Kommentar von Dr. Marcell Vollmer, SAP Ariba

So verändern KI, Blockchain und Co. den Einkauf

| Autor / Redakteur: Dr. Marcell Vollmer / Nico Litzel

Der Autor: Dr. Marcell Vollmer ist Chief Digital Officer von SAP Ariba
Der Autor: Dr. Marcell Vollmer ist Chief Digital Officer von SAP Ariba (Bild: SAP Ariba)

Traditionell haben sich Einkaufsprofis der Beschaffung, dem Einkauf, der Vertragsvergabe sowie dem Zahlungsverkehr verschrieben. Mittlerweile hat sich ihre Rolle von einem taktischen zu einem strategischen Schwerpunkt entwickelt, da digitale Netzwerke und Cloud-basierte Technologien viele ehemals manuelle Prozesse übernehmen. Jüngste Innovationen wie Künstliche Intelligenz, Machine Learning oder auch Blockchain werden auch vor dem Einkauf keinen Halt machen und die Rolle im Unternehmen umgestalten.

Kosteneinsparung – das ist seit jeher das oberste Ziel in der Beschaffung. Doch während Kosteneinsparungen nach wie vor ein zentrales Ziel sind, hat die zunehmende Komplexität der Lieferketten neue Anforderungen geschaffen. Der Einkauf muss agiler, intelligenter werden, um Risiken minimieren und Prozesse beschleunigen zu können.

Im Durchschnitt verschwenden Unternehmen zwischen drei und vier Prozent der gesamten externen Ausgaben für unnötige Transaktionskosten, übermäßige Ineffizienz und Nichteinhaltung von Vorschriften. Für ein Unternehmen mit einem jährlichen Beschaffungsaufwand von zwei Milliarden US-Dollar kann die Vermeidung und Eliminierung dieser Schwachstellen 70 Millionen US-Dollar pro Jahr an unnötigen Kosten einsparen.

Die Digitalisierung hilft bereits vielen Unternehmen, Geschäftsmodelle zu überdenken, Prozesse zu verschlanken und zu beschleunigen sowie die Arbeit zu modernisieren. Neue Technologien und Unternehmensnetzwerke werden die Art und Weise, wie Waren und Dienstleistungen beschafft, verkauft und über alle Ausgabenkategorien gemanagt werden, neu definieren. Das sehen auch Einkaufsmanager laut einer aktuellen Studie von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt und SAP Ariba so: Denn 83 Prozent der Befragten sind sich sicher, dass die digitale Transformation wichtig für den Einkauf sein wird. Trotz dieser Einschätzung, arbeiten derzeit nur fünf Prozent mit hoch automatisierten Prozessen im Einkauf.

Die Chancen des Einkaufs

Gerade mit Blick auf die digitale Transformation kommt immer häufiger die Frage auf, ob es den Einkauf in Zukunft noch geben wird. Manche mögen sagen, dass sich der die Funktion, wie wir sie heute kennen, verschwinden wird und daraus eine durchweg automatisierte Funktion wird. Aber auch wenn Kosteneinsparungen nach wie vor oberste Priorität haben, hat die Beschaffung heute das einzigartige Potenzial, sich zu einem Schlüsselfaktor für Wertschöpfung, Zusammenarbeit und Innovation zu entwickeln. Dazu müssen Einkaufsverantwortliche neue Technologien, Business Netzwerke einführen und eine digitale Strategie definieren, um den Wandel erfolgreich vorantreiben zu können.

Innovationen werden den Einkauf revolutionieren

Business Netzwerke werden nicht nur schneller, sondern auch immer intelligenter und besser darin, aus riesigen Mengen von scheinbar zusammenhanglosen Daten wertvolle Einblicke gewinnen. Nicht zuletzt durch die gestiegenen Kundenanforderungen an einen reibungslosen Informationsaustausch in Echtzeit, sofortige Lieferung und Nachhaltigkeit, muss die Lieferkette reaktionsschneller und dynamischer denn je sein. Daher ist der Einsatz moderner Technologien und Innovationen unerlässlich, um die notwendige Agilität, Sicherheit und Transparenz in die Supply Chain zu bringen.

Der Einfluss von Innovationen wie Künstlicher Intelligenz, Blockchain und dem Internet of Things werden ganze Industriezweige und deren Beschaffungsfunktionen revolutionieren. Sie werden Unternehmen dabei helfen, Auskunft über die Herkunft von Waren und Inhaltsstoffen zu bekommen, die Effizienz zu steigern und vor allem das Vertrauen in Lieferanten, Kunden und Partner zu stärken.

CPO: Führungskraft mit höherem Zweck

Mit dem Aufkommen der digitalen Netzwerke verfügen Chief Procurement Officers über sehr viel bessere Methoden für die Wertschöpfung. Weil Einkäufer und Lieferanten in Echtzeit miteinander interagieren, können Führungskräfte im Einkauf die Kooperation fördern, neue Impulse für geben und strategischen Mehrwert schaffen, der Erfolg und Wachstum vorantreibt. Sie ermöglichen es dem CPO auch, sich auf strategische Prioritäten, wie die Stärkung der Lieferkettenresilienz, den Schutz der Marke gegen Drittschäden oder die Erschließung neuer Innovationsquellen zu konzentrieren.

Neben dem Einblick in Lagerbestände, Durchlaufzeiten und Umschlagshäufigkeit, stehen auch die Geschäftspartner im Mittelpunkt. Das liefert ihm Antworten auf Fragen wie: Verfügt ein Anbieter über die nötigen Governance-Strukturen um Zwangsarbeit, Menschenhandel und inhumane Arbeitsbedingungen auszuschließen? Ist sein Umgang mit natürlichen Ressourcen vertretbar? Verpflichtet er sich dazu, bei Unternehmen zu kaufen, zu deren Mitarbeitern Minderheiten und anderen benachteiligten Gruppen gehören? Maximale Transparenz ist mittlerweile die Voraussetzung für ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Kunden und Investoren. Man denke nur an das Reputationsrisiko, welches droht, wenn Zwangsarbeit innerhalb der Lieferkette aufgedeckt wird. Digitale Netzwerke sind daher ein ideales Mittel, um die Übersicht zu bewahren und die Compliance sicherzustellen.

Dank moderner Technologien können Einkaufsprofis exakt nachvollziehen, welche potenziellen Handelspartner die Markenwerte im Einklang mit ihren eigenen Werten halten. Der CPO hat also in Zukunft die Möglichkeit, das Leben von Menschen zu verbessern, sei es in ihren lokalen Communities oder auf der ganzen Welt.

Das intelligente Unternehmen

Mit dem Voranschreiten der Digitalisierung hat das Procurement das Potenzial den Weg hin zu einem agilen, intelligenten und innovativen Unternehmen zu ebnen. Die Zukunft des Einkaufs beginnt jetzt.

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