Zusätzlicher Schub für die Prozessdigitalisierung No-Code und KI – Synergie für die digitale Revolution

Ein Gastbeitrag von Thomas Schwarz * 5 min Lesedauer

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No-Code-Lösungen helfen dabei, Prozesse zu optimieren und die Digitalisierung voranzutreiben. In der Kombination mit Künstlicher Intelligenz ergeben sich neue, vielversprechende Möglichkeiten. Ein Gastbeitrag von Thomas Schwarz, CTO und Co-Gründer von smapOne.

Zusätzlicher Schub: Erreicht die Digitalisierung dank der Kombination aus No-Code und Künstlicher Intelligenz ungeahnte Sphären?(Bild:  Mohamed Hassan /  Pixabay)
Zusätzlicher Schub: Erreicht die Digitalisierung dank der Kombination aus No-Code und Künstlicher Intelligenz ungeahnte Sphären?

Oftmals scheitert die Prozessdigitalisierung aufgrund mangelnder Entwicklerressourcen. Dabei hat die Industrie mittlerweile Zugriff auf eine breite Palette von Technologien, um dieses Problem zu umgehen. Eine Lösung bieten beispielsweise No-Code-Tools, die es Mitarbeitenden ohne Programmierkenntnisse ermöglichen, eigene Anwendungen zu erstellen.

Solche Plattformen eignen sich insbesondere für die schnelle, dezentrale Digitalisierung von einfachen Prozessen in den Fachbereichen, sollte die Kapazität der oft überlasteten IT-Abteilungen nicht ausreichen. Die entsprechenden Tools werden direkt durch die Mitarbeitenden eingesetzt, die ihre Prozesse selbst am besten kennen und durch sie eigene Prozesslösungen ohne Programmier-Skills entwickeln und ihre Arbeit effizienter gestalten.

Dieser Ansatz, auch bekannt als „Citizen Development“, befähigt Angestellte, eigene Lösungen zu schaffen und die digitale Transformation im Unternehmen aktiv mitzugestalten – ohne eine Zeile Code zu schreiben. Dies beschleunigt den digitalen Wandel, spart Kosten und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit. Zudem ist dieser Ansatz in Bezug auf Flexibilität und Agilität kaum zu schlagen. Speziell in Bereichen, in denen sich Prozesse schneller ändern als sie digital abgebildet werden können, ist No-Code ein sinnvoller Weg zur digitalen Prozessgestaltung.

Die KI-Revolution macht auch vor No-Code nicht halt

Wie in anderen Bereichen bietet der durch ChatGPT und andere, sprachbasierte generative KI-Modelle (LLM/Large Language Models) offenbarte KI-Innovationsschub auch beim Citizen Development die Chance für einen echten Sprung nach vorne. Das Potenzial moderner, universell einsetzbarer KI-Modelle ist gewaltig und wird sowohl mit großer Euphorie und hohen Erwartungen als auch mit Bedenken betrachtet.

Moderne KI-Systeme sind bereits in der Lage, komplexe Anfragen oder Aufgaben zu verstehen und abzuarbeiten. Kombiniert mit dem „Domänenwissen“ großer LLMs über so ziemlich alles, was im Internet zu finden ist, kann KI die Effizienz der täglichen Arbeit in nahezu allen Fachbereichen spürbar steigern und existierende IT-Lösungen intelligenter machen.

No-Code- und Low-Code-Anbietern sind die vielfältigen Anwendungsmöglichen der neuen KI-Modelle nicht verborgen geblieben. Die Integration von KI in ihre Plattformen bietet die Chance für einen Quantensprung, den wir „AI-assisted Citizen-Development“ nennen. Die positiven Effekte gehen weit über reine Zeitersparnis hinaus und könnten der Innovationskraft zusätzlichen Schub verleihen:

  • Schnellere Erstellung von Anwendungen: Die Entwicklung von No-Code-Anwendungen per Drag-and-Drop wird durch KI revolutioniert. Wo Citizen Developer vordefinierte Anwendungsbausteine bislang in visuellen Designern angeordnet und konfiguriert haben, um eine App zu erstellen, kann heute ein erster Entwurf einer kompletten Anwendung per Beschreibung der Aufgabenstellung durch die KI generiert werden. Langfristig eröffnet das die Möglichkeit, komplette Anwendungen im „Gespräch“ mit der KI zur Einsatzreife zu bringen.
  • Umfangreiches Domänenwissen: Heutigen LLMs liegen alle gängigen Prozesse offen, die im Internet beschrieben sind. Im Dialog mit der KI bringen No-Code-Apps Prozess- und Fachwissen ein, das Citizen Developer vielleicht gar nicht besitzen. Ein Beispiel ist die Kenntnis gesetzlicher Vorgaben oder Anforderungen – von einfachen Themen bis hin zu nach ISO-Normen vorgeschriebenen Abnahmeprozessen. Die Vorschläge der KI sollten jedoch immer geprüft werden. LLM sind in dieser Disziplin nicht unfehlbar, aber die Qualität der Vorschläge und die Reduktion des Rechercheaufwandes sind bereits beachtlich.
  • Breitere Anwendungsspektren: KI erweitert das Anwendungsspektrum von No-Code-Apps durch Funktionen wie automatische Texterkennung, Bildanalyse und Vorhersagemodelle. So lassen sich auch anspruchsvollere Anwendungen realisieren. Bei No-Code-Anwendungen, die große Datenmengen erzeugen, können durch die Einbindung von KI-basierten Analysetools auch durch Citizen Developer wertvolle Erkenntnisse aus den gesammelten Daten gewonnen werden, die bei der Erstellung der Apps gar nicht im Vordergrund standen.
  • AI-Fähigkeiten, zuverlässiger Betrieb: Der Einsatz von KI-assistiertem Citizen-Development bietet Unternehmen bereits die Möglichkeit, die Kreativität von KI allen Angestellten zugänglich zu machen, ohne dabei erhebliche Risiken einzugehen. Die KI unterstützt den Citizen Developer bei der Entwicklung und Anpassung von Anwendungen. Die Qualität der entstehenden Apps, sicheres Hosting, Datenverarbeitung und die Gewährleistung von Compliance und Governance wird hingegen im täglichen Betrieb durch die No-Code-Plattformen sichergestellt.

Neues Futter für den Markt

Die weitere Entwicklung der No-Code-Plattformen wird stark von der anhaltenden Verschmelzung mit KI profitieren. Fortschrittliche Funktionen, einfachere und schnellere Entwicklung, vollständig dialogorientierte Entwicklung und Datenanalysefunktionen werden Use-Cases, die derzeit noch zu komplex für No-Code-Entwickler sind, in die Hände von Citizen Developern legen.

Für die Integration mit offenen Schnittstellen (API) und die Anbindung an existierende Back-End-Systeme ist dank AI-Unterstützung ebenfalls Besserung in Sicht. Ohne Scripting-Kenntnisse ist der Anforderungskomplex bisher nur schwer umzusetzen. AI und No-Code können dazu beitragen, dem Citizen Development weit mehr Use-Cases zu erschließen und einen weiteren Innovationsschub auszulösen.

Der Markt reagiert entsprechend optimistisch und erlebt ein rasantes Wachstum, was sich beispielsweise in der steigenden Anzahl von Plattformen, die sich auf verschiedene Aspekte des Marktes konzentrieren, widerspiegelt. Das Analystenhaus Gartner bewertet den Low-Code/No-Code-Markt global als das am schnellsten wachsende Segment auf dem Markt für Technologien zur Hyperautomatisierung – mit einem prognostizierten Marktwert von 12,3 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr.

Nach unseren Schätzungen gibt es derzeit weltweit etwa 1,5 Millionen Citizen Developer und rund 27,7 Millionen IT-Entwickler (Statista). Aufgrund der aktuellen Wachstumszahlen ist davon auszugehen, dass es bis 2033 zehnmal mehr Citizen Developer als professionelle Developer geben wird.

KI und No-Code gestalten die Zukunft der Digitalisierung

Die Symbiose von No-Code und Künstlicher Intelligenz ermöglicht nicht nur eine effizientere Digitalisierung, sondern schafft Raum für Innovation, Geschwindigkeit und Flexibilität in der Anwendungsentwicklung. In der Kombination helfen Citizen Development und KI, die Herausforderungen der digitalen Transformation erfolgreich zu bewältigen. Dies hilft Unternehmen, Kosten zu reduzieren, ihre Position am Markt langfristig zu stärken und sich sicher für die Zukunft aufzustellen.

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* Über den Autor
Als Vorstand der smapOne AG liegt der Fokus von Thomas Schwarz auf Produktentwicklung und Datensicherheit. Zuvor verantwortete er als Vice President das Anwendungsentwicklungsgeschäft eines IT-Beratungshauses mit rund 750 Mitarbeitern. Seine tiefgreifende Erfahrung in der Softwareentwicklung, speziell im Mobile-Business-Umfeld, konnte der studierte Diplom-Medienberater in unterschiedlichen Branchen als Berater, Teamleiter und Manager sammeln. Er besitzt die Fähigkeit, auch hochkomplexe Sachverhalte verständlich darzustellen und in die Sprache der jeweiligen Zielgruppe zu übersetzen.

Bildquelle: smapOne

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