Kürzlich ist die „TÜV-Weiterbildungsstudie 2024“ erschienen und in diesem Medium ein Artikel, der Defizite in der KI-Weiterbildung anmahnt. Als Vorstand eines der größten Anbieter von Online-Weiterbildung möchte ich dazu einige Denkanstöße geben.
Der Autor: Joachim Giese ist Vorstand der WBS Gruppe
(Bild: Achim Multhaupt)
Wir haben schon vor einiger Zeit spezielle Online- und Offline-Trainings für Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt und hatten zunächst die Befürchtung, dass wir zu spät dran sein könnten, mussten dann aber feststellen, dass das Gegenteil der Fall ist.
Konkret heißt das: Die oben genannte Studie zeigt zwar, dass 95 Prozent der Unternehmen Weiterbildungsmaßnahmen anbieten – je nach Branche mit unterschiedlichem Budget – was an sich sehr erfreulich ist.
Aber: Die Möglichkeiten der staatlich geförderten Weiterbildung werden in vielen Fällen nicht genutzt. Damit verschenken die Unternehmen eine große Chance, ihr Budget zu schonen bzw. Weiterbildung so umfassend einzusetzen wie es eigentlich notwendig ist.
Denn unter bestimmten Voraussetzungen werden ihnen die Kosten für die Weiterbildung komplett erstattet. Hinzu kommt, dass auch die Lohnkosten der Beschäftigten, die sich weiterbilden, bis zu 100 Prozent vom Staat übernommen werden. Möglich wird das unter anderem durch das sogenannte Qualifizierungschancengesetz (QCG).
Weiterbildung ist dringend notwendig
39 Prozent der Personalverantwortlichen erwarten in den nächsten Jahren einen stark steigenden Bedarf an KI-Weiterbildung, heißt es in der Studie. Warum also warten oder Budgets für Weiterbildung einsetzen, die im Unternehmen anderweitig verwendet werden könnten? Schließlich kann die Weiterbildung der Mitarbeiter staatlich gefördert werden.
Unserer Erfahrung nach liegt eine Antwort auf diese Frage in der Gestaltung des Antragsprozesses. Viele Unternehmer haben schlechte Erfahrungen mit der Beantragung staatlicher Fördermittel gemacht. Und selbst wenn man es geschafft hat, alle Unterlagen zusammenzutragen und den Antrag zu stellen, ist immer noch nicht klar, wie hoch die Förderung letztendlich ausfallen wird. Von Planungssicherheit ist man also weit entfernt.
Der Ausweg: Bei öffentlichen Fördermitteln gibt es die Möglichkeit, sich einen Partner zu suchen, der sich mit der Materie auskennt und bei der Beantragung unterstützt. Auch die Steuererklärung machen die wenigsten Unternehmer selbst, sondern suchen sich einen Steuerberater und damit einen Experten, der sich mit den Formalitäten auskennt. Genauso kann man sich einen Experten auf diesem Gebiet suchen.
Antrag auf staatliche Förderung mit Unterstützung stellen
Das Vorgehen, um staatliche Förderungen zu bekommen, sieht folgendermaßen aus:
1. Zunächst sollte man sich an die Bundesagentur für Arbeit wenden und den Bedarf abklären.
2. Im nächsten Schritt einen Anbieter suchen, der geförderte Weiterbildungen im Portfolio hat und bei der Strategiefindung helfen kann.
3. Gemeinsam mit dem Anbieter eine Strategie entwickeln, wie KI im Unternehmen integriert werden kann.
4. Aktiv vorangehen und die Möglichkeiten nutzen, die die neue Technologie bietet
Weiterbildung gegen Fachkräftemangel und den demografischen Wandel
Es ist nicht nachvollziehbar, warum nicht mehr Verantwortliche staatliche Fördermittel für die KI-Weiterbildung und natürlich auch für andere Formen der Qualifizierung ihrer Mitarbeiter in Anspruch nehmen. Denn dass uns ein großer Wandel bevorsteht – manche Experten sprechen sogar vom größten Wandel seit der industriellen Revolution –, daran zweifelt niemand.
Schon seit geraumer Zeit zeichnen sich gewaltige Veränderungen ab – vor allem wirtschaftlicher Art. Unternehmen, die sich nicht frühzeitig mit den Chancen und Risiken von KI auseinandersetzen, könnten ins Hintertreffen geraten und letztlich ihre Marktposition oder gar ihre Existenz gefährden.
Denn eines ist klar: KI-Geschäftsmodelle werden vor allem in den USA und China vorangetrieben. Das wirkt sich nicht nur auf die Börsenkurse der Unternehmen aus, sondern auch auf die tägliche Arbeit. Es wird in absehbarer Zeit kaum noch möglich sein, allein mit personellen Ressourcen mit den Unternehmen Schritt zu halten, die KI einsetzen.
Den Beschäftigten die Angst vor KI nehmen
Es geht nicht darum, Beschäftigte zu ersetzen. Vielmehr kann die Technik sie bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Ein Beispiel: Wir selbst setzen im Vertrieb einen KI-Bot ein. Er liefert in der Beratung sinnvolle Informationen, damit sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht selbst durch die vielen Möglichkeiten durcharbeiten müssen. Das stärkt die Beratung, weil das Gespräch viel individueller und zielgerichteter wird. Wir ersetzen aber nicht unsere Berater, sondern geben ihnen ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie effizienter arbeiten können. Wir erweitern ihr Spektrum und machen sie leistungsfähiger. Das muss das übergeordnete Ziel sein.
Wir dürfen die Entwicklung nicht verschlafen
Die Künstliche Intelligenz ist nicht Thema einer kleinen digitalen Elite im Unternehmen sondern betrifft nahezu jeden Mitarbeiter. Unternehmen sollten sich so früh wie möglich mit dem Thema auseinandersetzen.
Stand: 08.12.2025
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Zum Beispiel mit einem KI-Botschafter, der den Mitarbeitern im Unternehmen die Angst vor der neuen Technologie nimmt. Ein KI-Botschafter ist eine Person oder gar eine Gruppe von Personen im Unternehmen, die sich intensiv mit dem Thema KI beschäftigt und als Vermittler zwischen der Technologie und den Mitarbeitern fungiert.
Der KI-Botschafter kann den Beschäftigten die Funktionsweise und die Vorteile von KI erklären und ihnen so die Angst vor der neuen Technologie nehmen. Viele Beschäftigte befürchten, durch KI ersetzt zu werden. Daher ist es wichtig, klar zu kommunizieren, dass KI nicht als Ersatz, sondern als Unterstützung dient.
So können sie selbst erfahren, dass KI sie produktiver und effizienter macht und sie bei ihren täglichen Aufgaben unterstützt. Durch eine frühzeitige und aktive Auseinandersetzung mit dem Thema können Unternehmen sicherstellen, dass sie den Anschluss an die technologische Entwicklung nicht verpassen und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern. Gezielte Weiterbildung spielt dabei in jeder Phase eine wichtige Rolle.