Produktivität im KI-Zeitalter KI erzeugt Fake-Effizienz: Asana warnt vor der neuen Busywork-Falle

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Automatisierte Status-Updates, Textentwürfe auf Knopfdruck und Berichte in Sekunden – laut Asana ist die Effizienzrevolution der Künstliche Intelligenz (KI) nur Fassade. Statt Routinearbeit zu reduzieren, produziert Künstliche Intelligenz eine neue Welle nutzloser Aufgaben: „Workslop“.

KI verspricht Effizienz, produziert aber neuen Leerlauf: Laut Asana entsteht durch unreflektierte Automatisierung eine Welle digitaler Scheinproduktivität.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
KI verspricht Effizienz, produziert aber neuen Leerlauf: Laut Asana entsteht durch unreflektierte Automatisierung eine Welle digitaler Scheinproduktivität.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Künstliche Intelligenz (KI) soll Zeit sparen, doch laut der Analyse „State of AI work“ von Asana geschieht das Gegenteil. Während 70 Prozent der Beschäftigten inzwischen regelmäßig KI einsetzen, erreichen digitale Erschöpfung (84 Prozent) und untragbare Arbeitslasten (77 Prozent) neue Rekordwerte. Der Grund: KI-Systeme entlasten nicht – sie verschieben die Arbeit.

Forscher der Stanford University und von BetterUp Labs nennen das Phänomen „Workslop“. Gemeint sind Ausgaben, die zwar professionell aussehen, aber inhaltlich mangelhaft sind – etwa Berichte mit veralteten Daten oder Zusammenfassungen ohne Kontext. Was nach Fortschritt aussieht, sei in Wahrheit „polierte Verwirrung“. Jede dieser fehlerhaften KI-Leistungen verursache laut Studie durchschnittlich 186 US-Dollar Mehraufwand pro Mitarbeiter und Monat. Hochgerechnet auf 10.000 Angestellte würde das über neun Millionen Dollar jährlich ergeben – für vermeintliche Effizienz.

In einem Beitrag auf LinkedIn beschreibt Asana „Workslop“ als schleichendes Gift für Organisationen. Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass solche KI-Ergebnisse das Vertrauen in Kollegen mindern. Jeder Dritte würde ungern erneut mit denselben Personen zusammenarbeiten. Vertrauen und Teamdynamik bröckeln – leise, aber deutlich.

Das Problem liegt laut Asana nicht in der Technologie, sondern in der Art, wie sie implementiert werde. Wissensarbeiter verbringen ohnehin über die Hälfte ihrer Zeit (55 Prozent) mit Busywork – E-Mails, Meetings, Statusberichte. Wird KI unreflektiert in diese Prozesse integriert, vervielfacht sie die Ineffizienz statt sie zu beheben.

Auch wirtschaftlich bleibe der versprochene Durchbruch aus. Trotz Milliardeninvestitionen – etwa in generative Modelle und Agentic-AI-Infrastrukturen – sehen viele Unternehmen keinen messbaren Return on Investment. Während 90 Prozent der IT-Fachkräfte laut Google-DORA-Report KI-Tools nutzen, prognostiziert Gartner, dass bis 2027 rund 40 Prozent der Agentic-AI-Projekte scheitern. Auf Analystencalls feiern Vorstände das KI-Potenzial, in ihren Finanzberichten führen sie es zugleich als Risikofaktor.

Asana warnt vor einem gefährlichen Trugschluss: „Wir verwechseln Bewegung mit Fortschritt.“, heißt es im LinkedIn-Beitrag. Viele Organisationen behandelten KI wie einen „magischen Effizienzknopf“, der alte Probleme automatisch lösen solle. Doch wer defekte Prozesse automatisiere, multipliziere Chaos.

Um aus der „Workslop-Spirale“ auszubrechen, fordert Asana ein komplettes Redesign der Arbeitsorganisation. Dazu gehören neu gedachte Workflows, gezielte Schulungen für Mitarbeitende und klare Messsysteme für Wirkung und Qualität. Nur so lasse sich verhindern, dass KI die bestehenden Dysfunktionen weiter beschleunigt.

Die Quintessenz: KI kann Arbeit erleichtern – aber nur, wenn sie in funktionierende Systeme eingebettet werde. Andernfalls drohe der Traum von der Automatisierung zum teuersten Missverständnis der modernen Arbeitswelt zu werden.

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