OpenText präsentierte sich auf der OpenText World Europe in München in Bestverfassung. Die Integration der Microfocus-Produkte ist gut vorangeschritten, neue und weiterentwickelte Lösungen wurden angekündigt, und der Umsatz ist in letzter Zeit stark gewachsen.
„Maschinen sollen die Arbeit machen“: Opentext-CEO Mark J. Barrenchea.
(Bild: OpenText)
OpenText sieht sich derzeit als weltweiter Marktführer im Bereich unternehmensweites Content Management. Der Umsatz ist in der letzten Zeit stark angestiegen. 2023 betrug er rund 4,5 Milliarden US-Dollar, ein Plus von rund 28 Prozent. Von denen wurden rund 1,7 Milliarden US-Dollar in der Cloud erwirtschaftet.
Das zweite Quartal 2024 lief noch besser: Der Umsatz betrug etwa 1,5 Milliarden US-Dollar und damit währungsbereinigt 68,2 Prozent mehr als im Vorquartal. Unter dem Motto: „Never send a human to do a machines job“ (ein Zitat aus dem bekannten Science-Fiction-Film Matrix) gab CEO und CTO Mark J. Barrenechea Ein- und Ausblicke in Strategie und Produktportfolio.
Europa ist ein strategischer Markt
„Europa ist für uns ein strategischer Markt“, betonte er. Von den rund 25.000 Mitarbeitern sind etwa 5.000 in Europa situiert. Kürzlich seien per Akquise gute Entwicklungsressourcen in Rumänien dazugekommen. Außerdem betreibt das Unternehmen im europäischen Raum drei Doppel-RZ, 13 Core-Datacenter und acht PoPs in unterschiedlichen Ländern. Außerdem, so Barrenechea im Gespräch mit Journalisten, ziele man jetzt auch auf den gehobenen Mittelstand als Kunden. Deshalb habe man in der letzten Zeit entsprechende Firmen akquiriert.
KI von Open Text mit Aviator
Im Mittelpunkt der Ankündigungen steht OpenTexts Aviator Suite, die sich als Ergänzung über alle Produktsäulen legt und die einbezogenen Informationsressourcen zusammenbindet. In ihnen lässt sich durch Aviator in Klartext und Sekundenschnelle recherchieren, auch wenn es sich um riesige Informationsmengen handelt.
Die Cloud-basierenden Aviator Platforms erfahren – wie alle OpenText-Produkte – vier Updates pro Jahr. Im Update 24.2 sind Neuerungen wie ein auf Vertica basierender Data Lakehouse Service. Aviator Search hat mehr Sicherheitsfunktionen, kann besser Informationen aus unterschiedlichen Dateiformaten auf natürlichsprachige Fragen extrahieren. Mit Aviator Thrust Studio erhalten Entwickler Unterstützung über den gesamten Softwareentwicklungsprozess hinweg.
Einstieg in die Verarbeitung von Streaming-Daten
Aviator IoT, eine auf Aviator basierende Lösung für Streaming-Sensordaten, wurde mit Nachverfolgbarkeit, Authentisierung und einem Data Lake für IoT-Eventdaten ausgerüstet. Barrenechea zeigte sich überzeugt, dass besonders die IoT-Lösung vor einer großen Zukunft stehe.
„In kurzer Zeit werden winzige RFID-Tags, die sich praktisch in alles integrieren lassen und nur wenige Cents kosten, eine Flut von IoT-Daten generieren, die wir dann verarbeiten können.“ Die Plattform enthält auch ein Modul für die Low-Code-Programmierung. Damit können Mitarbeiter ohne ausgefeilte Programmierkenntnisse selbst Software schreiben.
Content Aviator erlaubt die freisprachliche Inhaltsrecherche in OpenText Extended ECM, OpenText Core Content und OpenText Documentum. Weiter IT Operations Aviator, der in SMAX, eine ITSM (IT-Service-Management)-Plattform integriert ist. Auch Operations Bridge, ein privater intelligenter Assistent, wird mit Aviator angereichert. Weiter kommen DevOps Aviator für OpenText ValueEdge, eine Software für die Überwachung und Qualitätssicherung des gesamten Entwicklungsprozesses, Experience Aviator für Exastream und TeamSite, zwei Tools für die Kundenkommunikation, die sich mit Aviator stärker individualisieren lassen, sowie Accelerate with Aviator, eine umfassende eDiscovery-Lösung für den Rechtsbereich.
