Wissen Sie, was „digitale Transformation" bedeutet? Wenn Sie diesen Begriff inzwischen nicht mehr hören können, haben Sie vielleicht verpasst, dass er seit seinem erstmaligen Auftauchen eine subtile Bedeutungsverschiebung erfahren hat. Als die IT-Branche vor einigen Jahren begann, über digitale Transformation oder „DX" zu sprechen, lag der Fokus vor allem auf Technologien. Mit ihrer Hilfe sollten Unternehmen effizienter werden, ihren Cashflow effektiver verwalten und ihre IT rationalisieren.
Der Autor: Christian Leutner ist Head of Products Sales Europe bei Fujitsu
(Bild: yveskrier.com)
Heute sind Daten das A und O. Der Schwerpunkt hat sich auf das Implementieren solcher Technologien verlagert, die den Wert von Unternehmensdaten erschließen. Letztendlich hängt der Erfolg der digitalen Transformation jedes Unternehmens von seiner Fähigkeit ab, die enormen Mengen unstrukturierter Daten effektiv zu nutzen, indem es daraus relevante Erkenntnisse generiert, die Wettbewerbsvorteile schaffen.
Bei Fujitsu helfen wir täglich unseren Kunden beim Erreichen ihrer Geschäftsziele durch optimierte Datennutzung. Wie aber sieht es darüber hinaus mit der Entwicklung datengetriebener Strukturen im gesamten Markt aus? Um das herauszufinden, hat Fujitsu den führenden Spezialisten Freeform Dynamics mit einer Untersuchung zu den Fortschritten in puncto Datennutzung bei europäischen Unternehmen beauftragt.
Die Umfrage wurde im Juni 2020 mit 400 Unternehmen in Österreich, den Beneluxländern, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Spanien, Schweden, der Schweiz und Großbritannien durchgeführt. Jeweils die Hälfte der Unternehmen hat mehr als 5.000 respektive 1.000 bis 4.999 Mitarbeiter.
Vier grundlegende Kriterien für ein datengesteuertes Unternehmen
Freeform Dynamics nutzte bei der Bewertung des Unternehmens-Reifegrads vier Schlüsselkategorien: Kultur und Mentalität (z. B. Einstellung zu IT-Investitionen) als erstes sowie Nutzererfahrung (Konsistenz der Datenquellen und unmittelbare Verarbeitungsmöglichkeit der Daten) als zweites Kriterium. Dritter Bereich ist das Datenmanagement (von der Definition klarer Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten bis hin zu effektiven Prozessen), Nummer vier schließlich fokussiert auf Systeme und Infrastruktur (d. h., die richtigen Werkzeuge und unterstützenden Technologien für den größtmöglichen Nutzen). Die Analysten von Freeform Dynamics definierten dann die Eigenschaften, die auf vier verschiedenen Reifegraden für jeden Bereich erwartet wurden; Bereich eins wurde als „Data starved“ charakterisiert, Bereich zwei als ‚Data sustained‘. Bereich drei wurde mit ‚Data empowered‘ überschrieben, Bereich vier, die am weitesten fortgeschrittene Gruppe, gilt demzufolge als ‚Data driven‘. Alle Ergebnisse wurden diesen vier Stufen zugeordnet.
Die verschiedenen Reifegrade
(Bild: Freeform Dynamics)
Eine wichtige Erkenntnis: Das objektive Bewertungsmodell zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Organisationen (91 Prozent) in den Bereichen zwei und drei im Mittelfeld liegt, wenn es um die allgemeine Datenreife geht. Weniger als fünf Prozent können als wirklich datengetrieben betrachtet werden.
Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass die Entwicklung zu einem datengesteuerten Unternehmen eine Vielzahl von Kompetenzen in vielen Technologiebereichen erfordert – und die besitzen eben nicht alle Unternehmen. Nach Branchen betrachtet sind die Finanzdienstleister führend. Hier erreichen zehn Prozent den Status eines datengesteuerten Unternehmens. Dahinter folgt die Telekommunikation (sieben Prozent). Geografisch gesehen hat Großbritannien mit acht Prozent den höchsten Anteil an datengesteuerten Unternehmen. In den meisten europäischen Regionen (DACH, Frankreich, Finnland, Schweden und Benelux) liegt der entsprechende Anteil bei fünf Prozent. Nachzügler sind Spanien mit zwei Prozent und Dänemark, wo sich keiner der Befragten als datengesteuertes Unternehmen bezeichnen würde.
Der größte Teil der Unternehmen in Deutschland und der DACH-Region bewegt sich im Mittelfeld (44 Prozent sind „data empowered“, 48 Prozent sind „data sustained“), lediglich vier Prozent sind „data starved“. Die Letztgenannten verarbeiten ihre Daten weitgehend unsystematisch, was zu geringer Transparenz und einem höheren Sicherheitsrisiko führt.
Es überrascht nicht, dass die weiter fortgeschrittenen Unternehmen in vielen Schlüsselbereichen besser abschneiden - von der Innovationsfähigkeit und Ideenentwicklung über die Effizienz bis hin zur Wettbewerbsfähigkeit.
Die Lerneffekte
Nur ein kleiner Prozentsatz der Befragten kann als wirklich datengetrieben angesehen werden. Genau diese Unternehmen weisen dabei viele Gemeinsamkeiten auf, insbesondere bei ihren Zielen in puncto Wettbewerbsvorteile. Für eine konsistente und maximale Datenqualität implementieren sie Ansätze, die auf KI und Analytics basieren. Zudem schulen sie ihre Mitarbeiter sowohl individuell als auch im Rahmen multidisziplinärer Teams. Diese Organisationen zeichneten sich zudem durch den Einsatz fortschrittlicher Technologien in allen Bereichen ihrer IT aus.
Stand: 08.12.2025
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Ein langer Weg
Der Weg zu einem datengestützten Unternehmen ist weit. Zu Beginn geht es darum, den eigenen Status quo zu ermitteln, um die nächsten Schritte zu planen. Deshalb wurden die Umfrageteilnehmer gebeten, ihren eigenen Datenreifegrad einzuschätzen. Bemerkenswert: Immerhin sehen sich 63 Prozent bereits (fast) am Ziel – eine klare Überschätzung aufgrund eines mangelnden Verständnisses für Voraussetzungen und Erwartungen an ein datengetriebenes Unternehmen. Das Ergebnis ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass eine Vorhersage über den Zeitraum bis zum Erreichen der gewünschten Kompetenzen nur schwer möglich ist – auch und vor allem auf mentaler Ebene. Die maßgeblichen Hindernisse bestehen in der fehlenden Unterstützung durch die Unternehmensleitung, kulturellem Widerstand bzw. interner Obstruktionspolitik sowie weiteren personenbezogenen und organisatorischen Problemen.
Doch sind es nicht nur interne Herausforderungen. Eine datengesteuerte Entwicklung hat keinen klaren Endpunkt – und das bedeutet, dass dynamische Faktoren wie das Kundenverhalten, die Marktdynamik und der allgemeine technische Fortschritt die weitere Entwicklung in gewisser Hinsicht unkontrollierbar machen – und der Prozess damit immer weitergeht. Dabei ist allen Beteiligten klar, dass sie durch ihren digitalen Reifeprozess viel zu gewinnen haben. Allein der Übergang von einem Reifegrad zum nächsten verbessert die Aussichten auf eine höhere Unternehmensleistung – und erhöht für manche auch schlicht die Überlebenschancen.
Unternehmen, die noch einen weiten Weg vor sich haben, sollten schnell handeln. Die Ergebnisse der Umfrage erinnern auch daran, dass die Narrativen der Technologiebranche gerne auf die Pioniere fokussieren und dem (langsameren) Mainstream wenig Beachtung schenken. Dabei steht zu erwarten, dass sich die Branche verändern wird. Während mehr und mehr Akteure ihre Chance nutzen, bleiben andere auf der Strecke.