Kommentar von Stephan Hierl, Kyndryl Deutschland Künstliche Intelligenz und der Fachkräftemangel im Mittelstand

Von Stephan Hierl 5 min Lesedauer

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Zahlreiche Studien haben bereits gezeigt, dass Künstliche Intelligenz (KI) ein Gewinn für die deutsche Wirtschaft darstellt. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) profitieren von KI, da sie u. a. ihre Kosteneffizienz steigern und die Interaktion mit ihren Kunden verbessern können. Die Herausforderungen, die KI effektiv zu nutzen, sind jedoch enorm.

Der Autor: Stephan Hierl ist CTO bei Kyndryl Deutschland(Bild:  Kyndryl Deutschland)
Der Autor: Stephan Hierl ist CTO bei Kyndryl Deutschland
(Bild: Kyndryl Deutschland)

KMU können KI-Anwendungen in nahezu allen Unternehmensbereichen einsetzen und damit neue Geschäftsfelder erschließen. Kein Wunder also, dass die Technologie der deutschen Wirtschaft einen Mehrwert von 330 Millionen Euro bringen soll. Allerdings zeigt sich hier ein Paradoxon, das die deutsche Wirtschaft besonders betrifft. Einerseits herrscht vor allem in der IT-Branche seit langem ein hausgemachter Fachkräftemangel. Andererseits gibt es Experten, die davon ausgehen, dass mithilfe von KI dieser Fachkräftemangel gelindert werden kann.

Doch wenn es aufgrund des Fachkräftemangels an Experten mangelt, die KMU bei der Implementierung von KI-Technologien unterstützen und sie bei möglichen Anwendungen beraten können – wie soll KI dann letztlich zur Lösung des Grundproblems beitragen? Neben dem Fachkräftemangel tragen auch fehlende finanzielle Ressourcen dazu bei, dass die sinnvolle Implementierung von KI für viele KMU noch unerschwinglich ist.

Der Mythos des rückständigen Mittelstands

Doch das sind nicht die einzigen Gründe, weshalb KMU bezüglich der KI ins Hintertreffen geraten könnte. Das allgemeine Narrativ, dass der Mittelstand nicht in die Digitalisierung und damit in Technologien wie KI investieren wollen, hält sich hartnäckig. Eine aktuelle Studie von Kyndryl spricht jedoch eine andere Sprache. Laut dieser gaben beispielsweise 41 Prozent der befragten Mittelständler an, ihre IT-Security und 27 Prozent ihre Cloud modernisieren zu wollen. 48 Prozent gehen davon aus, dass sie die Modernisierung weitgehend planmäßig durchführen. Nur 23 Prozent sehen derzeit überhaupt keinen Handlungsbedarf, ihre IT zu modernisieren. Als Ursachen werden wiederum hohe Kosten (43 Prozent) und fehlendes Fachpersonal (32 Prozent) genannt.

Interessant ist, dass auch hier der Fachkräftemangel mit 24 Prozent einer der wichtigsten Gründe für die Modernisierung und damit Automatisierung der IT ist. Ebenfalls 24 Prozent der Befragten sehen in der KI ein entscheidenden Faktor für die Modernisierung. Auch diese Umfrage zeigt: Hier beißt sich der Fuchs in den Schwanz. Vermutlich ist dieses Paradoxon kaum aufzulösen.

Anwendungsfälle bei der IT-Infrastruktur für KMU

Dennoch sollen die folgenden Anwendungsfälle den Unternehmern Anregungen geben, welche Schwerpunkte sie bei ihrer IT-Infrastruktur in Sachen KI setzen sollten, um ihre in der Regel begrenzten Ressourcen sinnvoll einzusetzen:

1. IT-Security: Die gute und böse Seite der KI

Kaum ein Thema in der IT ist für Unternehmen wichtiger als die IT-Security. Schließlich hängt von ihr auch der Geschäftserfolg ab. Immerhin will laut Umfrage fast die Hälfte der Befragten ihre IT-Infrastruktur in diesem Bereich modernisieren. Dabei ist KI in der Cybersecurity ein zweischneidiges Schwert: Cyberkriminelle haben beispielsweise mithilfe der KI hunderte von sogenannten Prompt Injections entwickelt, mit denen sie die Filter von Large Language Models (LLMs) umgehen und so Schadcode für Malware schreiben können.

