Alteryx bei Siemens Energy Evolution statt Disruption

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Nico Litzel

Geht es um die bessere Nutzung von Daten für das Business, steht häufig die Vorstellung disruptiver Geschäftsprozesse und völlig neuer Geschäftsmodelle im Vordergrund. Doch auch ohne solche Quantensprünge können neuartige Tools sehr viel Nutzen stiften. Das zeigt das Beispiel Siemens Energy.

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Siemens Energy nutzt Mindsphere, um Digital Twins zu erstellen und so digitale Daten zum Herz seiner Produktions- und Dienstleistungsprozesse zu machen.
Siemens Energy nutzt Mindsphere, um Digital Twins zu erstellen und so digitale Daten zum Herz seiner Produktions- und Dienstleistungsprozesse zu machen.
(Bild: Westend61 / Daniel Ingold)

Es ist noch nicht lange her, dass Siemens das Energiegeschäft endgültig vom Mutterkonzern getrennt und geschäftlich verselbständigt hat. Wie immer bei solchen Prozessen, muss sich nun das neue Unternehmen Schritt für Schritt vollständig auf eigene Füße stellen.

Dazu gehört auch der Aufbau einer neuen IT- und Informationsarchitektur, die genau auf die Bedürfnisse des Marktes, in dem sich das Unternehmen bewegt, und sein Geschäftsmodell, nämlich zukunftstaugliche Energielösungen, zugeschnitten ist. Dieser Markt steht im Zentrum der dringend angepeilten Energiewende. Deshalb erfordert er wie kein anderer den Einbezug sehr vielfältiger Informationsquellen und ein schnelles Controlling von Projekten, um kostspieligen Fehlentwicklungen rechtzeitig entgegenzutreten.

Doch genau diese Konsolidierung vieler interner und auch externer Datenquellen war bisher sehr zeitaufwendig. Zwar war das Unternehmen jederzeit im Stande, seine Geschäfte und Projekte präzise zu überwachen – allerdings ließen sich viele Prozesse optimieren.

Ziele: Die Mitarbeiter in die Digitalzukunft mitnehmen, beschleunigen, flexibilisieren

Die Mitarbeiter im Projektcontrolling brauchten relativ lange, um die für die regelmäßigen Reportings notwendigen Informationen zu sammeln. Sie zogen manuell Datei-basierte Projektreports aus dem SAP-System. Anschließend wurde diese Dateien in die involvierten Fachabteilungen gesendet und dort von Mitarbeitern manuell um weitere Projektdaten ergänzt, überarbeitet, kontrolliert und in einer weiteren Runde finalisiert. Schließlich übernahm das Controlling die finale Prüfung, konsolidierte die Daten und bereitete sie auf, um sie abschließend dem Management vorzulegen. Der gesamte Ablauf konnte bis zu sieben Arbeitstage dauern.

Deshalb entschied sich Siemens Energy, in einen hochmodernen digitalen Arbeitsplatz für seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu investieren. So sollten alle befähigt werden, die nötigen Daten sehr viel schneller und möglichst automatisiert zu beschaffen und sie zu aussagefähigen Informationen zu verdichten.

Ziel war vor allen Dingen, Mitarbeiter auch ohne umfangreiche und teure Weiterbildungen zu befähigen, ihre Aufgaben stärker von Daten unterstützt wahrzunehmen. Insbesondere wollte Siemens Energy die vorhandene Belegschaft mit in die neue, datengetriebene Zukunft nehmen.

„Bei Siemens Energy Generation Solutions setzen wir die Alteryx-Plattform global ein. Die Lösung automatisiert wiederkehrende manuelle Tätigkeiten und steuert den Datenfluss. Dadurch können sich die Mitarbeiter schneller an Veränderungen im operativen Geschäft, in der Organisationsstruktur und an neue Anforderungen anpassen“, sagt Michael Loew, Financial Head, Siemens Energy Generation Solutions.

Weiterbildung verringert demografische Lücke im Arbeitsplatzangebot

„Daten fürs Geschäft besser zu nutzen, bedeutet längst nicht, dass dafür ein disruptives Geschäftsmodell notwendig ist – evolutive Verbesserungen einzelner Prozesse können einen hohen Mehrwert bringen“, sagt Tom Becker, Deutschland-Chef und Vice President Central Europe bei Alteryx.
„Daten fürs Geschäft besser zu nutzen, bedeutet längst nicht, dass dafür ein disruptives Geschäftsmodell notwendig ist – evolutive Verbesserungen einzelner Prozesse können einen hohen Mehrwert bringen“, sagt Tom Becker, Deutschland-Chef und Vice President Central Europe bei Alteryx.
(Bild: Alteryx)

Besonders wichtig sind solche Self-Service-Ansätze in Deutschland, wo auf den Arbeitsmärkten ein notorischer, demografisch verursachter Mangel an jungen Fachkräften herrscht. Nach einer aktuellen Prognose von Deloitte (Jobs der Zukunft, November2020) könnten in den kommenden 15 Jahren über eine Million Arbeitsplätze durch neue Technologien verloren gehen, aber gleichzeitig zwei Millionen neue entstehen, für die jedoch dann häufig im Inland passende Bewerber fehlen könnten.

