KI und CT gegen verkohlte Geschichte KI macht antike Papyrusrollen lesbar

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Ein EU-finanziertes Forschungsprojekt unter Beteiligung der FAU Erlangen-Nürnberg setzt auf Künstliche Intelligenz (KI), um verkohlte Papyrusrollen aus Herculaneum virtuell zu entrollen und lesbar zu machen. Die Kombination aus Micro-CT-Scans, Machine Learning und Bildverarbeitung soll neue Maßstäbe bei der digitalen Texterschließung setzen.

Dr. Vincent Christlein vom Lehrstuhl für Mustererkennung der FAU ist im internationalen Forschungsteam dafür zuständig, den Algorithmus zu optimieren, mit dem die Papyri virtuell entrollt werden sollen.(Bild:  FAU/Boris Mijat)
Dr. Vincent Christlein vom Lehrstuhl für Mustererkennung der FAU ist im internationalen Forschungsteam dafür zuständig, den Algorithmus zu optimieren, mit dem die Papyri virtuell entrollt werden sollen.
(Bild: FAU/Boris Mijat)

Die Papyrusrollen aus der antiken Bibliothek von Herculaneum gelten als einzigartig. Rund 1.800 Dokumente sind erhalten, fast vollständig verkohlt, aber strukturell intakt. Ein internationales Forschungsteam, darunter die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), will sie nun mithilfe von Künstlicher Intelligenz wieder lesbar machen.

Mit dem Projekt „UnLost“ verfolgt das Konsortium das Ziel, neue Verfahren der digitalen Texterschließung zu entwickeln. Der Europäische Forschungsrat fördert das Vorhaben mit rund 11,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von sechs Jahren. Im Fokus steht dabei nicht nur die Erkennung der Schriftzeichen, sondern auch die digitale Rekonstruktion deformierter Papyrusschichten.

Bis heute sind die die verkohlten und miteinander verklebten Papyrusrollen aus dem antiken Herculaneum größtenteils unlesbar. Ein internationales Projekt unter Beteiligung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) will das nun ändern: Durch die Kombination und Weiterentwicklung modernster Techniken wollen die Forschenden die Aufzeichnungen rekonstruieren.(Bild:  S. Bailey, EduceLab/The University of Kentucky)
Bis heute sind die die verkohlten und miteinander verklebten Papyrusrollen aus dem antiken Herculaneum größtenteils unlesbar. Ein internationales Projekt unter Beteiligung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) will das nun ändern: Durch die Kombination und Weiterentwicklung modernster Techniken wollen die Forschenden die Aufzeichnungen rekonstruieren.
(Bild: S. Bailey, EduceLab/The University of Kentucky)

Micro-CT trifft Machine Learning

Zentraler technologischer Baustein ist die Kombination aus hochauflösenden Micro-CT-Scans und Machine-Learning-Algorithmen. Die CT-Scans liefern Einblick in die komplexen inneren Strukturen der Rollen. KI-gestützte Verfahren sollen dann helfen, Schrift von Materialartefakten zu trennen – ein bisher ungelöstes Problem, insbesondere bei stark geschädigten Artefakten.

„Die Unterscheidung zwischen Schrift und Hintergrund ist selbst für trainierte Augen extrem schwer“, sagt Dr. Vincent Christlein vom Lehrstuhl für Mustererkennung an der FAU. Seine Arbeitsgruppe konzentriert sich auf das Training von Algorithmen, die feine Kontraste erkennen und systematisch verarbeiten können.

Neue Verfahren für 3D-Fehlererkennung

Zusätzlich testen die Projektpartner alternative bildgebende Verfahren wie 3D-Mikroskopie und photoakustische Bildgebung, um Klebungen und unregelmäßige Schichtungen innerhalb der Rollen zu erkennen und digital zu rekonstruieren.

So sollen Textfragmente in ihrer originalen Leserichtung virtuell entrollt werden – ohne die Papyrusrollen physisch zu beschädigen.

Einmalige Datenbasis

Die Herculaneum-Sammlung umfasst schätzungsweise 4,5 Millionen Wörter. Damit übertrifft sie die Bibel oder die Texte von Qumran deutlich. Es handelt sich um die einzige bekannte antike Bibliothek, die noch an ihrem ursprünglichen Ort erhalten ist.

Die digitale Entschlüsselung der Rollen gilt daher als eine der bedeutendsten Aufgaben der digitalen Geisteswissenschaften.

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