KI-Gipfel 2025: Fünf Forderungen an die Politik Deutschland muss ins Machen kommen

Ein Gastbeitrag von Thuy-Ngan Trinh 5 min Lesedauer

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Deutschland hinkt beim KI-Ausbau hinterher. Nun fordert die deutsche Wirtschaft von der Politik fünf zentrale Maßnahmen zur Förderung von KI, wie Bildungsreformen, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen und konkrete Anreize für KMUs und Start-ups. Thuy‑Ngan Trinh, Managing Director der Digitalberatung A11, fordert in diesem Beitrag mehr Mut von Politik und Wirtschaft und stellt fünf Forderungen auf.

Thuy-Ngan Trinh appeliert auf dem KI-Gipfel: Deutschland braucht mehr Mut.(Bild:  A11)
Thuy-Ngan Trinh appeliert auf dem KI-Gipfel: Deutschland braucht mehr Mut.
(Bild: A11)

Deutschland steht vor einer entscheidenden Herausforderung: Die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) eröffnet enorme Chancen, doch die Umsetzung fehlt. Laut Bitkom nutzen inzwischen 36 Prozent der Unternehmen KI, fast doppelt so viele wie noch im Vorjahr. Aber die Vision einer innovationsgetriebenen Standortpolitik bleibt hinter der Realität zurück. Eine zentrale Strategie, souveräne Rechenressourcen und ein konsequenter Kulturwandel fehlen.

Beim KI‑Gipfel in Stuttgart trafen sich Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Forschung, um nicht länger über KI zu reden, sondern sie in die Unternehmenspraxis zu bringen. Gelingen kann das durch politische Maßnahmen. Über 900 Vertreter aus Mittelstand, Familienunternehmen und Startups haben auf dem KI-Gipfel ihre Stimme abgegeben. Und das sind ihre Forderungen an die Politik:

1. Digitale Kompetenzen von Anfang an: KI in Schulen und Hochschulen etablieren

Eine umfassende Bildungs- und Qualifizierungsoffensive muss gestartet werden, um KI in allen Bildungssystemen zu verankern. Das beginnt bereits in der Schule. Es reicht nicht, KI als technisches Fachthema zu behandeln, sie muss als fester Bestandteil der Schul- und Hochschulbildung sowie der beruflichen Weiterbildung verankert werden. Ziel ist es, digitale Kompetenzen zu fördern, die weit über technische Grundlagen hinausgehen. Kritisches Denken, die Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen und die Fähigkeit, KI kreativ zu nutzen, müssen ebenso Teil der Bildung werden. Besonders Investitionen in digitale Bildung werden gefordert.

Diese digitale Bildung ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit, um den digitalen Wandel als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verstehen. Wir müssen Fachkräfte ausbilden, die nicht nur mit KI umgehen können, sondern auch den Kontext verstehen, in dem sie eingesetzt wird. Die Zukunft der Arbeit wird von KI geprägt sein, und um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir jetzt handeln.

2. Innovationshürden senken: Weniger Regulierung, mehr Flexibilität

Es braucht innovationsfreundliche Rahmenbedingungen zur Förderung von KI. Politik und Verwaltungen müssen Bürokratie abbauen und flexible, pragmatische Regelungen für den Einsatz von KI schaffen. Wir brauchen schnellere Genehmigungsprozesse für neue Forschungsprojekte, vereinfachte Datenschutzbestimmungen und flexible, pragmatische Regulierungen, die der rasanten Entwicklung von KI gerecht werden.

Der Status quo ist durch überregulierte Compliance geprägt und bremst Innovationen aus. Für Unternehmen und Forschungseinrichtungen ist es entscheidend, dass sie KI schnell und unkompliziert an ihren eigenen Projekten und Unternehmensprozessen testen und umsetzen können. Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die die technologische Entwicklung und die praktische Anwendung von KI nicht ausbremsen, sondern gezielt stärken.

3. Europäische Unabhängigkeit erreichen: eigene KI-Infrastrukturen aufbauen

Ein zentraler Aspekt für die Zukunft von KI in Europa ist der gezielte Ausbau europäischer KI-Infrastrukturen. Wir brauchen eigene Rechenzentren, Open-Source-Modelle und europäische Foundation Models. Sie sind entscheidend, um Datensouveränität zu gewährleisten und die Abhängigkeit von außereuropäischen Tech-Giganten zu verringern. Im globalen KI-Wettlauf liegen Länder wie die USA und China vorne. Sie setzen KI in ihren Unternehmen ein und entwickeln eigene KI-Systeme, wie ChatGPT oder Deep Seek, die global genutzt werden. In Europa dagegen gibt es kaum solche Fortschritte.

Eine unabhängige KI-Infrastruktur ermöglicht es Unternehmen, ihre Daten innerhalb der EU zu halten und schützt vor dem unkontrollierten Zugriff auf sensible Informationen. Europa muss die Kontrolle über seine eigenen KI-Infrastrukturen und Daten behalten. Nur so bleiben Unternehmen weiterhin innovativ und sichern gleichzeitig den Datenschutz.

4. Integration von KI in KMUs fokussieren

Die Politik sollte speziell auf KMUs und Start-ups ausgerichtete Förderprogramme schaffen, die diese Unternehmen bei der praktischen Nutzung von KI unterstützen. Hierzu gehören steuerliche Erleichterungen, vereinfachter Zugang zu Daten und unbürokratische Pilotförderungen. So können auch kleinere Unternehmen KI ohne langwierige bürokratische Hürden schnell und effektiv implementieren.

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Besonders KMUs hinken bei der Integration von KI hinterher. Nur 38 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen setzen KI bislang ein, was das wirtschaftliche Potenzial und die Innovationskraft des Landes gefährdet. Wenn KMUs aktuell nicht durch den Einsatz von KI gestärkt werden, kann auch Deutschlands Wirtschaft nicht wachsen und es entstehen weniger innovative Projekte. Aktuell erreicht nur ein Bruchteil der Unternehmen, die KI einsetzen, ein messbares Umsatzwachstum. Der Zugang zu Ressourcen wie Fördergeldern und technischem Material ist ebenfalls entscheidend, um mit den großen Unternehmen in der Nutzung von KI Schritt halten zu können. Ohne gezielte Förderanreize laufen diese Unternehmen Gefahr, den Anschluss an die digitale Transformation zu verlieren.

5. KI aus der Testphase in die Realität bringen: KI-Projekte schneller skalieren

Es braucht einen Kulturwandel: mehr machen, weniger reden. In Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft muss ein Umdenken stattfinden, um KI als Chance zu begreifen und umzusetzen. Pilotprojekte müssen schnell umgesetzt und in den Echtbetrieb überführt werden. Zudem braucht es eine engere Zusammenarbeit zwischen Staat und Privatwirtschaft sowie eine aktive Einbindung der Bürger in den Prozess.

Der Fokus muss auf konkreten Projekten und messbaren Ergebnissen liegen, die den praktischen Nutzen von KI zeigen. Unternehmen müssen KI einfach in ihre Strukturen integrieren können, um beispielsweise Abläufe im Marketing oder Personalwesen effizienter zu gestalten. Das ist der einzige Weg, um das volle Potenzial von KI auszuschöpfen und Deutschland als Innovationsstandort zu stärken.

Die Unternehmensvertreter wünschen sich, dass wir einen ehrlichen Umgang mit KI in unsere Kultur integrieren und aus zögerlichen, innovationsfeindlichen und konservativen Denkmustern ausbrechen. Die Politik muss Mut zur Umsetzung zeigen, den KI-Ausbau auf ihre Agenda setzen und echte Fortschritte ermöglichen.

Zeit zu handeln

Der KI‑Gipfel hat eines deutlich gemacht: Deutschland hat das Wissen und die Technologie, aber es mangelt an Umsetzung. Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam dafür sorgen, dass aus Pilotprojekten Geschäftsmodelle werden und dass KMU nicht im Paragraphendschungel stecken bleiben. Wer jetzt handelt, sichert sich Effizienzgewinne und neue Wachstumspfade. Und: KI schafft Jobs, sie ersetzt sie nicht

Es ist Zeit, ins Machen zu kommen, damit der Mittelstand vom KI‑Buzzword‑Bingo zum echten Business Impact wechselt: Nur durch eine umfassende Bildungsoffensive, agile Innovationspolitik, den Ausbau europäischer Infrastrukturen und gezielte Anreize für KMU und Start-ups kann Deutschland im internationalen Wettbewerb um KI an der Spitze bleiben.

Der Weg von der Theorie zur Praxis erfordert nicht nur politische Weitsicht, sondern auch den Mut, konkret zu handeln. Doch dafür müssen jetzt die richtigen politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Thuy-Ngan Trinh ist Geschäftsführerin bei A11.(Bild:  A11)
Thuy-Ngan Trinh ist Geschäftsführerin bei A11.
(Bild: A11)

Über die Autorin

Tech- und KI-Expertin Thuy-Ngan Trinh ist Geschäftsführerin bei A11. Sie hat einige der bekanntesten europäischen Unicorns wie Trade Republic, Zalando und Sennder mitaufgebaut. Bei A11 leitet sie als Geschäftsführerin ein Team von 120 Experten und unterstützt seit knapp 10 Jahren Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung von leistungs- und datengetriebenen Wachstumsstrategien. Sie fokussiert sich auf die digitale Transformation und wirtschaftliche Stärkung des Mittelstands.

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