Tom Becker, Deutschland-Chef und VP Central Europe bei Alteryx: „Wir brauchen Konzepte, die es leichter machen, sich mit vertretbarem Aufwand beim Thema Datenanalyse weiterzubilden, um anschließend Werkzeuge für Self-Service-Analysen zu nutzen.“ Das Unternehmen ist seit 2016 mit einer Filiale in der Münchner Innenstadt vertreten und beschäftigt dort inzwischen 35 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Die Alteryx APA Platform, eine Engine für Analytical Process Automation, sei dafür ein Beispiel, betont Becker. Schon in 120 Stunden Weiterbildung sei es für Beschäftigte, die bereits mit Daten umgehen, möglich, zu einem Datenanalysten zu werden, der vielleicht keine neuen Technologien und Analyseprogramme entwickelt, aber immerhin mittels der Alteryx-Werkzeuge am eigenen Arbeitsplatz schneller sinnvolle Einsichten produzieren könne.

Schritt für Schritt zu informationsgetriebenen Entscheidungen

„Man kann Daten auch durch schrittweise Weiterentwicklung der bisherigen Infrastruktur statt durch komplette Disruption stärker in den Mittelpunkt rücken und informationsgetriebene Entscheidungen ermöglichen“, ist Becker überzeugt. Doch was ist und was tut die Alteryx APA Platform genau?

„Anders als Robotic Process Automation, bei der sich die Funktionen meist auf das reine Auslesen von Daten beschränken, lassen sich mit APA innere Zusammenhänge zwischen den Daten abbilden, wodurch wertvolle Informationen für fundierte Business-Entscheidungen entstehen“, erklärt Becker. Daten können aus allen möglichen Quellen, etwa den internen ERP-, Sales- oder sonstigen Lösungen eingelesen, konsolidiert und analysiert werden. Außerdem ermöglicht das Tool, Daten, die sich als Ergebnis der Analysen am Arbeitsplatz ergeben, wieder zurück in die übrigen Business-Lösungen zu spielen. Das können Visualisierungs- oder RPA-Lösungen nicht.

Ein intelligenter, modularer Arbeitsplatz für die Wissensverarbeitung

Bei Siemens Energy arbeiten die Mitarbeiter im Projektcontrolling mit einem intelligenten Arbeitsplatz, der sich aus mehreren Softwarekomponenten zusammensetzt: der Alteryx APA Platform, der Visualisierungslösung Tableau sowie dem RPA-Tool UiPath. Dieses Plattform lässt sich bei Bedarf vielfältig weiterentwickeln.

Einige Möglichkeiten: Ein Low-Code-Werkzeug wie Mendix könnte auch Nichtprogrammierern helfen, ihre eigenen Analyseroutinen zu schreiben. Eine Software für das Process Mining wie Celonis könnte dafür sorgen, dass unternehmensweit jeder Prozess durchleuchtet und viele Daten über ihn generiert werden. Dazu findet man an einem digitalen Arbeitsplatz häufig noch eine Filesharing-Applikation sowie zentralen Cloud-Speicher, um Daten gemeinsam zu nutzen oder auszutauschen. „Wird alles über eine intelligente Datenzentrale wie die Alteryx APA Platform zusammengeführt, beschleunigt das Prozesse rund um die Datenanalyse erheblich“, sagt Becker.

Das Alteryx-System ist bei Siemens Energy auf den Desktops der Mitarbeiter installiert und ergänzt die bestehenden Office-Anwendungen. Eine Cloud- respektive Multicloud-Variante befindet sich in Vorbereitung.

Mehr Zeit fürs Wesentliche

Die Effekte von Alteryx APA Platform sind durchaus messbar: Bei Siemens Energy etwa dauert ein voll digitaler Projektcontrolling-Durchlauf es jetzt nur noch halb so lang, nämlich drei statt sieben Arbeitstagen. Die gewonnene Zeit können Mitarbeiter nutzen, um beispielsweise nach weiteren Möglichkeiten für Kostenoptimierungen zu forschen. Außerdem werden durch die automatisierten Prozesse der Plattform viele manuelle Fehler, etwa bei der Integration unterschiedlicher Informationsquellen in Excel, vermieden.

Die wichtigste Auswirkung ist allerdings ein verändertes Denken der Mitarbeiter. Johanna Laurer, VP Applications Management, Siemens Energy Solutions: „Innovative, datengetriebene Technologien sind für uns entscheidend, um Kundenanforderungen besser zu verstehen und eine Kultur zu schaffen, die Talente anzieht, während wir den Energiewandel von morgen weiter vorantreiben.“

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lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger