am besten geeigneten Rechenressourcen weitergeleitet. Skalierungsmechanismen passen die Infrastruktur dynamisch an den Bedarf an, um eine konstante Leistungsfähigkeit zu gewährleisten. Zudem ermöglicht eine flexible Ressourcenverwaltung die Anpassung an unterschiedliche Anforderungen, wodurch eine hohe Effizienz und Kosteneffektivität sichergestellt werden.
Besonders wertvoll ist dabei Multi-Tenancy-Fähigkeit. Sie erlaubt es, verschiedene isolierte Nutzer und Anwendungsfälle auf derselben Infrastruktur zu bedienen, ohne Kompromisse bei Sicherheit oder Performance einzugehen. Diese Eigenschaft macht die Technologie besonders attraktiv für Unternehmen, die KI-Services für verschiedene Abteilungen oder externe Kunden bereitstellen möchten.
Verwaltung von KI-Modellbereitstellungen
Nach der Bereitstellung ist eine kontinuierliche Verwaltung des KI-Modells erforderlich, um Leistung, Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit sicherzustellen. Dazu zählen die Überwachung der aktiven Bereitstellungen, die Anpassung von Ressourcen und die Optimierung der Auslastung. Durch eine zentrale Verwaltungsschnittstelle können Parameter wie Skalierungsoptionen, Replikationsfaktoren und Umgebungsvariablen dynamisch angepasst werden. Zudem ermöglicht die Analyse von Systemprotokollen und Statusberichten eine effektive Fehlerdiagnose und Performance-Optimierung, wodurch eine stabile und effiziente Modellinferenz gewährleistet wird.
Der Innovationsmotor: Standardisierung und Automatisierung
Standardisierte, automatisierte Bereitstellungspipelines mit Containern und einheitlichen APIs bieten einen wiederholbaren, fehlerfreien Weg von der Entwicklung bis zum Einsatz. Diese Praktiken verkürzen die Bereitstellungszeit und schaffen eine Abstimmung zwischen Cloud-, On-premises- und Edge-Umgebungen.
Diese Standardisierung ermöglicht es Unternehmen, sich auf die eigentliche Wertschöpfung zu konzentrieren – die Entwicklung und Nutzung von KI-Modellen – statt Zeit mit technischen Implementierungsdetails zu verbringen. Die Automatisierung reduziert zudem die Fehleranfälligkeit und gewährleistet eine gleichbleibend hohe Qualität bei der Bereitstellung.
Wie die Technologie Branchen transformiert
Die Einsatzmöglichkeiten des vereinheitlichten Inferenz-Deployments sind vielfältig. Im Finanzsektor ermöglicht es die schnelle Bereitstellung von Modellen zur Betrugserkennung oder Risikobewertung. Im Gesundheitswesen können KI-Modelle zur Bildanalyse oder Diagnoseerstellung flexibel auf verschiedenen Systemen eingesetzt werden. Auch in der Industrie profitieren Unternehmen von der Möglichkeit, Modelle zur Qualitätskontrolle oder Predictive Maintenance schnell und unkompliziert zu implementieren.
Die Technologie unterstützt dabei nicht nur große Unternehmen mit eigenen KI-Teams, sondern macht KI-Deployment auch für kleinere Organisationen zugänglich. Durch die vereinfachte Bereitstellung können auch Teams ohne tiefgreifende KI-Expertise von den Vorteilen der Technologie profitieren.
Zukunftssicher durch Flexibilität
Das verteilte Inferenz-Deployment ist mehr als eine technische Innovation – es ist ein strategischer Enabler für die KI-Transformation von Unternehmen. Modelle schnell und flexibel bereitzustellen, schafft die Grundlage für agile KI-Entwicklung und -Nutzung. Unternehmen, die diese Technologie einsetzen, können nicht nur ihre Time-to-Market drastisch verkürzen, sondern auch flexibel auf neue Anforderungen und Chancen reagieren.
In einer Zeit, in der KI zunehmend zum Wettbewerbsfaktor wird, ist die effiziente Bereitstellung von Modellen entscheidend für den Unternehmenserfolg. Das verteilte Inferenz-Deployment ist damit ein wichtiger Baustein für die digitale Transformation und die zukunftssichere Ausrichtung von Unternehmen.