Die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI, engl. AI) verändert nicht nur Geschäftsprozesse, sondern stellt auch die IT-Landschaft von Unternehmen vor neue Herausforderungen. Besonders Agentic AI verspricht die Art und Weise, wie Unternehmen Technologie einsetzen, grundlegend zu revolutionieren.
Der Autor: Dr. Jan Kunkler ist Principal Data Scientist & AI Educator bei Lobster
(Bild: Lobster)
Um das Konzept der Agentic AI besser zu verstehen, ist eine klare Abgrenzung zu anderen KI-Technologien hilfreich. Traditionelle KI-Systeme arbeiten reaktiv – sie reagieren auf spezifische Eingaben mit vordefinierten Antworten oder Vorhersagen. Agentic AI zeichnet sich durch ihre proaktive und zielgerichtete Handlungsweise aus. Statt nur auf Eingaben zu reagieren, verfolgt sie eigenständig definierte Ziele und entwickelt geeignete Handlungsstrategien. Dabei nimmt sie ihre Umgebung präzise wahr, interpretiert komplexe Zusammenhänge und passt ihre Entscheidungen dynamisch an neue Gegebenheiten an.
Durch die Fähigkeit, mit verschiedenen Tools und Systemen zu interagieren, kann Agentic AI ihre Aufgaben effizient und flexibel ausführen. Zudem lernt sie kontinuierlich aus Erfahrungen, optimiert ihr Verhalten und verbessert ihre Strategien. Innerhalb festgelegter Parameter agiert sie somit autonom und trifft fundierte Entscheidungen, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Technisch betrachtet lassen sich agentische Systeme in drei verschiedene Kategorien einteilen:
1. Workflow-basierte Agenten folgen vordefinierten Prozessabläufen, wobei KI-Komponenten an bestimmten Punkten Entscheidungen treffen. Die grundlegende Struktur wird jedoch von Menschen vorgegeben.
2. Autonome Agenten planen und steuern ihre Aktionen weitgehend selbstständig, basierend auf übergeordneten Zielen. Sie entscheiden dynamisch über die nächsten Schritte, ohne einem fest programmierten Pfad zu folgen.
3. Multi-Agenten-Systeme bestehen aus mehreren spezialisierten Agenten, die zusammenarbeiten, um komplexe Aufgaben zu lösen, wobei jeder Agent eine spezifische Rolle übernimmt.
Doch warum ist Agentic AI für die Zukunft der Unternehmens-IT so entscheidend? Und wie können Unternehmen diese Technologie erfolgreich integrieren?
Automatisierung und Prozessoptimierung
Indem sie repetitive Aufgaben automatisiert und gleichzeitig die Effizienz steigert, trägt Agentic AI wesentlich zur Prozessoptimierung bei und übernimmt routinemäßige Tätigkeiten, die zuvor manuell ausgeführt wurden. Durch eine intelligente Entscheidungsfindung kann Agentic AI Prozesse in Echtzeit optimieren und Fehlerquellen minimieren. Ihre Fähigkeit zur proaktiven Problemlösung sorgt dafür, dass potenzielle Störungen frühzeitig erkannt und automatisch behoben werden.
Die technische Umsetzung dieser Fähigkeiten basiert auf einer mehrschichtigen Architektur. In der ersten Stufe, der Beobachtungsschicht, werden Daten aus verschiedenen Quellen wie Sensoren, APIs und Datenbanken erfasst, um eine umfassende Grundlage für weitere Analysen zu schaffen. Anschließend interpretiert die Analyseschicht diese gesammelten Daten mithilfe von KI-Modellen und Algorithmen, wodurch relevante Muster und Zusammenhänge erkannt werden. Auf dieser Basis trifft die Entscheidungsschicht eine Auswahl geeigneter Handlungsoptionen, die optimal auf die jeweilige Situation abgestimmt sind. Abschließend setzt die Aktionsschicht diese Entscheidungen um, indem sie über entsprechende Schnittstellen mit Geschäftssystemen interagiert.
Die dynamische Anpassungsfähigkeit der Agentic AI ermöglicht es Unternehmen, auf sich verändernde Marktbedingungen oder neue Datenquellen schnell zu reagieren. Sie unterstützt außerdem den Wissenstransfer, indem sie institutionelles Wissen systematisch erfasst und in ihre Entscheidungsprozesse integriert, was besonders in komplexen Arbeitsumfeldern von Bedeutung ist. Darüber hinaus sorgt die kontinuierliche Selbstoptimierung dafür, dass Agentic AI mit der Zeit immer effizienter wird, während die Skalierbarkeit es Unternehmen ermöglicht, Prozesse bei wachsendem Bedarf zu erweitern, ohne die Qualität zu beeinträchtigen.
Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine
Ein zukunftsfähiger Arbeitsplatz sollte nicht nur effizient, sondern auch attraktiv und innovationsgetrieben sein. Unternehmen müssen verstärkt darauf setzen, Talente mit einer ausgeprägten problemlösenden Denkweise zu gewinnen und einzusetzen. Der Schlüssel dazu liegt in der sinnvollen Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine: Routinetätigkeiten sollten automatisiert werden, während menschliche Fähigkeiten wie Kreativität, emotionale Intelligenz und strategisches Denken verstärkt für wertschöpfende Aktivitäten eingesetzt werden können. Durch die wertvolle Zeitersparnis, die sich aus der Automatisierung wiederholender manueller Tätigkeiten ergibt, können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr Zeit nehmen, ihre Kreativität für die Weiterentwicklung von Arbeitsabläufen und einzelnen Schritten eines Prozesses einzusetzen.
