Big Data in der Enterprise Cloud Big-Data-Projekte mit Stackable in der Ionos-Cloud

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Nico Litzel

Das deutsche Start-up Stackable bietet Big-Data-Lösungen in der Enterprise Cloud an, die von Ionos betrieben wird. Im Unterschied zu den Angeboten der Hyperscaler basiert das Angebot von Stackable auf einer offenen und flexiblen Plattform, die durchgängig auf Open-Source-Komponenten setzt. Kunden haben hier die freie Wahl, welche Tools sie in welcher Version kombinieren möchten. So sollen sich maßgeschneiderte, Open-Source-basierte Lösungen erstellen lassen, die den Kunden nicht an einen bestimmten Anbieter binden.

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Die Architektur von Stackable umfasst Operatoren, Agenten sowie zahlreiche Services, die unter anderem von Gaia-X und OpenTelemetry kommen können.
Die Architektur von Stackable umfasst Operatoren, Agenten sowie zahlreiche Services, die unter anderem von Gaia-X und OpenTelemetry kommen können.
(Bild: Stackable)

Rainer Sträter, Head of Global Platform Hosting, Ionos
Rainer Sträter, Head of Global Platform Hosting, Ionos
(Bild: WWW.CHRISTOFMATTES.COM)

„Seit Jahresanfang 2021 hat sich der Open-Source-Markt für Big-Data-Plattformen erheblich verändert“, berichtet Rainer Sträter, Head of Global Platform Hosting des Cloud-Anbieters Ionos, auf dem Stackable läuft. „Cloudera hat sämtliche Produkte hinter eine Paywall gestellt.“ Nachdem Cloudera seine Angebotsstruktur geändert hat, gibt es keine offene, kostenlose Big-Data-Gesamtlösung mehr. Dieser Vorgang reiht sich in eine lange Liste von Lizenzänderungen der vergangenen Jahre ein. Man schaue sich nur an, was mit Redis, MongoDB und Elastic passiert sei.

Lars Francke, CTO von Stackable
Lars Francke, CTO von Stackable
(Bild: Stackable)

„Elastic ist keine Open-Source-Software mehr, seit es seine Lizenz von Apache 2.0 auf eine Server Side Public License (SSPL) sowie die Elastic License umgestellt hat“, weist Lars Francke, der CTO von Stackable, hin. Eine gute Gelegenheit also, zu den alten Open-Source-Tugenden zurückzukehren und sich zugleich der Vorteile, die das Gaia-X-Projekt bietet, zu versichern.

„Ionos nimmt auf Einladung des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) am Gaia-X-Projekt teil“, berichtet Sträter weiter. „Wir arbeiten zusammen mit der Community und als Teil des Technical Committee, um eine echte Interoperabilität und Portabilität durch eine Standardisierung der Infrastruktur zu erreichen – auch als Basis für ein Daten-Ökosystem. In dieser Infrastruktur können vertrauensvoll Daten gespeichert, verarbeitet und ausgetauscht werden sowie ganze Ökosysteme für Lösungen entstehen.“ Das sei im Hinblick auf europäische Datensouveränität sehr wichtig. „Open Source Software ist ein Schlüssel zur digitalen Souveränität – immer auf Basis europäischer Werte, wie etwa Offenheit, Datensicherheit, Datenschutz usw.“

Gaia-X ist zwar offen für Angebote der Hyperscaler, bildet aber auch eine europäische Alternative zu deren Angeboten, die primär darauf ausgelegt sind, Kunden längerfristig zu binden. „Hyperscaler liefern zwar Big-Data-Infrastrukturen aus der Cloud, doch es gibt eine Reihe von Hürden, bevor man diese Infrastruktur in Betrieb nehmen kann: die individuelle Organisation, die APIs, die Sicherheit usw.“, erläutert Francke. So verwundert es auch nicht, dass sich Ionos mit seiner Infrastruktur und Stackable mit seiner Big-Data-Lösung eher an mittlere und kleinere Firmen wenden, die ihre individuellen Anforderungen und Wünsche umgesetzt sehen wollen. Besonders der Mittelstand ist ja auf Differenzierung vom Wettbewerb angewiesen.

„Wir verstehen uns in erster Linie als Service Provider“, erklärt CTO Lars Francke, „nicht als Anbieter von Nodes oder Infrastructure as a Service.“ Daher besteht die wichtigste Aufgabe der Stackable-Dienstleister in der Zusammenführung von Wissen, Tools und neu benötigten Schnittstellen. Francke: „Stackable bietet seinen Kunden darüber hinaus System- und Service-Integration bzw. -komposition als Service, entweder als Consulting oder zum Self-Service (Best of Breed).“

„Wir schreiben Software, die weiß, wie man andere Software bereitstellt, überwacht und verwaltet“, erklärt Francke. „Unser Wissen betrifft vor allem Open Source und Big Data, also Apache Hadoop und darum entstandene Ökosystem mit Komponenten wie Apache Kafka, Apache Spark, Apache NiFi usw.“ Das Wissen steckt in Operatoren.

Nach den Worten von Francke sind Operatoren „Muster“, die v. a. im Kubernetes-Ökosystem genutzt werden. „Operatoren sorgen dafür, dass die Software einer Site zuverlässig funktioniert.“ Sie kodifizieren Wissen der menschlichen Bediener hinsichtlich der Arbeitsweise, die eine Applikation aufweisen sollte, wie man sie überwachen und nutzen sollte.

Alle Komponenten einer Big-Data-Lösung sollen sich zwecks Wiederverwendung in Code gießen lassen. „Kubernetes-Nodes etwa kommen von einem Provider wie Ionos als IaaS-Service“, erklärt der CTO, „Data Assets kommen von Gaia-X-Cloud-Anbietern, beispielsweise vom Deutschen Wetterdienst (DWD).“ Es sei sehr aufwendig und lästig, zusätzliche Services einbinden zu müssen, etwa für Log-Aggregation, Metrik-Sammlung, Sicherheit etc. „Daher gilt unsere Hoffnung der Bereitstellung von Gaia-X-Standards, wie den Federated Services.“

Stackable, Ionos und Gaia-X

Stackable selbst liefert seinen Enterprise-Kunden und Service Providern Infrastructure as a Code, mit Operatoren und Agenten & Co. Die nahtlose Integration mit Gaia-X erlaubt daher nach Ansicht Franckes erstens das Ausführen in einer privaten Infrastruktur, zweitens das Ausführen in hybriden Szenarien, sei es Public-Private oder in der Multi-Cloud.

Das Ausführen in der Cloud ermöglicht auch Managed Services. Ein weiterer Schritt besteht in der Herstellung der Kompatibilität von SCS, also dem Sovereign Cloud Stack. „Einzelne Mitglieder von Gaia-X haben sich zusammengetan, um auf Basis von Open Stack den SCS zu entwickeln“, erläutert Sträter. Der SCS als Technologie-Stack auf Basis von Open Stack ist damit – vereinfacht gesprochen – ein Open Source Cloud Orchestration Tool plus Cloud-Betriebssystem.

Neben dem SCS gebe es natürlich noch weitere Cloud Stacks, die Gaia-X konform sind. Dazu gehört u. a. der IONOS High Performance Stack, der ebenfalls auf Open Source baut und schon mehr als zehn Jahre am Markt erprobt sei. Der SCS sei dagegen noch in Entwicklung und muss sich noch unter Volllast beweisen.

„Grundsätzlich geht es nicht darum, neue Standards für Metriken, Logging und ähnliche für den Betrieb einer Enterprise-fähigen Plattform notwendigen Themen zu schaffen. Vielmehr ist das Ziel, bestehende Lösungen so weit wie möglich zu integrieren.", so Francke. Beispiele für solche Standards und Integrationen sind OpenTelemetry, „OpenCensus“ oder der Open Policy Agent.

Resümee

Da es nur offene Standards und Tools verwende, erfordere Stackable keine Disruption beim Kunden, sondern füge sich vielmehr mit einer Open-Source-Lizenz in dessen IT-Landschaft ein.

Durch den Einsatz von Open Source Software und das Einbinden von bestehenden Standardlösungen versucht Stackable, möglichst wenig Anpassungsaufwand beim Kunden zu verursachen. „Dies Ziel ist nicht, dass der Kunde seine Umgebung verbiegt, um zu uns zu passen. Vielmehr wollen wir so flexibel sein, dass wir uns an bestehende Integrationspunkte beim Kunden andocken“, sagt Francke.

Als Haupt-Mehrwert sieht es Stackable, dass das Wissen um den Betrieb von Open Source Software als Code geliefert wird und nicht mehr bei den Unternehmen im eigenen Hause aufgebaut werden muss. Hierdurch können die Stackable-Kunden sich voll auf die wertschöpfenden Use Cases konzentrieren, für die der Betrieb lediglich die Basis, die Plattform liefert.

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