Aktuelle Entwicklungen und konkrete Anwendungen Entwickler als Dirigenten der KI – die Evolution zum Orchestrator

Von Dr. Heike Diller & Florian Kandlinger * 5 min Lesedauer

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Die Welt der Softwareentwicklung befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Mit dem Aufkommen von Künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen verändern sich nicht nur die Werkzeuge, die Entwickler nutzen, sondern auch ihre grundlegende Rolle im Entwicklungsprozess. Entwickler werden zunehmend zu Dirigenten, die KI-Systeme orchestrieren, anstatt jeden einzelnen Codebaustein manuell zu schreiben.

Die Rolle von Entwicklern ändert sich: Sie orchestrieren KI-Systeme, steuern Datenströme, integrieren Technologien und gestalten die Zukunft der Softwareentwicklung.(Bild:  KI-generiert)
Die Rolle von Entwicklern ändert sich: Sie orchestrieren KI-Systeme, steuern Datenströme, integrieren Technologien und gestalten die Zukunft der Softwareentwicklung.
(Bild: KI-generiert)

Traditionell waren Softwareentwickler dafür verantwortlich, Code von Grund auf zu schreiben. Sie nutzten Programmiersprachen, um Algorithmen zu implementieren, Datenstrukturen zu verwalten und Softwarelösungen für spezifische Probleme zu erstellen. Dieser Ansatz erforderte ein tiefes Verständnis der zugrunde liegenden Technologie und einen hohen Grad an Detailgenauigkeit.

Die Einführung von KI in der Softwareentwicklung

Mit der Integration von KI in den Entwicklungsprozess haben sich die Werkzeuge und Methoden erheblich weiterentwickelt. KI-gesteuerte Tools wie intelligente Codevervollständigung, automatische Fehlererkennung und sogar das Generieren von Code aus natürlichen Sprachbeschreibungen sind inzwischen Realität. Beispiele hierfür sind GitHub Copilot und ähnliche Assistenzsysteme, die Entwicklern helfen, effizienter zu arbeiten.

Entwickler als Orchestratoren

Die Rolle des Entwicklers verschiebt sich von der manuellen Codierung hin zur Verwaltung und Integration von KI-generierten Komponenten. Entwickler werden zu Orchestratoren, die:

  • KI-Tools verwalten und deren Ergebnisse integrieren: Anstatt jeden Code selbst zu schreiben, nutzen sie KI, um Codefragmente zu generieren und passen diese an die spezifischen Anforderungen an.
  • Auf höherer Ebene planen und entwerfen: Der Fokus liegt mehr auf der Architektur und dem Design der Software, weniger auf der Implementierung einzelner Funktionen.
  • Die ethische Nutzung von KI sicherstellen: Entwickler müssen sicherstellen, dass die von KI generierten Lösungen ethischen Standards entsprechen und keine Vorurteile oder diskriminierenden Muster enthalten.
  • Qualitätssicherung und Validierung: Obwohl KI bei der Codeerstellung hilft, bleibt die Verantwortung für die Funktionalität und Sicherheit der Software beim Entwickler.

Vorteile und Herausforderungen

Die Integration von Künstlicher Intelligenz in den Softwareentwicklungsprozess markiert einen bedeutenden Wendepunkt in der Technologiebranche. KI-gestützte Werkzeuge und Methoden bieten enorme Potenziale, die Effizienz zu steigern, die Codequalität zu verbessern und die Markteinführung von Produkten zu beschleunigen. Gleichzeitig bringen sie jedoch auch neue Herausforderungen mit sich, die von der Notwendigkeit eines veränderten Skillsets bis hin zu ethischen und rechtlichen Fragen reichen.

Vorteile

  • Erhöhte Effizienz: Routineaufgaben werden automatisiert, wodurch Entwickler mehr Zeit für kreative und komplexe Aufgaben haben.
  • Verbesserte Codequalität: KI kann potenzielle Fehler frühzeitig erkennen und Best Practices fördern.
  • Schnellere Markteinführung: Durch beschleunigte Entwicklungszyklen können Produkte und Features schneller veröffentlicht werden.
  • Bessere Zusammenarbeit: KI-Tools können die Kommunikation im Team verbessern, indem sie Informationen konsolidieren und zugänglich machen.

Herausforderungen

  • Neues Skillset erforderlich: Entwickler müssen sich mit KI-Technologien vertraut machen und lernen, sie effektiv zu nutzen.
  • Vertrauen in KI-Ergebnisse: Es kann schwierig sein, sich auf von KI generierten Code zu verlassen, insbesondere wenn die Funktionsweise der KI nicht vollständig transparent ist.
  • Schwierigkeiten bei der Prüfung von IP-Rechten: Generierte Inhalte sind oft schwer eindeutig einer Quelle oder einem rechtlichen Urheber zuzuordnen.
  • Ethische und rechtliche Aspekte: Die Nutzung von KI wirft Fragen zu Datenschutz, Sicherheit und Verantwortung auf.
  • Abhängigkeit von Technologie: Eine zu starke Abhängigkeit von KI-Tools könnte zu Problemen führen, wenn diese ausfallen oder nicht wie erwartet funktionieren.