Künstliche Intelligenz wird so zu einem intelligenten Kollegen, der als Teil eines Teams oder Arbeitsablaufs integriert werden kann. Menschen werden dadurch auch dazu gezwungen, Prozesse klar zu definieren, alle Einzelschritte detailliert zu betrachten und darzulegen, wie sie über ihre Arbeit denken und bewerten, wie sie mit verschiedenen Funktionen, Werkzeugen oder Kollegen im Unternehmen zusammenarbeiten.
Statt den Fokus auf Kostenreduktion durch den Abbau von Personal zu legen, sollten Unternehmen Agentic AI gezielt nutzen, um einen echten Mehrwert zu schaffen. Das gelingt am besten, indem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv in den Innovationsprozess eingebunden werden – sie sind es, die die wahren Schmerzpunkte erkennen und Lösungen entwickeln können, die eine nachhaltige Verbesserung ermöglichen. Nur durch diesen Ansatz können Unternehmen das volle Potenzial von KI ausschöpfen und die versprochene vielfache Verbesserung tatsächlich realisieren.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Konkrete Anwendung in der Unternehmens-IT
Agentische Systeme überwachen IT-Infrastrukturen kontinuierlich, erkennen Anomalien und beheben Fehler automatisch. Sie analysieren Fehlerprotokolle, identifizieren Muster und führen Korrekturmaßnahmen durch – oft ohne menschliches Eingreifen. Inder Cybersicherheit analysieren Agenten den Netzwerkverkehr in Echtzeit, erkennen ungewöhnliche Aktivitäten und leiten adaptive Gegenmaßnahmen ein, wie das Isolieren verdächtiger Verbindungen oder das Schließen von Sicherheitslücken.
Auch Geschäftsprozesse profitieren: In der Lieferkette optimieren agentische Systeme Lagerbestände, passen Lieferrouten in Echtzeit an und reagieren auf Lieferengpässe durch autonome Anpassungen. Durch die kontinuierliche Datenanalyse lassen sich Effizienzsteigerungen von bis zu 25 Prozent erzielen. Die Implementierung wird durch No-Code-Plattformen erleichtert, die Fachabteilungen eine schnelle und flexible Anpassung agentischer Workflows ohne tief gehende IT-Kenntnisse ermöglichen.
Herausforderung der sicheren Nutzung
Die sichere Nutzung von Agentic AI für Kunden kann auf dieselbe Weise gewährleistet werden, wie das in der Softwareentwicklung über die vergangenen Jahre hinweg erfolgt ist – durch einen strukturierten und verantwortungsbewussten Entwicklungsprozess. Die Agenten werden viele der gleichen Werkzeuge und Technologien nutzen wie menschliche Mitarbeiter und mit denselben Daten interagieren. Daher müssen sie auch denselben umfassenden Tests und Qualitätsstandards unterzogen werden. Durch die gezielte Entwicklung komplexer agentengestützter Arbeitsabläufe wird sichergestellt, dass alle relevanten Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden. Dieser Ansatz ist somit effektiver als die einmalige Entwicklung isolierter Eingabeaufforderungen (engl. „One Shot Prompts“) und ermöglicht eine sichere und nachhaltige Integration von Agentic AI in bestehende Systeme.
Ähnlich wie bei der Entwicklung benutzerfreundlicher Schnittstellen für Menschen müssen Unternehmen nun auch in die Gestaltung agentenkompatibler Schnittstellen investieren. Die Qualität dieser Schnittstellen entscheidet maßgeblich über die Effektivität und Sicherheit agentischer Systeme. Schlecht konzipierte Schnittstellen können zu unerwarteten Verhaltensweisen, Sicherheitslücken oder ineffizienten Prozessen führen.
Agentic AI als Katalysator für die Unternehmenstransformation
Agentic AI repräsentiert einen fundamentalen Wandel in der Art und Weise, wie Unternehmen Technologie einsetzen. Anders als isolierte KI-Anwendungen bieten agentische Systeme die Möglichkeit, komplexe Geschäftsprozesse end-to-end zu automatisieren und zu optimieren. Der Schlüssel zum Erfolg liegt jedoch nicht in der Technologie selbst, sondern in ihrer strategischen Integration in bestehende Systeme und Prozesse.
Dieser Wandel erfordert ein Umdenken in der gesamten Organisation – von der IT-Architektur bis hin zur Unternehmenskultur. Die Umstellung von menschenzentrierten zu API-zentrierten Systemen ist dabei ein entscheidender Schritt. Prozesse und Schnittstellen müssen so gestalten werden, dass sie sowohl für Menschen als auch für Agenten optimal nutzbar sind.
Unternehmen, die Agentic AI erfolgreich einsetzen wollen, müssen über die reine Technologieimplementierung hinausdenken. Sie benötigen eine solide Datenintegrationsbasis, standardisierte API-Schnittstellen und ein tiefes Verständnis ihrer Geschäftsprozesse. Nur so können sie das volle Potenzial dieser Technologie ausschöpfen und messbaren Geschäftswert schaffen.
Die Zukunft gehört nicht den Unternehmen mit den fortschrittlichsten KI-Modellen, sondern denen, die KI am effektivsten in ihre Geschäftsprozesse integrieren können. Agentic AI ist kein Allheilmittel, sondern ein mächtiges Werkzeug, das – richtig eingesetzt und orchestriert – Unternehmen dabei helfen kann, effizienter, reaktionsfähiger und innovativer zu werden.