Es sind rund zwei Jahre vergangen, seit der KI-basierte Chatbot ChatGPT praktisch über Nacht zu einem weltweiten Phänomen wurde. Gerade für den Finanzsektor bietet Generative KI ein enormes Potenzial. So erwartet das Beratungshaus Deloitte, dass die weltweiten Top-14-Investmentbanken die Produktivität ihres Front-Offices mit Generativer KI um 27 bis 35 Prozent steigern können, was bis 2026 zu zusätzlichen Einnahmen von 3,5 Millionen US-Dollar pro Front-Office-Mitarbeiter führen würde.
Der Autor: Markus Rogger ist Regional Vice President DACH FS & I bei Appian
(Bild: Fotostudio T.W. Klein www.tw-klein.com)
Neben diesem Geschäftspotenzial stellt sich jedoch die Herausforderung, die Arbeitswelt im KI-Zeitalter neu zu gestalten, denn die Technologie wird einen erheblichen Einfluss auf die Zukunft der Arbeit haben. KI wirkt sich dabei auf zweierlei Weise auf die Arbeit aus: Einerseits vereinfacht sie in vielfacher Hinsicht die Arbeitsabläufe in Unternehmen. Sie besitzt ein enormes Potenzial zur Steigerung der Produktivität und Innovationsfähigkeit. Andererseits stellt sie das Management vor neue Herausforderungen, da sie zu neuen Spaltungen innerhalb der Belegschaft führen kann. Das wird besonders deutlich, wenn man verschiedene Hierarchieebenen und Generationen von Mitarbeitern im Unternehmen betrachtet.
Branchenfokus Finanzdienstleister und Versicherer
Für Finanzdienstleister und Versicherer ist die Schaffung einer für KI sensibilisierten Arbeitsumgebung essenziell, denn in diesem Sektor sind die Anwendungsmöglichkeiten von KI besonders umfassend. Es kristallisieren sich vier zentrale Anwendungsfälle heraus:
1. Prädiktive KI: Sie nutzt historische Daten, um zukünftige Ergebnisse vorherzusagen, beispielsweise für Investitionsempfehlungen oder autonomes Investitionsmanagement.
2. Klassifizierungs-KI: Sie kann Kunden basierend auf Transaktionshistorie und Präferenzen segmentieren und zum Beispiel Kreditanträge in verschiedene Risikokategorien einordnen.
3. Anomalie-Erkennungs-KI: Sie ist besonders wichtig für die Erkennung von Unregelmäßigkeiten wie verdächtige Transaktionen im Rahmen von Geldwäschebekämpfung und Betrugserkennung.
4. Generative KI: Sie kann natürlichsprachliche Eingaben verarbeiten, um personalisierte E-Mails, Finanzberichte und andere Dokumente zu erstellen.
Neben den Potenzialen der KI darf jedoch nicht der menschliche Faktor übersehen werden. Denn wie ein Werkzeug muss sie nach wie vor von Menschen bedient werden. Dabei können sich in der Nutzung und der Erfahrung beim Gebrauch von KI mehrere Probleme auf verschiedenen Ebenen ergeben.
Hierarchische Gräben: Führungskräfte machen andere Erfahrungen mit KI als ihre Angestellten
Eine Herausforderung besteht darin, dass KI zu neuen Wissensunterschieden innerhalb von Organisationen führt. Diese Tendenz ist in Forschungsergebnissen bereits klar erkennbar: Laut einer Untersuchung der Boston Consulting Group verwenden 80 Prozent der Führungskräfte regelmäßig Generative KI, während dies nur 20 Prozent der Mitarbeiter tun. Ebenso bewerten 62 Prozent der Führungskräfte das Potenzial von KI positiv – im Vergleich zu nur 42 Prozent der Angestellten.
Diese Diskrepanzen in der Haltung gegenüber KI könnten mit einem unterschiedlichen Verständnis der Technologie zusammenhängen. Die Studie zeigt, dass 44 Prozent der Führungskräfte KI-Schulungen erhalten haben, um ihre Kompetenzen zu erweitern und auf dem neuesten Stand zu bleiben – während nur 14 Prozent ihrer Mitarbeiter an der Basis ähnliche Schulungen absolviert haben. Das Wissen über den Umgang mit KI ist, ebenso wie die regelmäßige Anwendung, somit auf den verschiedenen Hierarchieebenen des Unternehmens ungleich verteilt.
Generationelle Gräben: Jüngere vs. ältere Mitarbeiter im Umgang mit KI
Die unterschiedliche Vertrautheit mit KI scheint zu weiteren Spaltungen innerhalb der Belegschaft zu führen, da die Generationen KI am Arbeitsplatz ebenfalls unterschiedlich nutzen. Studien zeigen, dass mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer über 35 Jahre am Arbeitsplatz KI nicht einsetzen, während 71 Prozent ihrer jüngeren Kollegen solche Tools bereits verwenden.
Diese generationsbedingten Unterschiede sind problematisch, da sie zu einer sich vertiefenden Kluft zwischen jüngeren und älteren Mitarbeitern führen könnten. Ältere Arbeitnehmer könnten ins Hintertreffen geraten und sich ausgeschlossen fühlen, da sie die Technologie nicht adäquat beherrschen und ihnen dadurch Nachteile entstehen.
Es ergeben sich zahlreiche Fragen: Wie bereiten Unternehmen ihre Mitarbeiter auf eine Zukunft vor, in der Menschen und KI kooperieren, um wichtige Entscheidungen zu treffen und komplexe Aufgaben zu bewältigen? Wie können sie KI sicher im gesamten Unternehmen implementieren? Wie stellen sie sicher, dass niemand zurückbleibt?
Gräben überwinden: Produktivitätssteigerung durch KI
Eines der größten Vorteile der Generativen KI ist ihre hohe Benutzerfreundlichkeit. Neue Anwender können in Rekordzeit angelernt und die Bearbeitungszeiten von Routineaufgaben minimiert werden. Im Bereich des Dokumenten- und Datenmanagements kann KI verwendet werden, um Dokumente zusammenzufassen, Informationen aus Recherchen zu extrahieren und Details für RFPs, Due-Diligence-Fragebögen und mehr zu sammeln. Das führt zu erheblichen Zeitersparnissen bei der Bearbeitung kritischer Identitätsdokumente und anderen zeitaufwendigen Aufgaben.
Zu Beginn dieses Jahres führten Wissenschaftler der Stanford University und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) die erste umfassende empirische Studie über die Auswirkungen Generativer KI auf Arbeitnehmer durch. Die Ergebnisse zeigen, dass Generative KI die Produktivität gering qualifizierter Arbeitnehmer am stärksten steigerte. Diese ersten Daten über die Effekte von Generativer KI verdeutlichen, dass sie Unternehmen enorme Möglichkeiten bietet, die Produktivität zu steigern und allen Mitarbeitenden gleiche Voraussetzungen zu bieten. Angestellte gewinnen mehr Zeit für Wert schöpfende Aufgaben.
Stand: 08.12.2025
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Um von der technologischen Entwicklung zu profitieren, müssen Unternehmen zügig handeln: Sie müssen die Gräben innerhalb der Belegschaft überbrücken und alle Angestellten mit den erforderlichen Fähigkeiten ausstatten.
Aufbau einer sicheren KI-Umgebung
Unternehmen sollten zu diesem Zweck eine inklusive KI-Kultur etablieren. Um die Vorteile von KI vollständig ausschöpfen zu können, müssen Führungskräfte ihre Teams über Hierarchien und Generationen hinweg in die Lage versetzen, diese Technologie sicher und effizient zu nutzen.
Hierfür müssen sie zunächst ein sicheres Umfeld schaffen, in dem Angestellte KI nutzen können. Das bedeutet, dass sie Rahmenbedingungen etablieren, unter denen KI kein Sicherheitsrisiko für Mitarbeiter oder die Organisation darstellt. Unternehmen müssen berücksichtigen, wie sie ihr geistiges Eigentum und ihre Beschäftigten vor den mit KI verbundenen Risiken schützen können, denn die weitverbreitete Nutzung von Public-AI-Anwendungen wie ChatGPT birgt auch Gefahren: Sämtliche in ihre Algorithmen eingegebenen Daten sind schließlich öffentlich zugänglich. Dadurch können vertrauliche Kundendaten und Betriebsgeheimnisse auch Cyberkriminellen oder Konkurrenten zugänglich werden.
Um dieses Risiko zu reduzieren, bietet sich als Lösungsansatz das private KI-Modell an. Es ermöglicht Unternehmen, sämtliche Daten, Algorithmen und die IT-Infrastruktur vollständig innerhalb der Organisation zu kontrollieren. Durch die Privatisierung verbleiben die gesamten KI-Modelle im Besitz der Organisation.
Keine Public AI und auch kein eigener Algorithmus? Private AI als Lösungsweg
Die Verwendung von Private-AI-Modellen bietet Unternehmen eine dritte Option zwischen Public-AI-Modellen und der Entwicklung und Implementierung eigener Modelle. Ersteres ist insbesondere bei sensiblen Daten riskant; Letzteres erfordert Fähigkeiten, Ressourcen und finanzielle Mittel, die viele Unternehmen nicht aufbringen können. Private AI hingegen ermöglicht es Unternehmen, maßgeschneiderte KI-Modelle zu implementieren, ohne selbst die dafür erforderlichen technischen Kompetenzen bereitstellen zu müssen. In diesem Szenario werden die KI-Modelle ausschließlich mit Daten trainiert, die der Organisation gehören oder zu denen sie Zugriff hat. Das Training von Daten in der eigenen KI-Umgebung verschafft dem Unternehmen mehr Kontrolle über die Datenbasis. Dadurch verbessern sich auch die Resultate. Maßgeschneiderte Algorithmen und Betriebsgeheimnisse sind geschützt. Das verschafft den Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil, schafft ein sichereres Umfeld für die Nutzung von KI und schützt vor allem die sensiblen Daten – von Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern.
Förderung einer KI-freundlichen Kultur durch umfassende Schulungen
Sobald eine solche sichere KI-Umgebung etabliert ist, müssen die Mitarbeiter geschult werden. Hierfür ist es wichtig, eindeutige Richtlinien für die Nutzung der Technologie im gesamten Unternehmen festzulegen und ein umfassendes Schulungsprogramm einzuführen, das alle Bereiche des Unternehmens abdeckt und auf die unterschiedlichen technischen Fähigkeiten und Erfahrungsniveaus zugeschnitten ist. Mit dieser Strategie befähigen Arbeitgeber ihre Angestellten, das Beste aus der KI herauszuholen und eine KI-freundliche Kultur zu etablieren.
Das fördert ein tiefgreifenderes Verständnis für die Technologie und eine deutliche Steigerung der Vorteile für das Unternehmen. Führungskräfte im Banken- und Versicherungswesen müssen sich bei der Implementierung Künstlicher Intelligenz zahlreicher branchenspezifischer und technischer Herausforderungen bewusst sein. Erst die Etablierung einer Arbeitskultur des Wissens und der Weiterbildung ermöglicht eine effiziente Arbeitsumgebung im KI-Zeitalter.