Beispiele für KI-gestützte Softwareentwicklung bei msg

In folgenden Projekten wird Künstliche Intelligenz gezielt eingesetzt, um den Entwicklungsprozess zu optimieren. Die KI unterstützt die Softwareentwickler durch Code-Analyse, automatisierte Testgenerierung, intelligente Modellierung und effizientes Projektmanagement. Dies führt laut unserer branchenspezifischen Studie nachweislich zu Produktivitätssteigerungen von bis zu 20 Prozent, einer verbesserten Codequalität und schnelleren Entwicklungszyklen. Ob sich diese Ergebnisse verallgemeinern lassen, ist Thema zukünftiger Forschungen.

Versicherungsbranche

msg entwickelt derzeit für eine große Versicherung ein neues Kundenmanagement-System, das komplexe Versicherungsverträge effizient verwaltet und an neue regulatorische Anforderungen anpasst. Die Softwareentwickler nutzen dabei eine KI-gestützte Code-Analyse-Plattform, die den geschriebenen Code in Echtzeit auf Fehler, Sicherheitslücken und Optimierungspotenziale überprüft. Die KI lernt aus früheren Code-Basen und Best Practices und gibt den Entwicklern automatisierte Vorschläge zur Verbesserung von Performance und Sicherheit. Zudem generiert die KI automatisiert Unit-Tests und erleichtert so das Testen und die Qualitätssicherung.

IT-Sicherheit

Eine innovative Softwarelösung, die den Prozess der Erstellung von Berichten nach Penetrationstests automatisiert und optimiert gehört ebenfalls zum Portfolio von msg. Das Tool ermöglicht Sicherheitsexperten, die Ergebnisse von Sicherheitstests effizient zu sammeln, zu analysieren und in aussagekräftige Berichte umzuwandeln, die für verschiedene Zielgruppen angepasst sind – von technischen Entwicklern bis hin zum Management.

Bei der Entwicklung setzen die Softwareentwickler KI-gestützte Technologien ein, um den Entwicklungsprozess zu verbessern. Eine natürliche Sprachverarbeitung (Natural Language Processing, NLP) hilft den Entwicklern dabei, automatisierte Vorlagen für Berichte zu erstellen, indem sie aus bestehenden Dokumentationen und Berichten lernt. Die KI analysiert große Mengen an Daten aus vergangenen Penetrationstests, erkennt Muster und unterstützt die Entwickler dabei, standardisierte und dennoch flexible Berichtstrukturen zu gestalten.

Zusätzlich nutzen die Entwickler eine KI-basierte Fehler- und Schwachstellenanalyse. Diese KI prüft den Code kontinuierlich auf Sicherheitslücken und Compliance-Verstöße. Sie identifiziert potenzielle Schwachstellen frühzeitig im Entwicklungszyklus und schlägt Lösungen vor, wodurch die Sicherheit und Qualität der Software erhöht werden. Die KI unterstützt auch bei der Priorisierung von Entwicklungsaufgaben, indem sie basierend auf Risikoanalysen Empfehlungen gibt, welche Funktionen und Sicherheitsaspekte zuerst bearbeitet werden sollten.

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Öffentliche Verwaltung

Für eine große städtische Verwaltung hat msg eine modulare Softwarelösung zur Digitalisierung von Verwaltungsprozessen entwickelt. Die Suite soll Behördengänge für Bürger erleichtern, interne Abläufe optimieren und die Transparenz von Verwaltungsprozessen erhöhen. Bei der Entwicklung nutzen die Softwareentwickler KI-gestützte Werkzeuge, um den Entwicklungsprozess effizienter und qualitativ hochwertiger zu gestalten. Eine KI-basierte Anforderungsanalyse hilft dabei, die vielfältigen gesetzlichen Vorgaben und Verwaltungsrichtlinien automatisch in technische Spezifikationen zu übersetzen. Die KI analysiert umfangreiche Dokumentationen und extrahiert relevante Informationen.

Zudem unterstützt eine KI-gesteuerte Testautomatisierung die Entwickler, indem sie Testfälle generiert, die auf realen Nutzerdaten und -verhalten basieren. Dies ermöglicht eine umfassende Qualitätssicherung, die speziell auf die Bedürfnisse der öffentlichen Verwaltung zugeschnitten ist. Die KI hilft auch bei der Code-Überprüfung, indem sie den Code kontinuierlich auf Sicherheitslücken und hinsichtlich Performance-Optimierungen prüft. Durch diese Unterstützung können Entwickler schneller auf Probleme reagieren und die Software robust und sicher gestalten.

Zukunftsaussichten

Die Rolle des Softwareentwicklers transformiert sich von einem reinen Coder zu einem Orchestrator von KI-Systemen. Diese Evolution bietet sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Durch Anpassung und kontinuierliches Lernen können Entwickler die Vorteile von KI nutzen, um bessere und effizientere Softwarelösungen zu schaffen. Indem sie die Rolle des Dirigenten übernehmen, können sie die Symphonie der KI-Technologien leiten und so die Zukunft der Softwareentwicklung gestalten.

Es ist wahrscheinlich, dass KI in Zukunft noch stärker in den Entwicklungsprozess integriert wird, möglicherweise bis hin zur vollständigen Automatisierung bestimmter Aspekte. Dennoch bleibt der menschliche Faktor unverzichtbar, insbesondere bei der kreativen Problemlösung, ethischen Überlegungen und der letztendlichen Verantwortung für das Produkt.

* Dr. Heike Diller ist Senior Project Manager und Florian Kandlinger ist Lead IT Consultant bei msg.

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