Um dem entgegenzuwirken, müssen KMU Feuer mit Feuer bekämpfen. Daher ist es für Unternehmen unerlässlich, ihre Cyber-Resilienz mithilfe von KI zu verbessern. KI kann Muster und Anomalien in großen Datenmengen erkennen und so potenzielle Bedrohungen identifizieren. Sie kann auch verdächtige Formulierungen in Texten entdecken und dadurch Phishing verhindern. Da die Infrastrukturen immer komplexer werden, empfiehlt sich ein Sicherheitskonzept, das auf Edge-Architekturen spezialisiert ist.

2. Die Cloud und Mainframes: Optimale Migration von Workloads

Ein sehr fruchtbarer Ansatz für KI in der Cloud ist der Mainframe. Viele KMU nutzen Mainframes, da sie sehr leistungsfähig sind und Tag und Nacht ohne Unterbrechung genutzt werden können. Um Kosten zu sparen und ihre Infrastruktur zu modernisieren, migrieren viele Unternehmen ihre Mainframe-Workloads in die Cloud. So können sie diese auf verschiedenen Betriebssystemen und Architekturen laufen lassen. Die Herausforderung bei der Migration ist jedoch die Komplexität, da Mainframes hochspezialisierte Systeme mit spezifischen Anforderungen sind.

Die KI beschleunigt diesen Migrationsprozess, da sie ihn automatisiert. Sie ist dazu in der Lage schnell und effizient Mainframe-Anwendungscodes in moderne Sprachen (z. B. COBOL in Java) zu konvertieren. Hierdurch sind auch quantensichere Datenverschlüsselungen möglich, um die Sicherheits- und Regulierungsanforderungen der Kunden zu verbessern. Folglich können Unternehmen ihre Produktivität entsprechend steigern.

3. KI-integrierte Integrationsplattformen für die IT-Infrastruktur: Kosten sparen durch Geschäftsprozessoptimierung

Integrationsplattformen sind Vermittlungsschichten, die zwischen Integrationssoftware und Zielsystemen agieren. Mit ihrer Hilfe ist es z. B. möglich Geschäftsprozesse bestehender Arbeitsabläufe so zu modifizieren, dass sie einer vollständigen digitalen Bearbeitung zugänglich werden. Außerdem können Unternehmen mit ihnen bestehende und neue IT-Infrastruktur integrieren, um Medienbrüche zu vermeiden und eine durchgängige, weitgehend automatisierte Bearbeitung zu gewährleisten.

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Wird KI in eine solche Plattform, wie z. B. die Kyndryl Bridge, integriert, kann sie Muster in den Daten erkennen und automatisch auf Ereignisse reagieren. Sie kann auch Empfehlungen für Entscheidungen auf der Grundlage komplexer Daten geben. Auf diese Weise können Unternehmen ihre Geschäftsprozesse optimieren und beschleunigen. Darüber hinaus verbessert KI die Anpassungsfähigkeit einer Plattform. Kommen neue Systeme und Anwendungen hinzu, kann sie ihre Modelle automatisch aktualisieren.

Dies sind nur einige Beispiele für die Integration von KI in Geschäftsprozesse und IT-Infrastrukturen. Natürlich gibt es noch viele weitere – die Möglichkeiten sind gewaltig.

Mit kleinen Schritten zum Erfolg

KMU sollten sich jedoch nicht auf jede nächstmögliche Anwendung stürzen, da ihr Budget und die Anzahl ihrer Fachkräfte begrenzt sind. Daher sollten sie eher potenzielle Chancen identifizieren und sich auf einige einfache Ideen konzentrieren, um die Lernkurve zu erhöhen. Für Unternehmen mit Kundenkontakt ist es auch wichtig, einen ganzheitlichen Blick auf ihre technische Infrastruktur zu werfen, um die Gesamtbetriebskosten für das gesamte digitale Erlebnis ihrer Endkunden zu verstehen. Auf diese Weise wissen sie, wie sie die Kosten senken können.

Die KI ist eine Chance für einen grundlegenden Kulturwandel, um die historisch gewachsenen Silos zu durchbrechen. Es bietet sich die Gelegenheit innezuhalten und darüber nachzudenken welche Art von kulturellem und technologischem Wandel erforderlich ist, um die IT-Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Die Herausforderungen mögen zwar groß sein – die Chancen sind es aber auch.

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