„Blockchain wird nicht nur die Finanz- oder Energiewirtschaft verändern, Verwaltungsvorgänge oder die Logistik revolutionieren“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Gerade im Verkehrssektor gibt es faszinierende Einsatzszenarien. Viele der aktuellen Herausforderungen der Automobilindustrie können mit Blockchain leichter bewältigt werden. Jedes Unternehmen sollte ,digital first‘ denken und handeln. Die Entscheidungsträger in der Automobilindustrie sollten die Chancen der Blockchain-Technologie für ihre jeweiligen Unternehmen ausloten.“
Schließlich ermöglicht es die Blockchain-Technologie in vielen Bereichen Transaktionen ohne zentrale Vertrauensinstanz. So kann beispielsweise die komplette Lieferkette eines Produkts – zum Beispiel eines Automobils oder eines Zulieferprodukts – transparent dargestellt und ins Internet of Things (IoT) eingebunden werden. Mit Blockchain können Fahrzeugflotten optimal verwaltet werden und das Elektrofahrzeug bezahlt autonom den Strom aus dem eigenen Wallet, der digitalen Brieftasche.
Für den Bosch-Konzern - einen globalen Player in Sachen Automotive und Automation - besitzt Blockchain hingegen höchste Priorität. Mit dem Ziel „Mehr Transparenz, Sicherheit und Effizienz“ hat der Konzern mit Partnern kürzlich die „Trusted IoT Alliance“ ins Leben gerufen – ein neues Bündnisses rund um die Blockchain-Technologie Der Grund: Schon heute sind Millionen internetfähiger Geräte fester Bestandteil des Alltags: Das Auto hilft bei der Parkplatzsuche, das Haus meldet dem Bewohner ein offenes Fenster und der Acker dem Landwirt die Bodentemperatur.
Aufgrund der stark zunehmenden Verbreitung wird es nach Einschätzung Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner immer relevanter, die Sicherheit von IoT-Geräten gegen Hackerangriffe kontinuierlich zu verbessern und das Vertrauen der Nutzer in IoT-Lösungen zu stärken. Dazu plant das Bündnis die Entwicklung eines Standards, der den Einsatz der Blockchain-Technologie in IoT-Geräten ermöglicht.
„Für uns sind die Blockchain und verwandte Technologien von hoher strategischer Bedeutung“, so Konzernlenker Denner zum offiziellen Start der „Trusted IoT Alliance“. „Ohne das Zutun Dritter lassen sich mithilfe von Blockchain und technologisch ähnlicher Ansätze auf sichere Weise Daten online zwischen Nutzern austauschen, Vereinbarungen und Verträge anonymisiert abschließen und Zahlungen sicher durchführen“, benannte Denner die Chancen. „Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir bei Bosch neue Lösungen zur Marktreife bringen und damit zum weiteren Erfolg des Internets der Dinge beitragen.“
Mögliche Einsatzgebiete sieht das Bündnis bei der sicheren Identifikation und Vernetzung von Gegenständen – vom Auto über Fertigungsanlagen und Drohnen bis hin zu Paketen oder Energiezählern. Weitere Potenziale liegen in der Automatisierung von Geschäftsprozessen.
Vom Barcode zur Blockchain
Die Ausarbeitung eines einheitlichen Blockchain-Standards fürs IoT kann als nächste Phase einer technischen Entwicklungslinie betrachtet werden, die beim Barcode – dem ersten digitalen Produktidentifikator – ihren Anfang nahm. Der Barcode hat im Einzelhandel und im Fertigungssektor enorme Verbesserungen ermöglicht, etwa durch schnelleres Bezahlen an der Kasse oder schnellere Identifizierung von Waren.
Doch auch der Strichcode birgt Sicherheitslücken. Heute sind Produktfälschungen im Wert von Billionen Dollar im Umlauf. Die Blockchain als sichereres Identitätssystem, das sich durch Offenheit und Interoperabilität auszeichnet, kann nach Expertenmeinung ähnliche Umwälzungen bewirken wie seinerzeit der Barcode.
Bosch erforscht bereits zahlreiche Nutzungsansätze für die Blockchain-Technologie. Ein weit fortgeschrittenes Projekt dreht sich um den weit verbreiteten Tachobetrug bei Fahrzeugen. Um diesen zu verhindern, sendet das Auto in regelmäßigen Abständen den Tachostand an eine sichere und weltweit verfügbare dezentrale Datenbank. Die Echtheit der Angaben wird über ein Zertifikat nachgewiesen. Alle übertragenden Daten werden zudem kryptografisch verschlüsselt und können ausschließlich vom Fahrzeugbesitzer gelesen werden.
Stand: 08.12.2025
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Darüber hinaus ist Blockchain-Einsatz in der Fertigungsindustrie sinnvoll, vor allem in der Lieferkettenlogistik. Dort kann mit kryptografischen Signaturen die Identität von Gegenständen in jeder Transport- und After-Sales-Phase bestätigt werden. Der Nutzen: Qualität und Effizienz steigen, Kosten sinken.