KI – zehnmal mehr Veränderung als Dotcom-Boom
Barrenechea betonte, dass der Entwicklungssprung, den die IT mit ChatGPT vollzogen habe, „der größte Moment meiner IT-Karriere ist.“ Die Veränderungsmacht, die Künstliche Intelligenz entfalte, sei zehnmal gewaltiger als die während der Dotcom-Ära. Es gehe darum, menschliche Fehler, die hinter vielen unerfreulichen Zwischenfällen stünden, zu eliminieren. Mithilfe von KI könne zudem die Geschwindigkeit der Ideenkreation vervielfacht werden.
Hinter Aviator steht übrigens ein von OpenText angereichertes Gemini-Modell von Google, das auf Vertex angelernt wurde. Später sollen weitere Modelle folgen. Das zum Aviator-Umfeld gehörende Projekt Athena, eine generative KI-Software, die selbst Code schreiben soll und derzeit in Version 1 vorliegt, wurden sämtliche Engineering-Daten aus dem OpenText-Fundus eingespeist – hier war sicher die Akquise von Microfocus besonders nützlich.
Tausende Modelle
Barrenechea glaubt wie viele nicht daran, dass die großen Sprachmodelle den Unternehmensmarkt dominieren werden. „Es wird Tausende Modelle geben, jedes mit sehr spezifischen Inhalten, die genau auf das Anwendungsgebiet zugeschnitten sind.“ Nur so könnten Unternehmen aus generativer KI wirklich große Vorteile ziehen. Aus diesem Grund könne man zukünftig auch externe Modelle an OpenText anflanschen. Außerdem gelte es deswegen, wirklich alle Daten aufzuheben, damit sie sich später als nützlich erweisen können. Die Storage-Spezialisten wird diese Nachricht freuen.
OpenTexts Supercloud: Titanium-X
Der zweite Schwerpunkt der Ausführungen von Barrenechea war Titanium-X. Hinter dieser Namenskreation verbirgt sich die Zielvorstellung für die OpenText Cloud in Version 25.2, die OpenText als Next Generation Autonomous Cloud sieht. Die Zielvorstellung wurde im Herbst 2023 angekündigt.
Stand: 08.12.2025
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Zu den geplanten Neuerungen in der OpenText Cloud gehört die runderneuerte Nutzerschnittstelle JATO UX (Jet-assisted Take Of User Interface), auch dies natürlich AI-enabled. Auf dem Weg zu Titanium-X können sich Unternehmenskunden schon heute auf neue, durch Aviator ermöglichte Cybersecurity-Funktionen freuen. Auch das IT-Servicemanagement und die Observability aus der Cloud heraus werden heute schon durch ein Aviator-angereichertes ITOM verbessert, das auch auf die Handhabung hybrider Multiclouds ausgerichtet ist.
Beispielsweise lassen sich im Rahmen des Cloud-Monitoring die Kosten und der Kohlendioxid-Ausstoß jeder einzelnen IT-Komponente in einer Umgebung auf Knopfdruck exakt ermitteln – allerdings nur die des Scope 1 und 2, der kritische Scope 3, also die Lieferkette, bleibt vorläufig draußen. Für die nötigen Daten greift das Unternehmen auf externe Dienstleister zurück.
Kunden steigen in KI ein
An einigen Kundenbeispielen aus dem deutschsprachigen Raum zeigte OpenText, wie Anwender von der Kooperation mit dem Anwender profitieren. Uniper-CTO Hans Petzold berichtete, sein Unternehmen habe sich bereits 2016 für eine Public-Cloud-First-Strategie entschieden. Außer den Daten, die aus technischen Gründen am Edge liegen müssten, gebe es nur noch Cloud, unter anderem die KI-Plattform von OpenText.
Bereits heute nutze Uniper 900 KI-Modelle, sämtlich durch Training auf eigenen Daten verfeinert. Gegenwärtig würden die Anwender durch MS Copilot breit an die KI-Nutzung gewöhnt. Zudem verwende man OpenText für das Wissensmanagement im Forschungs- und Engineering-Bereich.
Zeiss lobt Professional Services
Auch die auf optische Technologien spezialisierte, traditionsreiche Zeiss-Gruppe ist schon lange ein Kunde von OpenText. CIO Carsten Trapp lobte die enge Kooperation: „Die Professional Services von OpenText implementieren nicht und verschwinden dann, sondern helfen den Kunden, sich vollständig in die Produkte einzufinden.“
Derzeit ist Trapp mit der Migration auf S4/HANA und der Einführung von KI und Augmented Reality beschäftigt. Beides nutzt beispielsweise den Mikroskopen, die Zeiss für die Mikrochirurgie entwickelt. Trapp: „Die Entscheidung trifft der Arzt, aber er erhält eine viel bessere Unterstützung dabei.“